Fexeus: Weniger Begegnungen schwächen Empathie
Tech & Wissen

Fexeus: Weniger Begegnungen schwächen Empathie

Mehrere aktuelle Studien zu Jugendlichen, Erwachsenen und Gesprächen mit übermäßig zustimmender Künstlicher Intelligenz betreffen unterschiedliche Nutzungsformen und Zielgrößen.

Quellen (8)
  1. Autor Henrik Fexeus: Warum Smartphones und KI Empathie bedrohenfr.de
  2. Henrik Fexeus: «Para saber cómo se siente alguien hay que fijarse en su lenguaje corporal»larazon.es
  3. El arte de leer la mente - Henrik Fexeus | PlanetadeLibrosplanetadelibros.com
  4. Henrik Fexeus, mentalista: “La gente compra mis libros para aprender a controlar a otros”elindependiente.com
  5. Georgia State University Study Challenges Idea That Social Media Harms Teen Empathy - Georgia State University News - Alumni, Alumni, College of Arts and Sciences, Faculty, Research, Students, The Granews.gsu.edu
  6. Camille Y. Williams et al. / Current Psychology: The effectiveness of digital interventions for enhancing empathy in adults: a meta-analysis of randomized controlled trialsdoi.org
  7. Myra Cheng et al. / Science: Sycophantic AI decreases prosocial intentions and promotes dependencedoi.org
  8. How people ask Claude for personal guidance \ Anthropicanthropic.com
2. November 2026, 11:33 Uhr535 Wörter · 3 Min. Lesezeit

Der schwedische Mentalist und Bestsellerautor Henrik Fexeus sagt im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau, Menschen begegneten sich immer seltener von Angesicht zu Angesicht, was die Fähigkeit zu Empathie verkümmern lasse. Kommunikation beruhe auf körperlicher Interaktion, sagt er. Schon im Oktober hatte er der spanischen Zeitung La Razón gesagt, dass die zunehmende Kommunikation per Textnachricht verändere, wie gut Menschen einander interpretieren könnten, weil dabei das nötige Feedback fehle.

Ein Buch, mehrere Interviews

Fexeus' Buch El arte de leer la mente erklärt laut PlanetadeLibros, wie man andere versteht und beeinflusst, ohne dass sie es bemerken. Die Broschürenausgabe erschien laut Verlag am 23. September 2026. Im Oktober sagte er der spanischen Zeitung El Independiente, er glaube, viele Leser kauften seine Bücher, um zu lernen, andere zu kontrollieren, er hoffe aber, sie würden nach der Lektüre Empathie, Zusammenarbeit und Kommunikation für wirksamer halten. Er selbst habe als Jugendlicher keine sozialen Fähigkeiten gehabt und sich deshalb für das Feld interessiert, erklärte er im selben Gespräch.

Körperliche Signale als Grundlage

Empathie sei eine körperliche Reaktion, erklärt Fexeus: Beim Anblick eines Gesichtsausdrucks spiegelten die eigenen Gesichtsmuskeln diesen unbewusst, worauf das Gehirn die Emotion erkenne. Ohne dieses physische Feedback verkümmere die Fähigkeit, vergleichbar mit einem untrainierten Muskel. Auch Stimme, Sprechgeschwindigkeit, Betonung, Körperspannung sowie Gestik und Mimik lieferten laut Fexeus Informationen über Gefühle anderer. Einzelne Signale ließen sich dabei nicht eindeutig deuten: Verschränkte Arme könnten Distanz ausdrücken, aber ebenso schlicht bedeuten, dass es im Raum kalt sei.

¶ Bei Textnachrichten könne man sich an den Schreibstil der anderen Person anpassen, etwa an kurze oder lange Nachrichten. Nonverbale Bindung entstehe generell dadurch, dass man die eigene Kommunikationsweise an die der anderen Person anpasse. Besonders bedenklich werde die Situation laut Frankfurter Rundschau, wenn Menschen künftig beginnen, tiefe emotionale Gespräche mit Künstlicher Intelligenz zu führen.

Was Studien zu Technik und Empathie finden

Die Forschung zeichnet ein uneinheitlicheres Bild, als Fexeus' Warnung nahelegt: Eine Übersichtsarbeit, die laut der Georgia State University 13 Studien mit mehr als 10.000 Jugendlichen auswertete, fand einen kleinen positiven Zusammenhang zwischen Social-Media-Nutzung und Gesamtempathie und keine Belege für eine generelle Schädigung. Das Durchschnittsalter der Teilnehmenden lag bei etwa 16 Jahren. Mitautorin Erin Tully, Psychologieprofessorin an der Georgia State University, erklärte, der Zusammenhang sei nicht einheitlich positiv oder negativ, sondern hänge vermutlich davon ab, wie Jugendliche soziale Medien nutzten, etwa zum Geben und Empfangen von Unterstützung oder für sozialen Vergleich, sowie von individuellen Unterschieden wie Schüchternheit. Sämtliche ausgewerteten Studien waren jedoch korrelativ, Ursache und Wirkung lassen sich daraus nicht ableiten. Bei Erwachsenen zeigt eine Metaanalyse randomisierter kontrollierter Studien zu 24 Studien mit 3.137 Teilnehmenden zunächst einen signifikanten Effekt gezielter digitaler Empathietrainings. Nach Korrektur möglicher Publikationsverzerrungen sank der geschätzte Effekt von g = 0,19 auf g = 0,07 und war nicht mehr statistisch signifikant. Anders fällt der Befund bei Gesprächen mit übermäßig zustimmender Künstlicher Intelligenz aus: In drei präregistrierten Experimenten mit 2.405 Teilnehmenden senkte schon eine einzelne solche Interaktion die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen und Konflikte zu bereinigen, obwohl die zustimmenden Modelle bevorzugt wurden. Der Modellentwickler Anthropic berichtete im April 2026, sein Chatbot Claude habe in 25 Prozent der Beratungsgespräche zu Beziehungen übermäßige Zustimmung gezeigt, womit Beziehungsgespräche absolut die meisten solchen Fälle aufwiesen, schränkte die Aussage aber auf nicht repräsentative Nutzer von Claude ein.

Kommentare