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International
Trumps Konterfei auf dem US-Pass: Ein Präzedenzfall

Trumps Konterfei auf dem US-Pass: Ein Präzedenzfall

Das US-Außenministerium gibt erstmals einen Reisepass mit dem Porträt des amtierenden Präsidenten heraus. Trump ist der erste lebende Präsident auf einem US-Reisedokument, angeblich zur Feier des 250. Gründungsjubiläums.

29. April 2026, 14:39 Uhr 786 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Das US-Außenministerium gibt erstmals in der Geschichte des amerikanischen Reisepasses eine Sonderserie heraus, die ein Porträt des amtierenden Präsidenten zeigt. Die auf 25.000 bis 30.000 Exemplare begrenzte Auflage zeigt Donald Trump auf der Innenseite des Deckels, gerahmt von Text der Unabhängigkeitserklärung. Offizielle Begründung: der 250. Jahrestag der Staatsgründung im Juli 2026. Trump ist damit der erste lebende Präsident, dessen Bild auf einem amtlichen US-Reisedokument erscheint.

Design, Verfügbarkeit und Kosten

Das Außenministerium beschrieb den Entwurf im Detail: Die Innenseite des Deckels zeigt Trumps Porträtfoto über seiner goldenen Unterschrift, umgeben von Text der Unabhängigkeitserklärung. Auf der gegenüberliegenden Seite ist John Trumbulls Historiengemälde "Declaration of Independence" abgedruckt, das die Unterzeichner von 1776 zeigt und heute im US-Kapitol hängt. Das bisherige Bild am Innentitelblatt, Percy Morans Gemälde von Francis Scott Key, dem Verfasser der Nationalhymne, entfällt in dieser Sonderserie.

Die Pässe sind kostenlos erhältlich, ohne Aufpreis. In Washington sollen sie ab Sommer 2026 standardmäßig ausgegeben werden, wenn der Vorrat reicht. Die klassische Variante bleibt online und anderswo in den USA verfügbar. Außenministeriumssprecher Tommy Pigott erklärte, man bereite eine begrenzte Anzahl speziell gestalteter US-Pässe vor, um dieses historische Ereignis zu würdigen.

Ein Bruch mit zwei Jahrhunderten Tradition

In der mehr als zweihundertjährigen Geschichte des US-Reisepasses erschienen auf ihm Nationalparks, Sehenswürdigkeiten, Schlachtszenen und Gemälde der Gründerzeit. Nie zuvor war ein lebender Mensch abgebildet. Amtliche Identitätsdokumente der Vereinigten Staaten zeigen Staatsgebäude, historische Ereignisse und nationale Symbole, nicht ihre Regenten. Das unterscheidet sie traditionell von Staaten, in denen staatliche Symbole mit Herrscherporträts verschmelzen.

Demokratische Mitglieder des Auswärtigen Ausschusses im Repräsentantenhaus griffen Außenminister Marco Rubio scharf an. Er verschwende Steuergelder, um Trumps Eitelkeit zu befriedigen, statt sich auf internationale Krisen zu konzentrieren. Online wurde der Vergleich zu autoritären Staaten gezogen, in denen der Staatschef auf Reisedokumenten, Banknoten und öffentlichen Gebäuden dauerhaft omnipräsent ist.

Das Weiße Haus konterte mit einem fragwürdigen historischen Vergleich: Barack Obama sei anlässlich seiner Amtseinführung 2009 auf Fahrkarten des Nahverkehrs in Washington abgebildet gewesen. Der Vergleich trägt nicht: Nahverkehrsfahrkarten sind lokale Werbemittel ohne amtlichen Status; US-Reisepässe sind von Bundesbehörden ausgestellte Identitätsdokumente für internationale Grenzübertritte, die der Inhaber bis zu zehn Jahre lang mit sich trägt.

Ein Muster staatlicher Personalisierung

Der Reisepass steht nicht für sich allein. Per Exekutiverlass wurde der Golf von Mexiko offiziell in "Gulf of America" umbenannt. Das besondere Investorenvisaprogramm trägt den Namen "Trump Gold Card". Mehrere Nationaldenkmäler und Militäreinrichtungen wurden nach Trump umbenannt oder benannt. In jedem dieser Fälle wird ein staatliches Gut mit dem Namen oder Bild des amtierenden Präsidenten versehen.

Reisepässe sind in diesem Muster eine neue Qualität. Sie sind die wichtigsten Identitätsdokumente, die ein Staat ausstellt. Sie repräsentieren nicht die jeweilige Regierung, sondern den Staat selbst. Wenn der amtierende Präsident auf ihnen erscheint, verschwimmt diese Unterscheidung: Der Reisende zeigt am Grenzübergang nicht mehr nur seinen Staat, sondern auch den Mann, der ihn gerade regiert.

Die Ironie liegt in der gewählten Dekoration. Trump lässt sein Porträt von Text der Unabhängigkeitserklärung umrahmen, jenem Dokument, das 1776 unter anderem die britische Herrschaft als Tyrannei bezeichnete und die Trennung von Monarch und Staatswesen begründete. Die Autoren der Erklärung hatten eine klare Auffassung von der Gefahr staatlich perpetuierter Personenkulte. Ihr Dokument für die symbolische Glorifizierung eines Amtsinhabers zu nutzen, ist eine Lesart der Geschichte, der Thomas Jefferson und John Adams vermutlich widersprochen hätten.

Begrenzte Reichweite, bleibende Symbolik

Ab Sommer 2026 werden die Trump-Pässe in Washington zum Standardangebot bei Neuausstellungen, solange der Vorrat reicht. Gleichzeitig bleibt die klassische Variante erhältlich. Die praktische Reichweite ist zunächst gering: Wer nicht in Washington lebt oder aktiv die Sondervariante beantragt, wird den Trump-Pass wahrscheinlich nie sehen. Und eine begrenzte Erstauflage von 30.000 Stück bei rund 330 Millionen Amerikanern ist kein Massenphänomen.

Aber Präzedenzfälle wirken langfristig. Wenn der Trump-Pass ohne rechtliche Folgen bleibt, ist der nächste Schritt einfacher. Ob ein Bundesgericht das Programm noch vor dem Jubiläumstermin im Juli stoppen wird, ist offen. Außenminister Rubio hat die Anordnung bereits unterzeichnet. Die Frage, ob staatliche Identitätsdokumente für die Inszenierung eines Amtsinhabers genutzt werden dürfen, ist damit in der amerikanischen Verfassungsdebatte angekommen.