Amerikas 35 Jahre ohne Wildpoliovirus-Fall, Impfquote zu niedrig
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Amerikas 35 Jahre ohne Wildpoliovirus-Fall, Impfquote zu niedrig

Die PAHO feierte zum Weltpoliotag 35 Jahre ohne einen durch Wildpoliovirus verursachten Fall in den Amerikas, warnte aber vor einer weiterhin zu niedrigen Impfquote unter dem Ziel von 95 Prozent und einem Einschleppungsrisiko.

Quellen (10)
  1. World Polio Day 2026: Americas mark 35 years free of wild poliovirus as vaccination gaps persist - PAHO/WHO | Pan American Health Organizationpaho.org
  2. La OPS urge a vacunar al 95 por ciento de la niñezudgtv.com
  3. 20th Meeting of the Regional Commission for the Certification of Poliomyelitis Eradication in the Region of the Americas (RCC) - PAHO/WHO | Pan American Health Organizationpaho.org
  4. Polio Weekly Bulletinpaho.org
  5. Polio Bulletin Comprehensive Immunization Program (CIM) Acute Flaccid Paralysis Surveillance in the Americaspaho.org
  6. Polio This Week | GPEI | Most Recent News | Countriespolioeradication.org
  7. “Persiste el riesgo”: América cumple 35 años sin poliovirus salvaje, pero hay un dato que preocupa - Infobaeinfobae.com
  8. PAHO: Americas Polio-Free but Vaccination Rates Below Target - Archynewsyarchynewsy.com
  9. Statement of the Forty-fifth Meeting of the Polio IHR Emergency Committeewho.int
  10. CENTRO NACIONAL DE DESPACHO VICEMINISTERIAL EPIDEMIOLOGIA PREVENCION Ycdn.www.gob.pe
30. Oktober 2026, 8:24 Uhr854 Wörter · 5 Min. Lesezeit

Der letzte Fall wurde am 23. August 1991 in Peru bei einem ungeimpften zweijährigen Kind registriert, das eine irreversible Lähmung entwickelte; 1994 zertifizierte die PAHO die Amerikas als erste Weltregion als frei von der Übertragung des Wildpoliovirus. „Solange das Poliovirus andernorts zirkuliert, bleibt das Einschleppungsrisiko bestehen“, erklärte PAHO-Direktor Jarbas Barbosa.

1975 meldeten die Amerikas nach PAHO-Angaben noch nahezu 6.000 Poliofälle. Als die Weltgesundheitsversammlung 1988 die Globale Initiative zur Ausrottung der Kinderlähmung startete, wurden weltweit jährlich schätzungsweise 350.000 Kinder in mehr als 125 Ländern durch die Krankheit gelähmt. Seitdem sanken die weltweiten Poliofallzahlen laut PAHO um 99,9%. Schätzungsweise 20 Millionen Menschen können heute gehen, die sonst gelähmt wären; außerdem wurden mehr als 1,5 Millionen Menschenleben gerettet. Massenimpfkampagnen und der Ausbau der Routineimpfungen hätten laut PAHO geholfen, die Übertragung in den Amerikas zu unterbrechen. Mexiko müsse laut dem Nachrichtenportal UDGTV weiter gegen Polio impfen, weil das Virus andernorts fortbesteht: Der letzte Fall wurde dort 1990 in Tomatlán (Jalisco) registriert, die Impfung ist heute Teil der Sechsfachimpfung.

polio

2025 erholte sich die Impfquote, blieb aber unter dem Ziel

2025 erholten sich die Impfquoten laut PAHO weiter von den Rückgängen während der COVID-19-Pandemie: 91% der Kinder erhielten die erste Dosis des inaktivierten Polioimpfstoffs gegenüber 86% im Jahr 2024, 89% die zweite gegenüber 87% und 87% die dritte gegenüber 85% im Jahr 2024 und 80% im Jahr 2021. Die Regionale Kommission zur Zertifizierung der Polioeradikation bestätigte bei ihrer Sitzung in Tegucigalpa vom 13. bis 17. Juli 2026 eine Verbesserung der Impfquoten gegenüber dem Vorjahr. Dennoch lägen laut der Kommission viele Länder weiterhin unter den empfohlenen Zielwerten von 95% auf nationaler und 80% auf lokaler Ebene, was eine uneinheitliche Erfüllung innerhalb der Länder zeige. Sie empfahl deshalb, Routineimpfprogramme zu stärken und Kinder in abgelegenen, schwer erreichbaren oder grenznahen Gebieten durch gezielte Nachholimpfungen und Mikroplanung zu erreichen.

