
Schätzung: Über 50.000 Hitzetote in Europas Städten im Sommer 2026
Quellen (8)
- Heat-related urban mortality attributable to human-induced climate change in Europe in summer 2026 | Grantham Institute – Climate Change and the Environment | Imperial College Londonimperial.ac.uk
- Brutal summer heat killed more than 50,000 in Europe’s cities | CNNedition.cnn.com
- Fossil-Fueled Warming Drives Surge in European Heat Deaths - Inside Climate Newsinsideclimatenews.org
- More than 50,000 heat-related deaths in Europe this summersciencemediacentre.es
- Studie: „Schlimmster Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen“ – Mehr als 50.000 Hitzetote in Europa - WELTwelt.de
- Folgen des Klimawandels: Schätzung: Hitzesommer 2026 war in Europa tödlichster bishertagesspiegel.de
- Hitzesommer 2026 im Rückblick: Hitzebedingte Sterblichkeit und Schutzmaßnahmensciencemediacenter.de
- Der Hitzesommer forderte laut Studie in Europa 50 000 Totenzz.ch
Der Sommer 2026 war laut einer Zusammenfassung des Grantham Institute am Imperial College London von einer Folge extremer Hitzewellen mit schweren Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit geprägt. Für die untersuchten Städte schätzten die Forschenden 50.391 hitzebedingte Todesfälle, wie CNN am 22. Oktober 2026 berichtete. Die Ergebnisse erscheinen laut CNN wenige Wochen vor den jährlichen UN-Klimaverhandlungen in der Türkei und wenige Tage nach einer Warnung zur Begrenzung der Erderwärmung in einem UN-Bericht.
Laut Inside Climate News verglichen die Forschenden die Sommertemperaturen mit einem Modell ohne menschengemachte Erwärmung und kombinierten dies mit historischen Hitze- und Sterblichkeitsdaten, um die monatliche hitzebedingte Sterblichkeit zu schätzen. In den untersuchten Gebieten leben rund 40 Prozent der Bevölkerung dieser 30 Länder.
Italien, Frankreich und Spanien am stärksten betroffen
Am stärksten betroffen waren laut Science Media Centre Spain in dieser Reihenfolge Italien, Frankreich, Spanien, Deutschland und das Vereinigte Königreich. Dennoch starben laut CNN mehr als 800 Menschen zwischen 20 und 44 Jahren an hitzebedingten Ursachen. Laut Inside Climate News kamen in den untersuchten Stadtgebieten der 30 Länder zudem schätzungsweise 6.000 Menschen unter 65 Jahren bei Hitzewellen um.
Laut WELT tödlichster Hitzesommer seit Beginn der Modellierung im Jahr 2000
Die Studie baut nach Angaben des Grantham Institute auf früheren Arbeiten des Teams zum Vergleich der Sommer 2000 bis 2025 auf und wurde zur Veröffentlichung in Nature Health angenommen. Der dem Klimawandel zugerechnete Anteil der Hitzetoten lag laut Inside Climate News 2003 bei 42 Prozent. 2022 waren es 59 Prozent. 2026 stieg der Anteil auf 65 Prozent. Besonders tödlich war die Hitzewelle Ende Juni und Anfang Juli, auf die laut Inside Climate News etwa ein Drittel der geschätzten Sommersterblichkeit entfiel. Zwischen dem 17. Juni und dem 1. Juli lagen die Tagesmitteltemperaturen in der untersuchten Region mehr als 5 Grad Celsius über dem Mittel der Jahre 1991 bis 2020. Clair Barnes, Mitautorin der Studien und Extremwetterforscherin am Imperial College London, erklärte, der Sommer 2026 sei hinsichtlich der hitzebedingten Sterblichkeit in weiten Teilen Europas wohl der schlimmste seit Beginn der Aufzeichnungen gewesen.
Zweifel an der Vergleichbarkeit mit amtlichen Zahlen
David García vom spanischen Sterblichkeitsmonitoring MoMo würdigte den gemeinsamen methodischen Rahmen, weil er Vergleiche zwischen Regionen und kontinentale Muster ermögliche. Er betonte, die Schätzungen beruhten auf beobachteten Temperaturen und epidemiologischen Modellen, nicht auf tatsächlichen Todesfallzahlen des Sommers 2026. Zudem nutze die Methode als Bezugspunkt die Temperatur mit der geringsten Sterblichkeit, was zu hohen Schätzungen führen könne, während das öffentliche Gesundheitswesen üblicherweise Temperaturschwellen mit signifikanten Risikoanstiegen verwende. García riet, die Ergebnisse von beobachteten Sterbedaten und von Schätzungen offizieller Quellen für Spanien zu unterscheiden. Der Epidemiologe Óscar Zurriaga ergänzte, die Untersuchung erfasse einen Teil der Bevölkerung der 30 Länder und liefere für die übrigen 60 Prozent, die in nichtstädtischen Gebieten leben, keine Informationen. Die Autoren bezeichneten ihre Schätzung laut Zurriaga als konservativ. Zurriaga nannte dafür die Monate Mai bis August 2026, während die Studienzusammenfassung und CNN den Zeitraum Juni bis August angeben.
Belastete Krankenhäuser und Forderungen nach Anpassung
Im Vereinigten Königreich, für das die Forschenden rund 4.500 Hitzetote schätzten, belastete die Hitze laut dem Intensivmediziner Andrew Hartle die Krankenhäuser auf einem Niveau wie sonst nur in schweren Wintergrippesaisons. Patienten überhitzten laut Hartle während der Behandlung anderer Erkrankungen und ein großer Teil der britischen Krankenhausinfrastruktur sei nicht dafür gebaut, diesen Temperaturen standzuhalten. Der Epidemiologe Pierre Masselot forderte laut Tagesspiegel verstärkte Anpassung der Städte durch mehr Grünflächen, weniger Umweltverschmutzung und medizinische Versorgung der Bevölkerung. Barnes forderte gezielte Maßnahmen zum Schutz besonders gefährdeter Menschen und eine rasche Abkehr von fossilen Brennstoffen, um das Tempo der Erwärmung zu verlangsamen.
In Deutschland erstellt das Robert Koch-Institut eigene Schätzungen
Für Deutschland schätzte das Robert-Koch-Institut bis zur 34. Kalenderwoche 16.300 hitzebedingte Todesfälle, wie das Science Media Center Germany berichtete. Diese Zahl beruht laut dem Umweltbundesamt-Experten Wolfgang Straff auf Sterbefalldaten des Statistischen Bundesamtes, die mit Wetterdaten kombiniert werden. Straff forderte angesichts unklar verteilter Zuständigkeiten zwischen Bund, Ländern und Kommunen eine gesetzliche Regelung, die nötige Hitzeschutzmaßnahmen auf eine verlässliche rechtliche Grundlage stellt.
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