
Jotowa gewinnt Bulgariens Präsidentschaftsstichwahl
Quellen (8)
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- Bulgariens amtierende Präsidentin Jotowa gewinnt Stichwahl | tagesschau.detagesschau.de
- ODIHR NAM Report, Bulgaria 2026odihr.osce.org
- Stichwahl - Amtsinhaberin Jotowa gewinnt Präsidentschaftswahl in Bulgariendeutschlandfunk.de
- РЕПУБЛИКА БЪЛГАРИЯ КОНСТИТУЦИОНЕН СЪД Р Е Ш Е Н И Е №1constcourt.bg
- EU-Land: Bulgaren müssen in Stichwahl über Staatsoberhaupt entscheiden - WELTwelt.de
- Bulgariens Präsidentin Jotowa bleibt im Amtdw.com
- Präsidentschaftswahl in Bulgarien: Jotowa laut Prognosen vorn | taz.detaz.de
Herausforderer Andrej Gjurow und sein Vizepräsidentschaftskandidat Georgi Kandew kamen auf 750 251 Stimmen beziehungsweise 39.483 Prozent, auf die Option „Ich unterstütze niemanden“ entfielen 56 080 Stimmen oder 2.951 Prozent. Die tagesschau bestätigte den Sieg mit Werten von rund 57,5 Prozent für Jotowa und 39,4 Prozent für Gjurow.
Vom Amt der Vizepräsidentin ins gewählte Präsidentenamt
Das Amt selbst übte sie zuvor bereits aus: Nachdem Präsident Rumen Radew im Januar 2026 zurücktrat, um laut der OSZE-Wahlbeobachtungsmission ODIHR in die parlamentarische Politik zu wechseln, folgte ihm die damalige Vizepräsidentin automatisch im Amt nach. Das bulgarische Verfassungsgericht stellte mit einem Beschluss vom 23. Januar 2026 fest, dass Radews Amtsbefugnisse vorzeitig endeten, nachdem er dem Gericht am 20. Januar schriftlich seinen Rücktritt erklärt und die Gründe zuvor in einer Ansprache an das Volk genannt hatte; das Gericht stellte dabei einen frei gebildeten Willen Radews fest. Bei der vorgezogenen Parlamentswahl im April 2026 gewann Progressive Bulgaria eine absolute Mehrheit und bildete unter ihm eine Regierung.
Nach bulgarischem Wahlrecht sind Präsident und Vizepräsident im ersten Wahlgang nur gewählt, wenn ihr Paar mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen erhält und mehr als die Hälfte der Wahlberechtigten teilnimmt; andernfalls entscheidet eine zweite Runde zwischen den beiden stärksten Paaren, in der keine Mindestbeteiligung mehr gilt. Im ersten Wahlgang am 25. Oktober erreichte laut einer Hochrechnung des Meinungsforschungsinstituts Mjara keines der Paare diese Mehrheit: Jotowa kam auf 35 Prozent, Gjurow überraschend nah auf 31,9 Prozent, obwohl Vorwahlumfragen einen deutlich größeren Abstand erwarten ließen. Die Wahlbeteiligung lag bei 22,2 Prozent und damit weit unter der nötigen Schwelle von mehr als 50 Prozent. Bei der Stichwahl lag die Beteiligung nach Nachwahlbefragungen bei etwa 27 bis 29 Prozent, etwas höher als im ersten Wahlgang.
Kriegsangst vor der bulgarischen Küste
Die Wahl fand vor dem Hintergrund mehrerer Drohnenangriffe auf Handelsschiffe vor Bulgariens Schwarzmeerküste statt; Behörden zufolge wurden in den vergangenen Wochen mindestens sechs Schiffe von Drohnen attackiert, was Sorgen vor einer Ausweitung des Ukraine-Kriegs schürte. Nach taz-Angaben werden seit den Angriffen Anfang und Mitte Oktober 21 Menschen vermisst, die vermutlich tot sind. Ministerpräsident Radew bestellte die russische Botschafterin ein, benannte aber offiziell keinen Schuldigen.
Jotowa positionierte sich im Wahlkampf als „Präsidentin des Friedens“, die mit Moskau in einen Dialog treten wolle; sie unterstützt Bulgariens EU- und Nato-Mitgliedschaft, lehnt Militärhilfen für die Ukraine aber ab. Gjurow, früher stellvertretender Zentralbankchef und zeitweise Interimsregierungschef, machte dagegen wiederholt deutlich, fest hinter der Ukraine zu stehen. Er wurde von prowestlichen und reformorientierten Parteien unterstützt. Vor der Stichwahl kritisierte er Jotowa dafür, Russland nicht ausdrücklich für die Angriffe verantwortlich gemacht zu haben.
Sorge vor einer weiteren Machtkonzentration
Bulgarien hat traditionell enge Beziehungen zu Russland, ist in dieser Frage aber tief gespalten. Schon vor der Wahl hatten laut der ODIHR-Bedarfserhebungsmission einige Gesprächspartner Bedenken wegen einer möglichen weiteren Konzentration politischer Macht geäußert, angesichts der Parlamentsmehrheit der Partei Progressive Bulgaria und ihrer Unterstützung für die Amtsinhaberin. Die Opposition vertrat deshalb die Position, Staatsoberhaupt und Ministerpräsident sollten wegen des präsidialen Vetorechts nicht demselben politischen Lager angehören. Das Staatsoberhaupt hat vor allem repräsentative Aufgaben, kann aber sein Veto gegen Gesetze einlegen und ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte des Nato-Mitglieds. Die Soziologin Borjana Dimitrowa vom Forschungsinstitut Alpha Research erklärte, Jotowa habe die Wähler angesichts der Verunsicherung nach den Angriffen im Schwarzen Meer mit ihrer Rolle als Friedenspräsidentin überzeugt: „Die Angst vor dem Krieg wurde ausgenutzt.“ Für Radew und seine Partei sei die Wahl entscheidend für die Stabilität ihres Machterhalts gewesen.
Reaktionen, Amtsantritt und außenpolitischer Kurs
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen gratulierte Jotowa und schrieb auf der Plattform X, sie freue sich auf die Fortsetzung der gemeinsamen Arbeit bei Sicherheit und Verteidigung, Wettbewerbsfähigkeit und Energieunabhängigkeit. Radew, der Jotowa im Wahlkampf unterstützt hatte, erklärte an ihrer Seite, das bulgarische Volk habe sich „für die Zukunft und gegen die Vergangenheit“ entschieden. Gjurow selbst erklärte: „Wir haben ein solides Fundament gelegt, auf dem wir aufbauen können.“ Er rief zu Einigkeit auf.
Die neu gewählte Präsidentin soll ihr Amt am 22. Januar antreten. Die Regierung hatte im Juni Waffenlieferungen aus Beständen der bulgarischen Armee an die Ukraine gestoppt und sich später aus der internationalen „Koalition der Willigen“ zurückgezogen, während die bulgarische Rüstungsindustrie weiterhin Waffen nach Kyjiw liefert. Die WELT hatte vor der Stichwahl als eine mögliche Option beschrieben, dass Jotowa im Falle eines Siegs die zurückhaltende außenpolitische Linie der Regierung Radew im Präsidialamt weiterführt.
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