FDA lässt erstes Mittel gegen Alexander-Krankheit zu
Good News

FDA lässt erstes Mittel gegen Alexander-Krankheit zu

Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat Zanvastro (Zilganersen) am 3. September 2026 zur Behandlung der Alexander-Krankheit bei Kindern und Erwachsenen zugelassen. Die Fachmedien Practical Neurology und NeurologyLive nennen es die erste zugelassene Therapie gegen die seltene Erbkrankheit, für die es bislang nur unterstützende Versorgung gab.

Quellen (10)
  1. Zanvastroaccessdata.fda.gov
  2. Zilganersen Approved by FDA as First Treatment for People with Alexander Disease - Practical Neurologypracticalneurology.com
  3. FDA Approves Zilganersen, First Treatment for Alexander Disease | NeurologyLive - Clinical Neurology News and Neurology Expert Insightsneurologylive.com
  4. The FDA Has Approved ZANVASTRO (zilganersen) for Alexander Disease — End Alexander Diseaseendaxd.org
  5. CENTER FOR DRUG EVALUATION AND APPLICATION NUMBER: 220210Orig1s000accessdata.fda.gov
  6. Ionis Pharmaceuticals / ClinicalTrials.gov: A Study to Evaluate the Safety and Efficacy of Zilganersen (ION373) in Patients With Alexander Disease (AxD)clinicaltrials.gov
  7. DailyMed - ZANVASTRO- zilganersen kitdailymed.nlm.nih.gov
  8. FDA Approves First Disease-Modifying Treatment for AxD | AJMCajmc.com
  9. Jie Zhang et al., Pediatric Neurology: Natural History and Prognostic Factors in Pediatric Alexander Disease: A Cohort Studydoi.org
  10. Cigna Healthcare: Cigna Pathwell Specialty: Updates to the drug listprovidernewsroom.com
4. November 2026, 14:50 Uhr913 Wörter · 5 Min. Lesezeit

Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat das Medikament Zanvastro mit dem Wirkstoff Zilganersen zur Behandlung der Alexander-Krankheit bei Kindern und Erwachsenen zugelassen; die Zulassung ist laut dem FDA-Zulassungsschreiben ab dessen Datum wirksam, das die FDA-Mitarbeiterin Teresa J. Buracchio am 3. September 2026 unterzeichnete. Am 3. September 2026 berichtete NeurologyLive darüber, später auch Practical Neurology am 8. September 2026. Bislang habe es für Betroffene nur unterstützende Versorgung gegeben, während die Krankheit fortschreitet, erklärte Emily Freilich, Direktorin der Division of Neurology I im Center for Drug Evaluation and Research der FDA.

Alexander-Krankheit und Behandlung mit Zilganersen

Die Alexander-Krankheit ist laut NeurologyLive eine seltene, fortschreitende neurologische Erbkrankheit; Mutationen im GFAP-Gen führen laut der Patientenorganisation End Alexander Disease zu einem Überschuss des Proteins GFAP und zur Ansammlung sogenannter Rosenthal-Fasern im Gehirn. Nach Angaben von NeurologyLive betrifft sie weniger als 1 von 1 Million Menschen und kann Krampfanfälle, den Verlust bereits erreichter Entwicklungsschritte, Gehschwierigkeiten, Muskelschwäche und erhöhten Hirndruck auslösen. Antragsteller der Zulassung ist laut dem integrierten Prüfbericht der FDA das Unternehmen Ionis Pharmaceuticals. Laut dem Studienregistereintrag ist Ionis Pharmaceuticals zugleich der industrielle Sponsor der Studie. Der Wirkstoff Zilganersen ist ein Antisense-Oligonukleotid: Laut der auf DailyMed veröffentlichten Fachinformation bindet er an die GFAP-Prä-mRNA und bewirkt deren Abbau, wodurch die Synthese des GFAP-Proteins sinkt. Verabreicht wird die empfohlene Dosis von 50 Milligramm alle 3 Monate als intrathekale Injektion mittels Lumbalpunktion durch entsprechend erfahrenes medizinisches Personal.

alexander-krankheit

Wer an der Zulassungsstudie teilnehmen konnte

In die klinische Studie konnten laut dem Studienregistereintrag von Ionis bei ClinicalTrials.gov Patienten zwischen 2 und 65 Jahren mit einem zur Alexander-Krankheit passenden klinischen Bild und einer entsprechenden Hirnbildgebung sowie einer nachgewiesenen Mutation im GFAP-Gen eingeschlossen werden. An einigen Studienzentren sah die Studie zusätzlich eine offene Teilstudie für Kinder unter 2 Jahren vor. Nach Angaben des Fachmagazins AJMC wurden insgesamt 54 Teilnehmende im Alter von 2 bis 53 Jahren in die Studie aufgenommen. In der doppelblinden Behandlungsphase waren es 49 Personen, von denen 17 der Kontrollgruppe zugeteilt wurden.

