
Blockade an Uni Hamburg: Kritik an Ausgaben für Kriegsindustrie
Quellen (8)
- Solidarität mit "Gen Z regelt": Blockade an Gebäude der Universität Hamburghamburg.t-online.de
- NEWS5 - Protest an Uni Hamburg: Demonstranten blockieren Fakultätsgebäude mit Mülltonnen - NEWS5news5.de
- Protest: Demonstranten blockieren Eingänge der Uni Hamburg - WELTwelt.de
- FAQ: Wie lief der "Gen Z regelt"-Protest? Wie geht es weiter? | tagesschau.detagesschau.de
- Wissen schafft Zukunft - Auf die Straße am 26. November! : AStAasta-uhh.de
- Zukunftssichere Universität : UHH : Universität Hamburguni-hamburg.de
- Senat beschließt Haushaltsentwurf 2027/2028 - hamburg.dehamburg.de
- In Bildung investieren, statt weiter bei der jungen Generation kürzen | GEW Hamburggew-hamburg.de
Ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur beobachtete, wie mehrere junge Demonstrierende die Eingänge der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät versperrten. Nach Angaben von NEWS5 blockierten rund 20 junge Demonstranten die Zugänge des Gebäudes mit Mülltonnen, die mit Sperrmüll gefüllt waren.
Auf Transparenten in englischer Sprache forderten die Demonstrierenden unter anderem die Befreiung aller unterdrückten Menschen und riefen zu Boykott und Widerstand auf. Auf einem Banner wurde zum Widerstand in der Region Rojava aufgerufen, die laut einem WELT-Bericht die kurdischen Siedlungsgebiete im heutigen Syrien beschreibt; auf anderen Bannern war die palästinensische Flagge zu sehen. Eine vermummte Aktivistin erklärte, mittlerweile fließe jeder dritte Euro in die Kriegsindustrie anstatt in die Bildung. Zudem solidarisiere man sich mit den Streikenden überall in Europa.
Neben der Blockade gab es eine weitere Versammlung an der WiSo-Fakultät, deren Teilnehmende nach Polizeiangaben Solidarität mit der ersten Demonstration bekunden wollten, sowie eine Kundgebung am Allendeplatz. Ein Teilnehmer an der WiSo-Fakultät sagte der dpa, sie seien Studierende der Universität und solidarisch mit „Gen Z regelt“, aber nicht über diese Initiative organisiert. Die Polizei zählte insgesamt drei Demonstrationen mit Forderungen im Bildungskontext, deren Teilnehmerzahl jeweils im unteren zweistelligen Bereich lag. Laut NEWS5 versammelten sich um die Blockade etwa 30 Zuschauer, die Gruppe anfeuerten und Parolen mitsangen, während die Demonstrierenden Musik abspielten und politische Parolen riefen. Rund 50 Einsatzkräfte der Polizei rückten laut NEWS5 zum Campus aus, kesselten das Geschehen weiträumig ein, griffen zunächst jedoch nicht akut ein und beobachteten die Versammlung. Größere Auswirkungen hatte die Aktion laut NEWS5 vorerst nicht, weil das betroffene Fakultätsgebäude an diesem Tag ohnehin nicht genutzt wurde.
Wer steckt hinter der Blockade?
Wer die Blockade konkret organisierte, war laut WELT zunächst nicht bekannt; weitere Details nannte die Polizei nicht. WELT ordnete die Aktion zumindest zeitlich und inhaltlich dem Umfeld der derzeitigen „Gen Z regelt“-Proteste zu. Die Initiative ruft laut einem Bericht der tagesschau für die Woche vom 2. bis 6. November zu Aktionen an Schulen und Universitäten auf und fordert unter anderem Geld für Schulen statt Kürzungen, ein bezahlbares Leben und eine gerechte Verteilung der Lasten. Nach einer Demonstration am Wochenende in Hamburg waren laut WELT für Montag auch Hochschulblockaden in mehreren deutschen Städten angekündigt, teilweise von Gruppierungen, die sich selbst der „Gen Z“-Bewegung zuordnen und sich dabei unter anderem gegen Bildungskürzungen und Aufrüstung richten. Eine eigene Stellungnahme der Initiative „Gen Z regelt“ zur Hamburger Blockade liegt in den ausgewerteten Quellen nicht vor.
Strukturelles Defizit
Der AStA beschreibt in seinem Aufruf zur Demonstration am 26. November eine seit Jahren unzureichende Finanzierung der Hamburger Hochschulen durch den Senat, die sich in verkürzten Bibliotheksöffnungszeiten, Einstellungsstopps in der Verwaltung und der Besetzung nur der Hälfte aller landesfinanzierten Promotionsstellen zeige. Die Universität Hamburg selbst spricht von einem strukturellen Defizit von derzeit rund 22 Millionen Euro und einer vereinbarten Reduzierung der Studienanfängerplätze bis 2028 um 675 Plätze beziehungsweise rund 7 Prozent. Der Hamburger Senat begründete seinen Haushaltsentwurf 2027/2028 am 24. Juni 2026 mit einem Rückgang des Steuertrends und steigenden Sozialausgaben, kündigte aber zugleich steigende Mittel für die Wissenschaftsbehörde auf 1.744 Milliarden Euro im Jahr 2027 an. Der Senat räumte zugleich ein, dass nicht alle Kostensteigerungen ausgeglichen und nicht alle frei werdenden Stellen im öffentlichen Dienst nachbesetzt werden könnten. GEW-Vorsitzende Maike Finnern erklärte, die jungen Menschen kritisierten zu Recht marode Schulen, Bildungskürzungen und den Fachkräftemangel an Schulen; die GEW unterstütze dabei ausschließlich gewaltfreie, demokratische und diskriminierungsfreie Protestformen.
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