Iran lehnt Oman-Plan ab: Hormus bleibt geschlossen
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Iran lehnt Oman-Plan ab: Hormus bleibt geschlossen

Iran hat Omans Kompromissvorschlag zur Hormus-Öffnung formal abgelehnt und eine Gegenformel vorgelegt, die alleinige iranische Kontrolle über die Meerenge vorsieht. Parallel fordern mehr als 300 jordanische Politiker und Militärveteranen den Abzug der US-Truppen aus ihrem Land.

Quellen (10)
  1. Al Jazeera: Iran und Oman tauschen Hormus-Vorschläge ausaljazeera.com
  2. Euronews: Iran lehnt Hormus-Deal ab und greift US-Kräfte in Jordanien aneuronews.com
  3. Newsmax: Iran lehnt Oman-Hormus-Plan abnewsmax.com
  4. Daily Sabah: Iran lehnt Omans Vorschlag für regionale Hormus-Verwaltung abdailysabah.com
  5. TürkiyeToday: Iran beschlagnahmt 3 Tanker in Hormusturkiyetoday.com
  6. Palestine Chronicle: Jordanische Politiker fordern US-Truppenabzugpalestinechronicle.com
  7. Express Tribune: 300 Jordanier unterzeichnen offenen Brieftribune.com.pk
  8. T-Online: Jordanien fordert US-Truppenabzug in offenem Brieft-online.de
  9. WirtschaftsWoche: Ölpreis aktuellwiwo.de
  10. IranWire: Iran lehnt Omans Hormus-Plan abiranwire.com
30. Juli 2026, 0:39 Uhr831 Wörter · 5 Min. Lesezeit

Der einzige aktive Verhandlungskanal im Iran-Krieg ist vorerst geschlossen. Irans Vizeaußenminister Kazem Gharibabadi wies am Dienstag Omans Vermittlungsformel für die Straße von Hormus formal zurück und legte eine Gegenformel vor, die eine alleinige iranische Kontrolle über die wichtigste Ölseestraße der Welt verlangt. „Das ist unsere definitive Position und Iran wird keine andere Formel akzeptieren“, erklärte Gharibabadi laut Al Jazeera. Brent-Rohöl, das nach der Militärpause der vergangenen Tage auf unter 90 Dollar gesunken war, stieg daraufhin um vier Prozent auf 87,15 Dollar je Barrel.

Omans Formel und Irans Gegenformel

Oman hatte vorgeschlagen, die Straße von Hormus in zwei gleichwertige Korridore aufzuteilen, durch die jeweils 50 Prozent des Schiffsverkehrs laufen sollen. Jeder der Korridore würde von einer anderen Seite kontrolliert, die Gebühren fließen in einen gemeinsamen Fonds. Das Vorbild ist die Straße von Malakka zwischen Malaysia, Singapur und Indonesien, die seit Jahrzehnten durch freiwillige Durchfahrtsgebühren finanziert wird. Bloomberg hatte Ende Juli berichtet, Iran und Oman seien einer Einigung näher als je zuvor.

Iran lehnte dieses Modell ab. Gharibabadis Gegenformel sieht vor, dass sämtliche Schiffe ausschließlich durch iranische Hoheitsgewässer transitieren, unter iranischer Aufsicht und nach iranisch festgelegten Bedingungen. Auch für einen etwaigen zweiten Korridor im Rahmen von Omans Modell beansprucht Teheran Mitbestimmungsrechte. Irans Außenminister Abbas Araghchi ergänzte, eine gemeinsame Verwaltung komme nur dann infrage, wenn Iran dabei die dominante Rolle einnehme. Wenn Oman die iranische Gegenformel nicht akzeptiere, werde Hormus geschlossen bleiben, so Gharibabadi.

Zur gleichen Zeit stoppte die Islamische Revolutionsgarde am Mittwoch drei Tanker in der Meerenge und leitete sie in iranische Kontrollanker um. Irans Marinekapazität reicht laut US-CENTCOM nicht aus, den gesamten Verkehr durch Hormus dauerhaft zu blockieren, aber Stichprobenkontrollen und die Drohung weiterer Beschlagnahmungen reichen, um die Versicherungskosten für Schiffspassagen auf dem Zehnfachen des Vorkriegsniveaus zu halten.

Warum Iran den Kompromiss ablehnt

Irans Haltung folgt einer klaren Logik: Die Kontrolle über Hormus ist das wichtigste Druckmittel, das Teheran in Verhandlungen mit Washington besitzt. Eine Einigung, die diese Kontrolle verringert, schwächt die iranische Verhandlungsposition, bevor die USA im Gegenzug etwas geboten haben. Das Islamabad-Memorandum, das einen minimalen Verhandlungsrahmen vorgibt, läuft am 16. August aus. Bis dahin haben beide Seiten 18 Tage.