Lücken bei der Überwachung

Um einen möglichen Poliofall rasch zu erkennen, überwachen Gesundheitsbehörden laut PAHO Fälle akuter schlaffer Lähmung, eines plötzlichen Muskelkraftverlusts mit vielen möglichen Ursachen, der aber auch ein Warnzeichen für Polio ist. Für das vergangene Jahr meldete die PAHO 0,85 solcher Fälle je 100.000 Kinder unter 15 Jahren, unter dem Überwachungsziel von mindestens einem Fall je 100.000; die Zertifizierungskommission nannte für 2025 dagegen eine Rate von 1,11 je 100.000, bezogen auf einen anderen Berichtszeitraum. Der regionale Indikator für eine angemessene Stuhlprobenentnahme lag zudem laut der Kommission bei 73%, unter dem Zielwert von 80%. Wie lückenhaft die zugrunde liegenden Meldungen sein können, zeigt ein PAHO-Wochenbulletin: Für die USA verzeichnet die Tabelle zu den Überwachungsindikatoren durchgehend das Kürzel „NR“ für „Not reporting“, während Haiti mit 31 gemeldeten Fällen exakt auf dieselbe Rate von 0,85 je 100.000 kommt, die sonst für die gesamte Region genannt wird. Ein weiteres PAHO-Bulletin vom 9. September 2026 zur Überwachung akuter schlaffer Lähmung kennzeichnet fehlende Meldungen mit demselben Kürzel. Ein eingeschleppter Fall bedeutet laut einem Infobae-Bericht vom 24. Oktober allein noch keinen Ausbruch; gefährlich wird es laut dem Bericht erst, wenn das Virus eine Gemeinschaft mit niedriger Impfquote erreicht.

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Impfmaßnahmen in Suriname und weltweite Poliovirus-Nachweise

Um Impflücken zu schließen, setzte Suriname im Februar 2026 ein nationales Beratungsgremium ein, das Ministerium für Gesundheit, Wohlfahrt und Arbeit mit technischer Unterstützung der PAHO wissenschaftsbasiert beraten soll. Afghanistan meldete laut einer Länderaktualisierung der GPEI für die Berichtswoche sechs neue WPV1-Fälle aus Kabul, Kandahar und Nangarhar; die Gesamtzahl für 2026 stieg damit auf 42, nach 21 im Jahr 2025. Weltweit meldete die GPEI nach PAHO-Angaben bis zum 20. Oktober 2026 insgesamt 48 Wildpoliovirus-Fälle, 42 in Afghanistan und sechs in Pakistan, den Ländern mit andauernder endemischer Übertragung. Daneben wurden 2025 weltweit 238 Fälle durch impfstoffabgeleitete Polioviren und 247 Umweltnachweise solcher Viren in 30 Ländern registriert; als Beispiel für das Risiko einer internationalen Ausbreitung von Wildpoliovirus nannte der WHO-Notfallausschuss im August 2026 zwei WPV1-positive Umweltproben aus Deutschland Ende 2025.

Wildvirus in den Amerikas besiegt, andere Poliovirus-Varianten nicht

Die 35-Jahres-Bilanz der PAHO betrifft ausdrücklich das Wildpoliovirus. Nach Angaben der peruanischen Gesundheitsbehörde CDC Perú bestätigte die Zertifizierungskommission bei ihrer Jahresbewertung im Juli 2025 zwar den poliofreien Zertifizierungsstatus der Region, stufte Peru selbst aber wegen Impflücken und Anzeichen importierter sowie impfstoffabgeleiteter Virusübertragung als Hochrisikoland ein. Die Behörde verweist zudem auf einen Fall paralytischer Poliomyelitis im US-Bundesstaat New York im Juli 2022 bei einem ungeimpften 20-Jährigen, verursacht durch ein impfstoffabgeleitetes Poliovirus Typ 2, sowie auf einen bestätigten Fall eines impfstoffabgeleiteten Poliovirus Typ 1 in Peru im März 2023 bei einem Minderjährigen aus der Awajún-Gemeinschaft in Loreto, wo die Impfquoten unter 95% lagen. Peru selbst kam bei der dritten Polioimpfdosis Ende Dezember 2025 auf 89,5%, nach Einschätzung der Behörde zu wenig, um die zur Verhinderung einer Wiedereinschleppung nötige Herdenimmunität zu sichern.

Was nötig ist, damit die 35 Jahre nicht enden

Die WHO warnt, dass Polio ohne Ausrottung wieder zunehmen und innerhalb eines Jahrzehnts bis zu 200.000 neue Fälle jährlich verursachen könnte. Um das in den Amerikas zu verhindern, arbeitet die PAHO mit Ländern daran, Routineimpfungen und Überwachung zu stärken und Gesundheitssysteme zu befähigen, Verdachtsfälle rasch zu erkennen und darauf zu reagieren; hohe und gleichmäßig verteilte Impfquoten gelten dabei laut PAHO als wesentlich. Zum Weltpoliotag rief die Organisation Eltern und Betreuungspersonen auf, den Impfstatus ihrer Kinder zu überprüfen und versäumte Dosen nachzuholen.

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