
PHERGain: Gruppe B nach 5 Jahren zu 89,5 % invasiv krankheitsfrei
Quellen (10)
- Nature Medicine / Pérez-García et al.: 5-year outcomes of chemotherapy de-escalation in HER2-positive early breast cancer and exploratory circulating tumor DNA analyses from the randomized phase 2 PHERGain trialdoi.org
- The Lancet Oncology / Pérez-García et al.: Chemotherapy de-escalation using an 18F-FDG-PET-based pathological response-adapted strategy in patients with HER2-positive early breast cancer (PHERGain): a multicentre, randomised, open-label, non-comparative, phase 2 trialdoi.org
- PHERGain Five-Year Results: Chemotherapy-Free HER2-Positive Breast Cancer Treatment Shows Durable Outcomes as ctDNA Refines Risk Assessment - OncoDailyoncodaily.com
- The Lancet / Pérez-García et al.: 3-year invasive disease-free survival with chemotherapy de-escalation using an 18F-FDG-PET-based, pathological complete response-adapted strategy in HER2-positive early breast cancer (PHERGain): a randomised, open-label, phase 2 trialdoi.org
- PET/CT identifiziert Brustkrebspatientinnen, die keine Chemotherapie benötigen – News – Deutsches Ärzteblattaerzteblatt.de
- Five-Year PHERGain Results Support Chemotherapy-Free Treatment for Some Breast Cancer Patients | Inside Precision Medicineinsideprecisionmedicine.com
- August 25, 2023 - EPOV Kevin Kalinsky - The ASCO Postascopost.com
- PHERGain Adapted-Response Trial Guides Treatment With Dual HER2 Blockade Alone - The ASCO Postascopost.com
- Six Major Trial Updates From ESMO Breast Cancer 2026 - OncUpdatesoncupdates.com
- AGO-Kommission Mamma / Breast Care: AGO Recommendations for the Diagnosis and Treatment of Patients with Early Breast Cancer: Update 2026doi.org
Nach einer medianen Nachbeobachtung von 5,6 Jahren lag deren invasives krankheitsfreies Überleben bei 92,4 Prozent, mit einem Fernrezidiv in dieser Gruppe. Das 95-Prozent-Konfidenzintervall dieser Schätzung reicht von 86,7 bis 98,5 Prozent. Diese Untergruppe wurde erst nach der Randomisierung anhand von PET-Ansprechen und vollständigem pathologischem Ansprechen ausgewählt.
Wie die Deeskalationsstrategie funktioniert
Die multizentrische, randomisierte, offen angelegte und nicht vergleichende Phase-2-Studie PHERGain lief an 45 Krankenhäusern in sieben europäischen Ländern. Teilnehmen konnten volljährige Frauen mit zentral bestätigtem, operablem, invasivem HER2-positivem Brustkrebs im Stadium I bis IIIA, einer Tumorgröße von mindestens 1,5 Zentimetern, mindestens einer per PET auswertbaren Brustläsion, einem ECOG-Leistungsstatus von 0 oder 1 und einer linksventrikulären Auswurffraktion von mindestens 55 Prozent. Die Zuteilung erfolgte nach Hormonrezeptorstatus geschichtet: In der größeren Gruppe B wurde die Behandlung anhand einer PET-Untersuchung zu Beginn und nach zwei Zyklen sowie später anhand des vollständigen pathologischen Ansprechens angepasst. Patientinnen mit PET-Ansprechen setzten die Kombination aus Trastuzumab und Pertuzumab ohne Chemotherapie fort, während alle anderen zusätzlich Chemotherapie erhielten.

Vom PET-Ansprechen zu den Dreijahresdaten
In jener Analyse waren 227 der 285 Patientinnen aus Gruppe B PET-Responderinnen. Drei Jahre später, am 3. April 2024, meldete The Lancet für die gesamte Gruppe B ein invasives krankheitsfreies Überleben nach drei Jahren von 94,8 Prozent und damit das Erreichen des primären Endpunkts.
Die Fünfjahreszahlen im Detail
Unter den 267 Patientinnen der Gruppe B, die nach Studienplan operiert wurden, lag das invasive krankheitsfreie Überleben nach fünf Jahren insgesamt bei 89,5 Prozent. Für die 86 Patientinnen, die ein frühes PET-Ansprechen und ein vollständiges pathologisches Ansprechen zeigten und deshalb ganz auf Chemotherapie verzichteten, berichtete OncoDaily ein fernmetastasenfreies Überleben nach fünf Jahren von 98,7 Prozent bei einem Fernrezidiv in dieser Gruppe.
Warum das kein Beweis für Gleichwertigkeit ist
Inside Precision Medicine wies in seinem Bericht vom 30. Oktober 2026 darauf hin, dass PHERGain nicht darauf ausgelegt war, eine Gleichwertigkeit des Chemotherapieverzichts gegenüber der Standardbehandlung nachzuweisen. OncoDaily ergänzte, dass Patientinnen mit vollständigem pathologischem Ansprechen ohnehin eine günstigere Prognose haben, weshalb sich der Effekt der Therapiereduktion kaum von der Biologie stark ansprechender Tumoren trennen lässt. Zudem war die mit Standardchemotherapie behandelte Vergleichsgruppe mit 71 randomisierten Patientinnen deutlich kleiner als Gruppe B, wie OncoDaily anmerkte. Hinzu kommt laut OncoDaily, dass Patientinnen mit verbliebener Erkrankung im damaligen Studienplan kein zusätzliches Trastuzumab-Emtansin erhielten und ein erheblicher Anteil der Teilnehmerinnen keine erneute Einwilligung zur verlängerten Nachbeobachtung gab. Finanziert wurde PHERGain von F. Hoffmann-La Roche.
Frühere Einschätzungen, Kongressdaten und Empfehlungen
Bereits 2023 hatte Kevin Kalinsky, kommentierend für The ASCO Post, zur damaligen Dreijahresanalyse angemerkt, dass bei hormonrezeptorpositiver Erkrankung Rückfälle häufig auch jenseits von fünf Jahren auftreten und deshalb längere Nachbeobachtung wichtig sei. Er bewertete die damaligen Daten als überzeugendes Signal, sagte aber zugleich, dass Fragen offenblieben, die erst mit zusätzlichen Daten zu beantworten seien. Beim Kongress ESMO Breast Cancer 2026 wurden laut dem Fachdienst OncUpdates Fünfjahresdaten aus PHERGain vorgestellt.
AGO schreibt in ihren Empfehlungen vom 12. März 2026, dass das vollständige pathologische Ansprechen der zentrale Marker für das Ansprechen auf eine neoadjuvante Therapie sei und Chemotherapie, wenn sie angezeigt ist, neoadjuvant gegeben werden solle.
Offene Punkte, bevor die Strategie zum Standard werden kann
Erstens war PHERGain laut OncoDaily nicht für den Nachweis von Nichtunterlegenheit gegenüber chemotherapiehaltigen Standardregimen konzipiert. Zweitens ist laut OncoDaily eine Verzerrung durch Ausfälle bei der verlängerten Nachbeobachtung möglich. Drittens wurden die explorativen Analysen zur zirkulierenden Tumor-DNA laut Inside Precision Medicine nicht darauf geprüft, ob eine daran angepasste Behandlung den Patientinnen nützt und waren laut OncoDaily nicht für multiple Vergleiche korrigiert. Inside Precision Medicine fasste die Lage so zusammen: Die Ergebnisse stützten weitere Forschung, nicht aber eine sofortige Änderung der klinischen Standardpraxis.
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