Ein weiterer Faktor ist die Machtposition innerhalb Irans. Die Islamische Revolutionsgarde, die militärisch für Hormus verantwortlich ist, hat wenig Interesse an einer Einigung, die ihrer eigenen Machtbasis schadet. Araghchi vertritt das Außenministerium, das eher verhandlungsbereit ist. Gharibabadis Aussagen signalisieren, dass die IRGC das letzte Wort hat. Wer innenpolitisch Konzessionen macht, riskiert als Verräter der Revolution zu gelten.

Für die Ölmärkte bedeutet das: Die kurze Entspannungsphase der vergangenen Tage, in der Brent von über 100 Dollar auf rund 84 Dollar gefallen war, beruhte auf Erwartungen, die jetzt korrigiert werden müssen. Goldman Sachs hatte Mitte Juni für ein Verhandlungsszenario einen Rückgang auf 80 Dollar prognostiziert. Diese Prognose setzt voraus, was gerade nicht eingetreten ist.

Jordanien fordert Neutralität

Parallel zur Hormuz-Krise wächst der politische Druck auf Jordanien. Mehr als 300 jordanische Politiker, Juristen, pensionierte Militäroffiziere, Akademiker und Stammesführer unterzeichneten diese Woche einen offenen Brief an König Abdullah, in dem sie den Abzug der rund 4.000 US-Soldaten aus dem Land fordern. „Jordanien ist keine Partei in diesem Krieg“, heißt es in dem Schreiben laut dem Palestine Chronicle. Zu den Unterzeichnern gehören der frühere Minister Amjad Hazza al-Majali und die Politikerin Dr. Sufian al-Tal.

Der Hintergrund: Der iranische Raketenangriff auf den US-Luftwaffenstützpunkt Muwaffaq Salti am 29. Juli war nicht der erste auf jordanischem Boden. Seit Kriegsbeginn im Februar 2026 hat Iran mehrfach US-Positionen in Jordanien angegriffen; alle wurden abgefangen, aber die zunehmenden Alarmsirenen belasten die Bevölkerung und den Tourismus. Der Hafen Akaba, Jordaniens einziger Meereszugang, stand ebenfalls unter Beschuss. Für ein Land, das zu den wirtschaftlich fragilen arabischen Monarchien gehört, ist die Eskalation eine existenzielle Bedrohung.

Jordanien steckt in einem strategischen Dilemma: Es ist formal US-Verbündeter, hat tiefe wirtschaftliche Abhängigkeiten von den Golfstaaten und grenzt an Israel, Gaza, Saudi-Arabien und den Irak. Ein Abzug der US-Truppen würde die Sicherheitsarchitektur des Landes verändern. Ein Verbleib macht Jordanien zur Zielscheibe des Iran. König Abdullah hat bisher keine öffentliche Antwort auf die Forderung der 300 Unterzeichner gegeben.

18 Tage bis zum Ablauf des Islamabad-Rahmens

Das Islamabad-Memorandum war im Mai unter pakistanischer Vermittlung ausgehandelt worden und gibt einen minimalen Verhandlungsrahmen vor: keine öffentlichen Kriegserklärungen, informelle Kommunikationskanäle offen halten, Bereitschaft zu Gesprächen in einem neutralen Drittland. Dieser Rahmen läuft am 16. August aus. Frühere Vermittlungsformate über den Irak, Katar und Oman sind zuvor an iranischen Vorbedingungen gescheitert.

Omans Ablehnung durch Teheran ist damit kein Einzelereignis, sondern Teil einer Kette gescheiterter Kompromissversuche. Was bleibt, ist der Markt: Brent bei 87 Dollar ist zwar günstiger als die 100-Dollar-Spitze der vergangenen Woche, aber immer noch 25 Prozent über dem Vorkriegsniveau vom Januar 2026. Für Deutschland ist die Lage direkt spürbar: Gaspreise folgen dem Ölpreisanstieg und der Winterspeicheraufbau, der ohnehin unter dem für November angestrebten 90-Prozent-Ziel liegt, gerät durch jeden Eskalationsschub unter Druck. Der IW-Köln hatte berechnet, dass ein anhaltender Ölpreis von 100 Dollar die deutsche Volkswirtschaft über zwei Jahre rund 40 Milliarden Euro kostet. Bei 87 Dollar ist dieser Effekt gemäßigter, aber nicht verschwunden.

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