
VFA erwartet sinkende Pharmaproduktion
Quellen (12)
- AuÃenhandel: Zollstreit mit Trump: Pharmabranche erwartet weniger Umsatzhandelsblatt.com
- Adjusting Imports of Pharmaceuticals and Pharmaceutical Ingredients into the United States – The White Housewhitehouse.gov
- Trump prepares pharmaceutical tariffs of up to 100%cnbc.com
- Zollvereinbarung zwischen EU und USA betrifft auch Arzneimittel – News – Deutsches Ärzteblattaerzteblatt.de
- Pharma Deutschland warnt vor Folgen des neuen EU-USA-Handelsabkommenspharmadeutschland.de
- BMG: Pharmamarkt bleibt attraktiv | APOTHEKE ADHOCapotheke-adhoc.de
- Trotz gestrichener Milliarden: Eli-Lilly-Werk Alzey im Plan – News – Deutsches Ärzteblattaerzteblatt.de
- Neue Trump-Zölle setzen Arzneimittelhersteller zusätzlich unter Druckvfa.de
- Belebung der deutschen Wirtschaft bleibt aus – Pharmaindustrie investiert gegen den Trendvfa.de
- US-Zölle: Pharma laut Frühjahrsprognose robustvfa.de
- AuÃenhandel: Zollstreit mit Trump: Pharmabranche erwartet weniger Umsatzwiwo.de
- BPI Website: Transatlantisches Handelsabkommen: Vorläufig 15-Prozent-Höchstsatz und Generika zum MFN-Satz – rechtliche Unsicherheit bleibtbpi.de
Der Verband der forschenden Arzneimittelhersteller (VFA) erwartet für die deutsche Pharmaindustrie im laufenden Jahr einen Rückgang der Produktion um 2,2 Prozent und des realen Umsatzes um 1,8 Prozent, wie aus einer VFA-Prognose hervorgeht. Die Zahl der knapp 130.000 Beschäftigten der Branche in Deutschland dürfte laut VFA im laufenden Jahr stagnieren. Als Gründe nennt der Verband die handelspolitischen Auseinandersetzungen mit den USA sowie Niedrigwasser, das zusätzlich die Produktion belaste.
Im Vorjahr wurde vorgezogen, für 2026 erwartet der VFA die Gegenbewegung
Dass es im laufenden Jahr bergab gehen dürfte, hat laut VFA auch mit dem Vorjahr zu tun: Weil Trump wiederholt mit Arzneizöllen gedroht hatte, zogen Unternehmen ab Frühjahr 2025 umfangreiche Lieferungen in die USA vor, Umsatz und Produktion zogen danach kräftig an. Nach den vorgezogenen Exporten und Produktionsmengen des vergangenen Jahres folgt 2026 die Gegenbewegung, schreibt der Verband.
Zwischen 100-Prozent-Grundregel und 15-Prozent-Regel
Am 2. April 2026 verhängte die Trump-Regierung laut einem Bericht von CNBC neue Zölle auf Markenmedikamente von Herstellern, die zuvor keine Preisvereinbarung mit dem Präsidenten geschlossen hatten. Nach der zugehörigen Proklamation des Weißen Hauses unterliegen die in Anhang I aufgeführten patentgeschützten Arzneimittel und zugehörigen pharmazeutischen Inhaltsstoffe grundsätzlich einem Wertzoll von 100 Prozent, für diese Produkte mit Ursprung in der Europäischen Union, Japan, Südkorea sowie der Schweiz und Liechtenstein gilt jedoch ein Satz von 15 Prozent, sofern kein niedrigerer Satz greift. Die Proklamation legte den Beginn der Zollbehandlung für bestimmte Unternehmen auf den 31. Juli 2026 und für andere auf den 29. September 2026 fest. Ein Regierungsvertreter erklärte laut CNBC, 13 Unternehmen hätten bereits eine Preisvereinbarung mit der US-Regierung unterschrieben, mit vier weiteren Firmen liefen Verhandlungen.
Schon im Sommer 2025 hatten sich EU und USA auf ein Handelsabkommen verständigt, das einen Zollsatz von 15 Prozent auf fast alle europäischen Warenexporte vorsah, patentgeschützte Arzneimittel eingeschlossen. EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič nannte die Einigung damals das Beste, was unter schwersten Bedingungen habe ausgehandelt werden können. Der VFA warnte dagegen, der Deal breche mit den Grundlagen des transatlantischen Handels und beende den freien Handel mit Medikamenten, Verbandspräsident Han Steutel sprach von Milliardenbelastungen für den Pharmastandort Deutschland. Der Verband Pharma Deutschland bezeichnete die Regelung als strategische Belastung für europäische Hersteller und forderte, Arzneimittel grundsätzlich von Zöllen auszunehmen, wie es etwa bei Flugzeugteilen gelte.
Höhere Herstellerrabatte sorgen für Ärger
Neben dem Zollstreit sieht die Branche auch Sparvorgaben der Bundesregierung als Last: Um die Krankenkassenbeiträge stabil zu halten, müssen Pharmakonzerne künftig mehr als doppelt so hohe Herstellerrabatte für patentgeschützte Medikamente an die gesetzlichen Krankenkassen zahlen. Das sorgt in der Branche für Ärger, mehrere Hersteller stoppten Investitionen oder stellen künftige Ausgaben in Deutschland auf den Prüfstand, darunter der Schweizer Konzern Roche. Der VFA kritisiert den höheren Herstellerabschlag ab 2027 als erhebliche Belastung für die Unternehmen und rechnet vor, Investitionen und Forschungsausgaben könnten bis 2030 insgesamt um gut vier Milliarden Euro niedriger ausfallen als ohne die Maßnahmen. Für 2027 prognostiziert der Verband einen Rückgang der Pharma-Investitionen in Deutschland um 1,8 Prozent. Die Bundesregierung will die Belastung mit einer geplanten Standortklausel abfedern, die Entlastungen bei den Herstellerrabatten an Investitionen, Produktion und klinische Forschung in Deutschland knüpfen soll. Stefanie Stoff-Ahnis, stellvertretende Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, hält dagegen: Die Pharmaindustrie verdiene in Deutschland blendend und das werde auch mit der aktuellen Gesetzgebung so bleiben, sagte sie jüngst der dpa.
Angekündigte Kürzungen bei Lilly und Boehringer Ingelheim
Der US-Konzern Lilly teilte laut Deutschem Ärzteblatt mit, wegen der Sparpläne der Bundesregierung im Gesundheitswesen den noch ausstehenden Projektumfang für einen ursprünglich mit 2,5 Milliarden US-Dollar geplanten neuen Standort im rheinland-pfälzischen Alzey halbieren zu wollen; zunächst solle laut Apotheke Adhoc nur der Mindestumfang fertiggestellt werden. Boehringer Ingelheim kündigte an, geplante Investitionen von 900 Millionen Euro in Deutschland zu stoppen; als Gründe nannte das Unternehmen schwierige Standortbedingungen, die Sparvorgaben der Bundesregierung und Druck aus den USA. Eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums nannte solche Entscheidungen gegen den Standort bedauerlich, sie zeigten, wie ernst die Herausforderungen besonders wegen der US-Pharmapolitik zu nehmen seien, der deutsche Markt bleibe aber trotz der Sparpläne attraktiv für die Branche.
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