
Wasserstoff-Kernnetz: Erste Kunden angeschlossen
Quellen (8)
- Bundesnetzagentur - Presse - Bundesnetzagentur genehmigt Wasserstoff-Kernnetzbundesnetzagentur.de
- Zwei Jahre Wasserstoff-Kernnetz: Aus dem Plan entsteht ein Netz - gwf-gas.degwf-gas.de
- Deutschland baut 9000 km Wasserstoffnetz, aber wer soll es füllen?ingenieur.de
- Genehmigung Wasserstoff-Kernnetzbundesnetzagentur.de
- Grünes Licht für Europas größtes Wasserstoffnetz - FNB GASfnb-gas.de
- Entwicklung des Wasserstoff-Kernnetzes: EU-Kommission genehmigt mit 3 Mrd. Euro ausgestattete deutsche Beihilferegelung - Vertretung in Deutschlandgermany.representation.ec.europa.eu
- Bundestag beschließt das Wasserstoff-Beschleunigungsgesetz - Deutscher Bundestagbundestag.de
- Hydrogen Europehydrogeneurope.eu
Bundesnetzagentur-Präsident Klaus Müller kündigte damals an, erste Leitungen würden schon im Folgejahr umgestellt.
Was das Kernnetz leisten soll
Das Kernnetz soll laut Bundesnetzagentur aus 9.040 Kilometern Leitungen bestehen, von denen rund 60 Prozent von Gas auf Wasserstoff umgestellt und 40 Prozent neu gebaut werden. Die bei der Genehmigung erwarteten Investitionskosten lagen bei 18,9 Milliarden Euro. Das Netz soll deutschlandweite Wasserstoffcluster verbinden, in denen sich regionale Projekte etwa in Industrie- und Gewerbeparks bündeln; auch Verbindungen zu Nachbarstaaten soll es berücksichtigen.

Erste Leitungen sind in Betrieb
Laut gwf-gas.de fließt seit Sommer 2026 erstmals Wasserstoff durch Leitungen an der Ostsee, vom Emsland ins Ruhrgebiet und im ostdeutschen Chemiedreieck. Den größten Abschnitt bildet laut gwf-gas.de eine 400 Kilometer lange Trasse von Lubmin an der Ostsee über Brandenburg bis Bobbau in Sachsen-Anhalt, die GASCADE im Dezember 2025 mit Wasserstoff befüllte. Das Fachmagazin ingenieur.de bestätigt Anfang Oktober 2026 den Fortschritt: Über 500 Kilometer des Kernnetzes seien in Betrieb und 2026 sollten weitere rund 140 Kilometer folgen. Für 2027 seien laut Planungsdaten des Verbands FNB Gas über 1000 weitere Kilometer vorgesehen, möglich vor allem durch die Umstellung bestehender Erdgasleitungen.
Im Vergleich: eine funktionierende Lieferkette
Erstmals funktionieren laut gwf-gas.de Erzeugung, Transport und Abnahme von Wasserstoff im Realbetrieb zusammen: Eine RWE-Elektrolyseanlage in Lingen produziert erneuerbaren Wasserstoff, der über Leitungen von Nowega, OGE und der Evonik-Tochter SYNEQT zum Chemiepark Marl gelangt. Ingenieur.de bestätigt, dass seit August Wasserstoff aus dem Elektrolyseur in Lingen rund 120 Kilometer weit bis nach Marl fließt, merkt aber an, dass es jenseits dieses Projekts kaum weitere reale Beispiele für eine solche Kette gebe. ONTRAS kann laut gwf-gas.de jährlich rund 2.700 Tonnen grünen Wasserstoffs aus dem Energiepark Bad Lauchstädt zur Raffinerie von TotalEnergies in Leuna transportieren. Zum Vergleich: Der 2024 genehmigte Plan sah 9.040 Kilometer Leitungen bis 2032 vor. Der zweite Entwurf des Netzentwicklungsplans für Gas und Wasserstoff reicht bereits bis 2037 und sieht 9.241 Kilometer Leitungen vor. Davon entfallen 291 Kilometer auf neue Maßnahmen über das ursprüngliche Kernnetz hinaus; das Investitionsvolumen der gesamten Netzplanung bis 2037 beträgt laut gwf-gas.de 24 Milliarden Euro.

Woran es noch hakt
Reservierte Kapazitäten sind keine verbindlichen Buchungen: Laut ingenieur.de können Unternehmen seit März 2026 Transportkapazitäten zahlungspflichtig reservieren, bis August waren es knapp 6 Gigawatt, verbindlich gebucht aber noch nicht. Beim Raffineriebetreiber Bayernoil etwa fehlt laut Bayernets-Geschäftsführer Matthias Jenn ein Erzeuger, der die benötigten Mengen dauerhaft verlässlich liefern kann, eine Voraussetzung dafür, die Reservierung in eine Buchung umzuwandeln. Der Hamburger Kupferkonzern Aurubis nennt laut dem für Energie- und Klimafragen zuständigen Holger Klaassen den fehlenden Netzanschluss, wettbewerbsfähige Preise und vor allem eine verlässliche Versorgung als Voraussetzungen. Netzbetreiber hätten in Anhörungen mögliche Versorgungsunterbrechungen in den ersten Jahren angedeutet, berichtet Klaassen. RWE-Manager Christian Sander sagte auf dem Wasserstoff-Gipfel, die Branche sei nicht mehr im Plan, das Ziel von 10 Gigawatt Elektrolyseleistung bis 2030 sei nicht machbar. Rafael Gralla von der Bundesnetzagentur widerspricht der Sorge vor einem Fehlinvestment: Werde kein Bedarf entstehen, werde auch nicht gebaut, die Flexibilität der Netzentwicklung sei gerade der Vorteil des Kernnetzes.
Bedingungen für den Erfolg
FNB-Gas-Geschäftsführerin Barbara Fischer bringt die gegenseitige Abhängigkeit auf den Punkt: Jede weitere Leitung brauche Abnehmer, jeder neue Kunde ausreichend Wasserstoff, nur wenn Angebot und Nachfrage weiterwachsen, werde das gesamte Kernnetz ein Erfolg. Sie fordert verlässliche Finanzierungsbedingungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette: die Fortführung und Ausweitung der Klimaschutzverträge, die finanzielle Absicherung der Importkorridore und Finanzierungsbedingungen für das Kernnetz, die hochlaufbedingten Risiken der Netzbetreiber angemessen widerspiegeln.
Kommentare