
Studie: Grundeinkommen und Schulungen in indigenen Gemeinden Perus
Quellen (11)
- Citation for published version: Howard, N, Langridge, N, Remnant, F, Mishan, H, Ulfe Young, ME & Espinoza, M 2026 'Fighting the climate crisis with reciprocity:purehost.bath.ac.uk
- How £2 a Day is Transforming Indigenous Communities and Protecting Peru’s Amazon Rainforestdowntoearth.org.in
- World-first basic income trial boosts Indigenous livelihoods and Amazon rainforest protectionbath.ac.uk
- Early results suggest communities stop logging during basic income pilot projectnews.mongabay.com
- Renda básica sem condições paga R$ 2,67 por dia a 211 indígenas no Peru e reduz fome e migração por trabalho em dois anosrevistaamazonia.com.br
- World-first basic income trial boosts Indigenous livelihoods and Amazon rainforest protection – Cool Earthcoolearth.org
- World’s First basic income pilot for Indigenous Peoples – Cool Earthcoolearth.org
- Basic Income: Early results show significant impact – Cool Earthcoolearth.org
- You Asked, We Answered: Basic Income Pilot – Cool Earthcoolearth.org
- Basic Income in the rainforest: One year on - Cool Earthcoolearth.org
- Cool Earth at BIEN: Cash in Hand, Forests Standing – Cool Earthcoolearth.org
In drei indigenen Gemeinden der Asháninka und Yanesha in der Provinz Junín im zentralen peruanischen Amazonasgebiet erhielten 211 Menschen im Rahmen eines im November 2023 gestarteten Pilotprojekts ein bedingungsloses Grundeinkommen, wie eine Auswertung des Pilotprojekts zeigt. Jeder Erwachsene bekam das Geld direkt und konnte selbst entscheiden, wofür er es ausgibt, vorgesehen waren sechs Überweisungen im Abstand von vier Monaten über zwei Jahre. Organisiert wurde das Programm von der Klimaorganisation Cool Earth gemeinsam mit den indigenen Organisationen ONAMIAP und OMIAASEC.
Hintergrund war laut der Auswertung eine wirtschaftliche Notlage, die Bewohner zur Suche nach Gelegenheitsarbeit außerhalb ihrer Gemeinden zwang, was den Zusammenhalt schwächte und die Zeit für Landwirtschaft und Umweltschutz verringerte. Laut Bericht sollte das Pilotprojekt prüfen, ob finanzielle Sicherheit auf Haushaltsebene die gemeinschaftliche Bewirtschaftung und Bewahrung des Landes stärken kann, statt sie zu ersetzen. Ergänzend zu den Zahlungen bot das Projekt nach einem Cash-Plus-Modell freiwillige Workshops zu Finanzfragen, indigenen Rechten, Umweltschutz und Klimawandel an, die laut Bericht häufig wahrgenommen wurden.

Weniger Hunger, mehr Ersparnisse
Die quantitative Auswertung vergleicht eine Befragung von November und Dezember 2023 mit einer Abschlussbefragung von 82 Teilnehmenden vom August 2025. Ergänzt wird sie durch 24 Einzelinterviews und drei Fokusgruppen nach der Methode des Qualitative Impact Protocol. Der Anteil der Haushalte, die sich keine nahrhaften Lebensmittel leisten konnten, sank von 73% auf 26%. Der Anteil mit Hunger ohne anschließendes Essen sank von 51% auf 21%. Der Anteil, der einen ganzen Tag ohne Essen verbrachte, sank von 24% auf 15%. Die Arbeitsmigration ging von 43% auf 18% zurück. Zugleich erweiterten 30% der Haushalte ihre Anbauflächen und nahmen zuvor aufgegebene Flächen wieder in Nutzung. Laut Down To Earth stieg der Anteil der Haushalte, die Ersparnisse meldeten, von 49% auf 70%. Die Kreditnutzung sank von 19% auf 6%. Nach Angaben des Portals Down To Earth rüsteten außerdem knapp 55% der Haushalte ihre Dächer mit Wellblech aus. Der Anteil der Haushalte ohne Sanitärversorgung sank von 9% auf 2%. In den Interviews beschrieben Befragte das Geld wiederholt als finanziellen Puffer, der den Druck zur auswärtigen Lohnarbeit verringerte und ihnen erlaubte, mehr Zeit in den eigenen Anbau zu investieren. Viele verknüpften die finanziellen Verbesserungen zudem mit den Finanzschulungen des Projekts und berichteten ein besseres Verständnis von Haushaltsplanung. Die Ernährung wurde nach eigenen Angaben vielfältiger, mit mehr Fisch, Fleisch, Eiern, Gemüse und Obst.
