Drohnen in Jaroslawl: Kiew ohne Abwehr
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Drohnen in Jaroslawl: Kiew ohne Abwehr

Ukrainische Drohnen trafen am 6. August die Slavneft-YANOS-Raffinerie in Jaroslawl, eine der größten Russlands, rund 1.300 Kilometer hinter der Front. Stunden zuvor hatten russische Raketen Kiew getroffen und 17 Menschen getötet; nicht eine ballistische Rakete wurde abgefangen.

Quellen (10)
  1. Berliner Zeitung (Raffinerie Jaroslawl)berliner-zeitung.de
  2. The Moscow Times (Raffinerie-Angriffe)themoscowtimes.com
  3. Onvista (Selenskyj-Statement)onvista.de
  4. NV Ukraine (1.300 km hinter der Front)english.nv.ua
  5. NPR (17 Tote, Luftverteidigung)npr.org
  6. Kyiv Independent (Patriot-Lieferungen minus zwei Drittel)kyivindependent.com
  7. Watson.ch (Patriot-Krise)watson.ch
  8. t-online (Raketenangriff 5. August)t-online.de
  9. Euronews (Raffinerie-Offensive)euronews.com
  10. ukrinform (Jaroslawl brennt)ukrinform.de
6. August 2026, 21:40 Uhr783 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Keine einzige Patriot-Abfangrakete wurde in der Nacht zum 5. August abgefeuert. 24 russische ballistische Raketen schlugen in Kiew ein, 17 Menschen starben, Dutzende wurden verletzt. Die Ukraine hat die Munition aufgebraucht. Stunden später antwortete sie auf ihre Weise: Drohnen trafen eine der fünf größten Ölraffinerien Russlands in Jaroslawl, rund 1.300 Kilometer hinter der Front. Es ist die deutlichste Illustration des Krieges im Sommer 2026: Die Ukraine kann Russlands Hinterland treffen; Russland kann Kiews Wohnviertel mit Ballistikraketen bombardieren, ohne dass eine einzige abgefangen wird.

Jaroslawl und Ufa in einer Nacht

In der Nacht zum 6. August drang eine ukrainische Drohnenwelle in die Region Jaroslawl vor und griff die Slavneft-YANOS-Raffinerie an. Gouverneur Michail Jewraew bestätigte Brände auf dem Gelände und drei separate Feuerausbrüche; 88 Drohnen flogen nach seinen Angaben in dieser Nacht in die Region ein. Die YANOS-Anlage zählt nach Verarbeitungskapazität zu den fünf größten Ölraffinerien Russlands. Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte den Angriff öffentlich: „Wir haben russische Raffinerien getroffen.“

Bereits am Abend des 5. August hatte die Ukraine die Bashneft-Nowoil-Raffinerie in Ufa in der Ural-Region Baschkortostan getroffen. Beide Angriffe gehören zu einer Kampagne, die ukrainische Militärführung seit Ende Mai verfolgt: Russlands Ölexport durch Angriffe auf Raffinerien einzuschränken und damit die Kriegsfinanzierung zu erschweren. Reuters und internationale Agenturen meldeten seit Juli Treibstoffknappheit in mehreren russischen Regionen, Warteschlangen an Tankstellen und lokale Rationierungen.

17 Tote, keine Abwehr

In der Nacht zum 5. August griff Russland Kiew und die umliegende Region an: 24 ballistische Raketen, vier Zirkon-Hyperschallraketen und 115 Drohnen. Die ukrainische Luftverteidigung schoss 98 der 115 Drohnen ab. Gegen die ballistischen Raketen und die Zirkon-Raketen wurde keine einzige Patriot-Abfangrakete eingesetzt. Nicht wegen eines Systemausfalls. Wegen Munitionsmangels. 17 Menschen starben, Dutzende wurden verletzt. Unter den Einschlägen befanden sich mehrere Wohnviertel in der Kiewer Region.

Das Patriot-System ist das einzige Waffensystem, das die Ukraine gegen ballistische Raketen einsetzen kann. Die Munition ist erschöpft. Nach Angaben des Kyiv Independent sanken die Lieferungen von Patriot-Abfangraketen im ersten Halbjahr 2026 um zwei Drittel gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Selenskyj sagte nach dem Angriff, die Ukraine erhalte derzeit nur ein Drittel der benötigten Interceptoren. Für ein System, das jede Abfangrakete einzeln und teuer verbraucht, bedeutet das: Prioritäten setzen, welche Angriffe überhaupt abgewehrt werden. In der Nacht zum 5. August waren es keine.

Wie der Persische Golf Kiews Luftabwehr aushöhlt

Der parallele Irankonflikt bindet Patriot-Kapazitäten auf eine Weise, die im europäischen Nachrichtendiskurs selten benannt wird. Bahrain, Kuwait und Saudi-Arabien haben nach iranischen Raketenangriffen im Sommer 2026 ihre Patriot-Bestände aufgestockt. US-Streitkräfte, die in der Region stationiert sind, benötigen eigene Schutzkapazitäten. Jede Abfangrakete, die am Persischen Golf eingesetzt wird, fehlt in Kiew; die Produktion kann nicht gleichzeitig beide Fronten bedienen.

Hersteller Lockheed Martin kann die Fertigungskapazitäten kurzfristig nicht erhöhen; Zulieferer und Produktionslinien für die PAC-3-MSE-Abfangraketen sind auf Jahre ausgebucht. Europäische Alternativen wie das französisch-italienische SAMP/T-System oder das israelische Arrow-System können die Patriot-Lücke nicht schließen: weder von der Stückzahl noch von der technischen Leistungsfähigkeit gegen ballistische Bedrohungen her. Verteidigungsanalysten gehen davon aus, dass der Engpass mindestens bis 2027 anhält.

Die nächste klare Nacht über Kiew

Die strategische Lage zeigt eine deutliche Asymmetrie. Die Ukraine kann mit Drohnen Treffer tief in Russlands Wirtschaft setzen, in Entfernungen, die noch 2024 undenkbar erschienen. Aber sie kann Russlands ballistische Raketen über Kiew nicht mehr abwehren. Drohnenabwehr funktioniert, weil ukrainische Eigenproduktion und diverse westliche Systeme das Drohnensegment abdecken. Raketenabwehr bricht weg, weil sie von einem einzigen teuren Munitionstyp aus einer einzigen Produktionslinie abhängt.

Für die Bevölkerung Kiews bedeutet das: Jede klare Nacht, in der Russland ballistische Raketen und Zirkon-Raketen einsetzen kann, ist eine Nacht ohne Schutz. 24 ballistische Raketen schlugen am 5. August ungehindert ein. Zirkon-Hyperschallraketen, die in dieser Nacht erstmals in dieser Dichte über Kiew eingesetzt wurden, sind selbst mit vollem Patriot-Munitionsbestand schwer abzufangen; ohne jede Munition sind sie unkontrollierbar. Die westlichen Partnerregierungen sind aufgefordert, Lieferungen zu priorisieren. Konkrete Zusagen über das laufende Jahreskontingent hinaus lagen bis Redaktionsschluss nicht vor. Die nächste Entscheidung über Prioritäten zwischen Golfstaaten und Kiew fällt in Washington.

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