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International
666 Drohnen und Raketen: Russland greift Ukraine an

666 Drohnen und Raketen: Russland greift Ukraine an

Russland hat in der Nacht zum 25. April 666 Drohnen und Raketen auf die Ukraine abgefeuert. Mindestens 7 Menschen kamen ums Leben, mindestens 57 wurden verletzt. Es ist der dritte Großangriff in zehn Tagen, ein Muster, das mit der geschwächten westlichen Munitionsversorgung für die Ukraine zusammenfällt.

25. April 2026, 20:39 Uhr 736 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Die Nacht zum 25. April begann in der Ukraine mit landesweitem Luftalarm. Russland schickte 666 Drohnen und Raketen: 619 Drohnen, dazu 47 Raketen, darunter 12 ballistische. Mindestens 7 Menschen kamen ums Leben, mindestens 57 wurden verletzt. In Dnipro wurden Wohngebäude getroffen, Großfeuer brachen aus. Kyiv, Charkiw und Chernihiv meldeten ebenfalls Einschläge. Die ukrainische Luftverteidigung schoss 610 der 666 Geschosse ab, eine Abfangquote von 92 Prozent. Aber 56 kamen durch, trafen 23 Ziele und hinterließen Trümmer an weiteren neun Orten.

April ist der härteste Monat dieses Kriegsjahres

Der Angriff vom 25. April steht nicht für sich. Am 16. April feuerte Russland 703 Drohnen und Raketen ab, mindestens 16 Menschen starben. Am 24. März wurden 948 Shahed-Drohnen innerhalb von 24 Stunden gezählt, der bislang größte Einzeltag. Der April 2026 ist damit der bisher intensivste Monat der russischen Luftkriegsführung seit Kriegsbeginn.

Was die Zahlen nicht unmittelbar sichtbar machen: Jeder Angriff dieser Größenordnung verschleißt ukrainische Abfangraketen, die nicht unbegrenzt ersetzbar sind. Ein Patriot-Abfanggeschoss kostet rund eine Million Euro. Eine russische Shahed-Drohne kostet rund 30.000 Dollar. Der wirtschaftliche Austausch begünstigt strukturell den Angreifer. Dieser Kalkulationslogik folgt Russland seit Monaten.

Selenskyj sprach am Morgen von "sofortigen und entschlossenen Maßnahmen" und forderte eine schnelle Verstärkung der ukrainischen Luftverteidigung. Seine Beschreibung der Ziele war direkt: Wohngebäude, Energieeinrichtungen, Unternehmen. Russland trifft nicht nur Militärobjekte.

Der Zusammenhang mit dem Iran-Krieg

Im März 2026 hat das Pentagon das PURL-Rüstungsprogramm für die Ukraine suspendiert. Dieses NATO-Koordinationsverfahren lieferte der Ukraine seit Sommer 2025 rund 75 Prozent ihrer Patriot-Abwehrraketen. Der Grund für die Suspension: Die USA haben im Iran-Krieg fast die Hälfte ihrer eigenen Präzisionsraketen verschossen und müssen die eigenen Bestände auffüllen, bevor sie weitere Munition abgeben können. Das Pentagon schätzt, dass eine vollständige Wiederauffüllung vier bis fünf Jahre dauern wird.

Russland nutzt das Fenster. Seit dem Osterfrieden, den Putin am 11. April einseitig ausrief und nach 32 Stunden bereits wieder beendete, zählt der ukrainische Generalstab 2.299 russische Verstöße. Der "Osterfrieden" war eine Propagandaperiode, kein Waffenstillstand.

Deutschland hat im April ein bilaterales Rüstungspaket über vier Milliarden Euro mit der Ukraine unterzeichnet, das Patriot-Raketen und IRIS-T-Systeme umfasst. Dieser Kanal läuft. Er ersetzt aber nicht das suspendierte PURL-Volumen und seine Lieferketten sind langsamer. Ein russischer Angriff der Nacht des 25. April trifft die Ukraine in einem Moment reduzierter Versorgungslage, nicht in einem Moment der Normalität.

Die strukturelle Frage der Luftverteidigung

92 Prozent Abfangquote klingt nach einem Erfolg der ukrainischen Luftverteidigung. Das ist es auch, technisch gesehen. Aber 92 Prozent bedeuten, dass bei einem Angriff mit 666 Geschossen rund 56 durchkommen. Bei einem Angriff mit 1.000 Geschossen wären das rund 80 Treffer. Die Quote bleibt konstant, die absolute Schadenszahl steigt mit dem Angriffsvolumen.

Russland hat genau das erkannt. Die schrittweise Steigerung der Angriffsgröße ist keine Zufälligkeit, sondern ein Instrument: Es testet, ab wann die ukrainische Abwehr kapazitätsmäßig überfordert ist. Solange Patriot-Nachschub ausbleibt, sinkt die Zahl der verfügbaren Abfangraketen mit jedem Einsatz. Wenn die Abfangquote fällt, werden mehr Geschosse zum Ziel.

Europäische Lieferungen könnten diesen Trend stoppen. Finnland, Frankreich und Deutschland haben Lieferzusagen gemacht. Aber die Produktionskapazitäten der europäischen Rüstungsindustrie sind begrenzt und die Lieferzeiten lang. Das ukrainische Militär kann gegenwärtig nicht so viel Munition empfangen, wie es verbraucht.

Was als Nächstes entschieden wird

Selenskyj reist in den kommenden Wochen erneut durch europäische Hauptstädte, um Luftverteidigungslieferungen zu beschleunigen. Im Europäischen Rat steht das Ukraine-Unterstützungspaket auf der Tagesordnung. Die Entscheidung über das PURL-Programm, ob es reaktiviert oder dauerhaft auf US-Eigenversorgung umgeleitet wird, erwartet das Pentagon für das zweite Quartal 2026.

Russland gibt keine Anzeichen einer Abschwächung. Die Häufung von Großangriffen im April ist kein Zufall, sondern strategische Opportunität: Washington schaut nach Teheran, Europa rechnet nach, Kiew kämpft.

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