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International
Charles vor dem Kongress: Applaus für die Gegenrede

Charles vor dem Kongress: Applaus für die Gegenrede

König Charles III. hat vor dem US-Kongress für Ukraine, NATO und Klimaschutz geworben, alles Themen, in denen er Trump widerspricht. Dass Trump die Rede anschließend als 'great speech' lobte, zeigt das diplomatische Geschick des Auftritts.

29. April 2026, 10:35 Uhr 670 Wörter · 4 Min. Lesezeit

König Charles III. hat am Dienstag vor dem gemeinsamen Kongress in Washington eine diplomatische Gratwanderung vollbracht, die selten gelingt. In rund 20 Minuten forderte er die Unterstützung der Ukraine, verteidigte die NATO und warnte vor dem Klimawandel als Bedrohung für die nationale Sicherheit, ohne Donald Trump ein einziges Mal beim Namen zu nennen. Anschließend lobte Trump die Rede als "great speech" und sagte: "Er hat sogar die Demokraten zum Stehen gebracht. Das ist mir noch nie gelungen. Ich bin sehr eifersüchtig."

Das ist das Paradox dieses Staatsbesuchs: Charles warb im gespaltenen Kongress für drei Positionen, die Trump öffentlich ablehnt und erhielt dafür bipartisanen Applaus und das Lob des Präsidenten.

Das zweite Mal seit 1991

Charles trat damit als erst zweiter britischer Monarch überhaupt vor den US-Kongress. Seine Mutter Elizabeth II. hatte 1991, kurz nach dem Ende des Kalten Krieges, in demselben Saal für die transatlantische Partnerschaft geworben. Charles bezog sich ausdrücklich auf sie: "Es ist eine Zeit, die in vielerlei Hinsicht unbeständiger und gefährlicher ist als die Welt, von der meine verstorbene Mutter in diesem Saal 1991 sprach."

Der Kontext 2026 ist grundlegend anders. London hat Washington den Zugang zu britischen Militärbasen für den Irankrieg verweigert, was Trump öffentlich kritisiert hatte. Trump droht mit hohen Zöllen auf britische Waren, weil Großbritannien eine Digitalabgabe von zwei Prozent auf die Umsätze amerikanischer Techkonzerne erhebt. Diese Abgabe bringt dem britischen Fiskus rund 500 Millionen Pfund jährlich. Und Charles persönlich steht seit Jahrzehnten für ein Klimaengagement, das Trumps energiepolitischem Kurs grundlegend widerspricht.

Drei Signale ohne Namensnennung

Die drei zentralen Stellen der Rede lesen sich im politischen Kontext als sorgfältig gesetzte Signale.

Zur Ukraine sagte Charles: "Heute ist dieselbe unerschütterliche Entschlossenheit nötig für die Verteidigung der Ukraine und ihres tapfersten Volkes." Der Satz löste stehende Ovationen von Demokraten und Republikanern aus. Trump hat die US-Militärhilfe für die Ukraine mehrfach öffentlich infrage gestellt und zeitweise zurückgehalten.

Zur NATO betonte Charles die Notwendigkeit multilateraler Institutionen und nannte neben dem Nordatlantikbündnis auch das AUKUS-Sicherheitsabkommen zwischen Großbritannien, Australien und den USA. Trump hatte NATO-Mitglieder mit unzureichenden Verteidigungsausgaben wiederholt öffentlich angegriffen und die Bündnissolidarität infrage gestellt.

Zum Klimawandel erklärte Charles: "Wir ignorieren auf unsere eigene Gefahr hin, dass natürliche Systeme die Grundlage unseres Wohlstands und unserer nationalen Sicherheit bilden." Er verwies konkret auf die "katastrophal schmelzenden Eismassen der Arktis". Trump hat das Pariser Klimaabkommen erneut aufgekündigt und die Ausweitung der Öl- und Gasförderung zur Kernpolitik erklärt.

Diplomatischer Erfolg, offene Sachfragen

Trumps öffentliches Lob bestätigt, dass Charles den richtigen Ton gefunden hat. Eine Rede, die drei Kernpositionen des Präsidenten widerlegt und gleichzeitig dessen ausdrückliches Lob erhält, ist handwerklich bemerkenswert.

Symbolisches Lob und politische Konzessionen sind jedoch verschiedene Dinge. Trump hat in der Vergangenheit persönliche Sympathie für ausländische Staatsgäste selten in konkrete Positionsänderungen übersetzt. In der Zollfrage hat Washington bislang keine Signale gegeben. Das britische Finanzministerium hält an der Digitalabgabe fest. Ob die Gespräche hinter den Kulissen weiterkommen als die öffentlichen Auftritte, ist noch offen.

Oscar Wilde lieferte Charles einen Einstieg für die leichtere Seite des Auftritts: "Wir haben alles mit Amerika gemeinsam, außer natürlich der Sprache." Der Satz erntete Lachen auf beiden Seiten des Gangs.

Virginia und New York bis Donnerstag

Der Staatsbesuch dauert bis zum 30. April. Nach Washington stehen Stationen in Virginia an, das für die frühe britische Besiedlung Nordamerikas steht, sowie New York mit einem Besuch beim Mahnmal des 11. September. Diese Standorte folgen einem bewussten historischen Bogen: gemeinsame Geschichte, gemeinsame Traumata, gemeinsamer Ausblick.

Die Ergebnisse der Handelsgespräche werden erst nach Ende des Besuchs sichtbar sein. Ob Premierminister Keir Starmer die Digitalabgabe als Verhandlungsmasse einsetzt oder daran festhält, hat die britische Seite nicht mitgeteilt. Am 30. April verlässt Charles die USA. Die entscheidenden Gespräche finden bis dahin abseits der Kameras statt.

Quellen (8) SRF · 20 Minuten · Al Jazeera · The Hill · Time · CNN · Audimax · Finanznahrichten