Wiederaufforstung und gemischte Befunde zur Rolle von Frauen
Die qualitativen Interviews dokumentierten zudem Wiederaufforstung, den Schutz von Wasserquellen, weniger Waldverbrennung, die Pflanzung heimischer Arten, die Bewahrung indigenen Saatguts sowie gemeinschaftliche Baumschulen und Fischzuchten. Rund 80% der Interviewten gaben an, umweltförderliche Praktiken übernommen zu haben, häufig unter Verweis auf Workshops und gemeinschaftliche Diskussionen. Bei der Autonomie von Frauen fielen die Ergebnisse uneinheitlich aus: Die quantitative Erhebung deutete auf mehr gemeinsame Haushaltsentscheidungen über die Geldverwendung hin, die qualitativen Interviews fanden dagegen nur begrenzte Hinweise auf wesentlich veränderte geschlechtsspezifische Machtverhältnisse.

Keine Kontrollgruppe und offene Fragen
Der Leiter der Forschungsgruppe an der University of Bath, Neil Howard, erklärte, das Programm zeige die weiteren Vorteile bedingungsloser finanzieller Unterstützung für historisch marginalisierte Gemeinschaften. Cool Earths Landesmanagerin für Peru, Sofia Vargas, sagte, das Pilotprojekt zeige das Gegenteil der traditionellen Kritik, Grundeinkommen schaffe Abhängigkeit oder verringere Arbeitsanreize. Die Forschenden der University of Bath weisen in der begleitenden Mitteilung zugleich darauf hin, dass die Untersuchung nur einen relativ kurzen Zeitraum abdeckte und keine Kontrollgruppe einschloss. Für Aussagen zu langfristigen Effekten und zur Übertragbarkeit auf größere Maßstäbe sei weitere Forschung nötig. Bereits im Januar 2025, nach einem Jahr des Pilotprojekts, hatte eine interne Bewertung laut einem Mongabay-Bericht vom Januar 2025 ergeben, dass die drei Gemeinden keine nicht nachhaltigen oder illegalen Waldaktivitäten zur Sicherung ihres Lebensunterhalts mehr betrieben. Unabhängige Bewertungen lagen zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht vor. Die damalige Bewertung befasste sich zudem schwerpunktmäßig mit qualitativen Auswirkungen, Daten zur Waldbedeckung und zum Waldzustand wurden laut Mongabay nicht erhoben. Die Soziologin Deborah Delgado Pugley von der Pontificia Universidad Católica del Perú verwies darauf, dass indigene Gemeinden staatliche bedingte Geldprogramme in der Vergangenheit als unflexibel gegenüber ihren Bedürfnissen kritisiert hätten. Das brasilianische Portal Revista Amazônia gibt im Oktober 2026 zudem nicht namentlich genannte Kritiker wieder, die vor Spaltungen innerhalb der Gemeinden nach Ende der Finanzierung und vor einer stärkeren Bindung an die Marktwirtschaft warnen. Offen bleibe laut Revista Amazônia, ob der Effekt anhält, wenn die Zahlungen enden.
Ausweitung nach Kolumbien geplant
Nach Angaben des Mediums ist die peruanische Erfahrung wegen unterschiedlicher Sozialprogramme und Landrechtsverhältnisse nicht automatisch auf Brasilien übertragbar.
Kommentare