CATL startet Massenproduktion von Natriumionenakkus
Am 5. Februar 2026 stellten CATL und Changan Automobile in China den Nevo A06 vor: das weltweit erste in Massenproduktion gefertigte Elektrofahrzeug mit Natriumionenbatterie. Damit ist eine Technologie aus dem Labor in die Serienreife übergegangen, die den Elektroautomarkt grundlegend verändern könnte. CATLs Chefwissenschaftler Wu Kai kündigte am 22. April an, die Produktionskapazitäten in der zweiten Jahreshälfte 2026 stark auszubauen. Wer heute ein Elektroauto mit Natriumionenakku kaufen will, kann das bereits tun.
Was Natriumionenbatterien besser machen
Der Changan Nevo A06 ist mit einem Akku des Typs CATL Naxtra mit 45 kWh ausgestattet, der eine Energiedichte von 175 Wh/kg erreicht und mehr als 400 Kilometer Reichweite ermöglicht. Bei minus 40 Grad Celsius behalten die Zellen nach Herstellerangaben noch 90 Prozent ihrer Kapazität. Das ist ein deutlicher Vorteil gegenüber Lithiumeisenphosphatzellen (LFP), die bei extremer Kälte stärker nachlassen.
Das entscheidende Argument ist aber der Preis. Natriumionenbatterien sollen auf Zellebene rund 30 Prozent günstiger sein als LFP-Akkus. Der Grund liegt in den Rohstoffen: Während Lithium, Kobalt und Nickel teuer und geopolitisch umkämpft sind, lässt sich Natrium als Natriumcarbonat in nahezu jedem Land der Welt günstig herstellen. Natrium ist im Grunde Salz.
Die vier gelösten Fertigungsprobleme
Natriumionenbatterien gelten seit Jahren als technologisch vielversprechend, scheiterten in der Großserienproduktion aber an vier konkreten Problemen. Wu Kai erläuterte am 22. April auf CATLs Technikkonferenz, dass das Unternehmen alle vier überwunden habe.
Erstens reagieren die Zellenchemien extrem empfindlich auf Feuchtigkeit in der Produktionsumgebung. Zweitens entstanden beim Laden Gasblasen, die zu Schwellungen führten. Drittens hafteten Elektroden schlecht auf Aluminiumfolien. Viertens fehlte eine Anodenstruktur mit ausreichender Speicherkapazität. Dieses letzte Problem löste CATL mit Hartkohlenstoffanoden der zweiten Generation, die deutlich mehr Natriumionen aufnehmen können als frühere Varianten.
Marktstart und geopolitische Bedeutung
Der Nevo A06 ist aktuell das einzige Serienfahrzeug mit Natriumionenbatterie auf dem Markt, weitere Modelle werden für 2027 erwartet. CATL peilt bis 2027 eine Gesamtproduktionskapazität von 100 Gigawattstunden an, verglichen mit weniger als 5 Gigawattstunden im Jahr 2025. Die Technologie soll nicht nur in Pkw zum Einsatz kommen, sondern auch in Nutzfahrzeugen, Wechselakkusystemen und stationären Stromspeichern.
Die geopolitische Dimension ist erheblich. China kontrolliert weite Teile der globalen Lieferkette für Lithium, Kobalt und Nickel. Natriumionenbatterien könnten dieses Abhängigkeitsgefüge lockern: Da Natriumcarbonat überall günstig verfügbar ist, könnten Europa und die USA Akkufabriken aufbauen, ohne auf chinesisch kontrollierte Rohstoffmärkte angewiesen zu sein. Für die Versorgungssicherheit der europäischen Elektromobilität wäre das ein struktureller Fortschritt.
Wo die Grenzen liegen
Eine Schwäche bleibt bestehen: Die Energiedichte von 175 Wh/kg liegt unter modernen LFP-Zellen (200 bis 210 Wh/kg) und weit unter NMC-Akkus der Premiumklasse, die 300 Wh/kg und mehr erreichen. Für günstige Elektroautos und Mittelklassemodelle mit Reichweiten bis 400 Kilometer ist die Technologie gut geeignet. Für Fahrzeuge mit großer Reichweite oder schwere SUVs sind Natriumionenbatterien auf absehbare Zeit keine Lösung.
CATL arbeitet an einer zweiten Generation mit einer projektierten Energiedichte von über 200 Wh/kg. Wenn das gelingt, dürfte der Anwendungsbereich deutlich wachsen. Eine Überprüfung der Fortschritte ist für Ende 2026 geplant. Für Käufer, die ein günstigeres Elektroauto für den Alltag suchen, das auch im Winter zuverlässig funktioniert, könnte Natriumionentechnologie schon jetzt die richtige Wahl sein.