Unterschiedlich starke Nachweise je Altersgruppe

Bei Teilnehmenden ab 5 Jahren erreichte die Studie laut AJMC ihren primären Endpunkt, die Gehgeschwindigkeit im 10-Meter-Gehtest in Woche 61. Die Differenz der nach der Methode der kleinsten Quadrate geschätzten Mittelwerte gegenüber der Kontrollgruppe betrug 33,3 Prozent, bei einem statistisch signifikanten P-Wert von 0,041. Bei Kindern zwischen 2 und 4 Jahren, für die Gehgeschwindigkeit laut AJMC kein verlässliches Maß ist, verbesserte sich unter Zilganersen die grobmotorische Funktion im Gross Motor Function Measure-88. In einer ergänzenden explorativen Analyse sank das GFAP im Blutplasma unter Zilganersen um 33,6 Prozent gegenüber der Kontrollgruppe, bei einem nominalen P-Wert von 0,003. Für Kinder unter 2 Jahren stützt sich die Zulassung laut Fachinformation auf übertragene Wirksamkeitsnachweise aus der Studie an Patienten ab 2 Jahren, auf pharmakokinetische Modellierungen, die eine vergleichbare Wirkstoffexposition im Liquor erwarten lassen, sowie auf Sicherheitsdaten von 4 behandelten Kindern unter 2 Jahren. Nach Angaben von NeurologyLive waren direkte klinische Studiendaten für diese jüngste Gruppe wegen der Seltenheit der Erkrankung und einer fehlenden zeitgleichen Kontrollgruppe begrenzt. Für Erwachsene ab 65 Jahren wurde Zanvastro laut Fachinformation klinisch gar nicht untersucht; Daten darüber, ob sie anders ansprechen als jüngere Erwachsene, liegen nicht vor.

Nebenwirkungen und Vorgaben der FDA

Die häufigsten Nebenwirkungen während der doppelblinden Behandlungsphase waren laut Fachinformation Erbrechen, Rückenschmerzen, Husten, Kopfschmerzen und das Syndrom nach Lumbalpunktion; sie traten bei mehr als 25 Prozent der mit 50 Milligramm behandelten Patienten auf. Ein Patient erlitt während der Studie eine schwerwiegende aseptische Meningitis, die in der offenen Verlängerungsphase erneut auftrat und eine Unterbrechung der Dosierung sowie eine Vorbehandlung mit intravenösem Dexamethason erforderte; der Patient blieb jedoch symptomfrei und musste die Behandlung nicht abbrechen. Einem externen Beratungsgremium legte die FDA den Antrag nicht vor, weil er aus ihrer Sicht keine wesentlichen oder kontroversen Fragen aufwarf, für die externe Expertise nötig gewesen wäre. Von der sonst für neue Wirkstoffe geltenden Pflicht zur pädiatrischen Wirksamkeits- und Sicherheitsbewertung ist Zanvastro für diese Indikation wegen seiner Orphan-Drug-Ausweisung befreit. Weil die Auswertung spontan gemeldeter Nebenwirkungen nach der Markteinführung nach FDA-Einschätzung nicht ausreichen wird, um Risiken der Karzinogenität und der embryofetalen Entwicklung zu bewerten, verlangt die Behörde zusätzliche Tierstudien: eine 6-monatige Karzinogenitätsstudie an Mäusen, eine 2-jährige Karzinogenitätsstudie an Ratten und eine Studie zur embryofetalen Entwicklung an Kaninchen.

Natürlicher Krankheitsverlauf, Studienpublikation und Verfügbarkeit

Eine am 9. Januar 2026 veröffentlichte Kohortenstudie von Zhang und Kollegen in Pediatric Neurology untersuchte den natürlichen Verlauf der Erkrankung bei 81 Kindern mit genetisch bestätigter Alexander-Krankheit. Bei der letzten Nachbeobachtung waren 12,3 Prozent der 81 Patienten gestorben. Das durchschnittliche Sterbealter lag laut der Studie bei 18,6 Jahren, bei einer Epilepsieinzidenz von 81,5 Prozent in der Kohorte. Die Fähigkeit, ohne Unterstützung zu gehen, ging im Mittel mit 15,2 Jahren verloren, das Sprechen einfacher Wörter mit 18,2 Jahren, wie die Überlebenskurvenanalysen der Autoren zeigen. Patienten mit sogenannten R239-Varianten hatten dabei ein höheres Risiko für einen ungünstigen Verlauf als Patienten mit anderen Varianten, mit einer Hazard Ratio von 2.597.

Die begutachtete Fachveröffentlichung der Studienergebnisse stand Anfang September noch aus: Ionis habe eine solche Publikation angekündigt, wie die Patientenorganisation End Alexander Disease am 3. September 2026 mitteilte; ein Termin sei zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt gegeben worden. Kosten und die Handhabung durch Krankenversicherungen waren am Tag der Zulassung der Organisation unbekannt; genauer als „in den kommenden Wochen“ konnte sie den Zeitpunkt der Verfügbarkeit in Apotheken nicht benennen. Mitte Oktober 2026 nahm der Versicherer Cigna Zanvastro zum 1. Oktober in die Arzneimittelliste seines Spezialprogramms Pathwell Specialty auf und erklärte, dass dafür kein von ihm bestimmter Leistungserbringer mehr nötig sei. Das übliche Verfahren zur Prüfung der medizinischen Notwendigkeit gilt laut Cigna je nach Versicherungsplan weiterhin.

Kommentare