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Monarchfalter: Population erholt sich um 64 Prozent

Monarchfalter: Population erholt sich um 64 Prozent

Im Winter 2025/2026 besiedelten Monarchfalter 2,93 Hektar Wald in Mexiko, 64 Prozent mehr als im Vorjahr. Das ist der größte Zuwachs seit 2018, aber noch immer weit unter der Schwelle, die Wissenschaftler für das langfristige Überleben der Art als nötig erachten.

25. April 2026, 17:18 Uhr 685 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Die Monarchfalter kehren in Zahlen zurück, die seit Jahren nicht mehr gemessen wurden: Im Winter 2025/2026 besiedelten die Schmetterlinge 2,93 Hektar Wald in den mexikanischen Schutzgebieten, 64 Prozent mehr als in der Vorsaison. Das ist der größte Zuwachs seit 2018. Semarnat, die mexikanische Umweltbehörde und die nationale Naturschutzbehörde Conanp gaben das Ergebnis gemeinsam mit WWF Mexiko am 18. März 2026 bekannt. Dass diese Zahl Grund zur Erleichterung ist, steht fest. Dass sie nicht reicht, auch.

Dramatischer Absturz seit den 1990ern

Die östliche Monarchfalterpopulation wandert jedes Jahr zwischen den Wäldern Kanadas und den USA, um in den Gebirgen Michoacáns zu überwintern. Im Winter 1995 bedeckten die Falterkolonien noch rund 18 Hektar der Oyamelkiefernwälder in diesen Schutzgebieten. Seitdem sank der Bestand auf schätzungsweise 10 bis 20 Prozent des damaligen Niveaus.

Die Hauptursachen: In den USA wurde durch großflächigen Herbizideinsatz die Milchkrautpflanze weitgehend vernichtet, die einzige Nahrungsquelle der Monarchraupen. In Mexiko schrumpften die Überwinterungswälder durch illegalen Holzeinschlag und Waldbrände. Zunehmende Dürren entlang der gesamten Migrationsroute erschöpften die Falter während ihrer Reise. Die Weltnaturschutzunion IUCN stuft die Art seit 2022 als gefährdet ein. Als Überlebensminimum gilt nach Wissenschaftereinschätzung eine dauerhaft besiedelte Waldfläche von mindestens sechs Hektar.

Gemessen wird dabei nicht die Zahl der Tiere, sondern die Waldfläche, die von dichten Falterkolonien bedeckt wird: Da es sich um Milliarden von Individuen handelt, ist eine Direktzählung nicht praktikabel. Im Winter 2023/2024 erreichte die Population mit 1,79 Hektar einen der tiefsten Stände seit Beginn der systematischen Messung.

Warum die Population dieses Jahr wuchs

Den Zuwachs auf 2,93 Hektar erklären die Forscher mit drei zusammenwirkenden Faktoren. Das Frühjahr und der Sommer 2024 in den USA waren feuchter als die Vorjahre. Das begünstigte die Milchkrautverfügbarkeit und führte zu einer deutlich höheren Ei- und Raupenrate als in den Trockenjahren zuvor. Während der Herbstwanderung nach Mexiko gab es weniger Dürrephasen als in der Vorsaison, sodass entlang der Migrationskorridore mehr blühende Nektarquellen verfügbar waren.

Dazu kommen direkte Schutzmaßnahmen: 2025 wurden rund 100.000 heimische Oyamelkiefern an 32 Aufforstungsstandorten in den mexikanischen Schutzgebieten gepflanzt. Parallel dazu erproben Forscher erstmals Mikrochips auf einzelnen Faltern, um individuelle Migrationsrouten und Fressgewohnheiten zu verfolgen. Die Ergebnisse sollen in den kommenden Jahren gezielteren Schutz entlang der gesamten Wanderstrecke ermöglichen.

Wie fragil die Erholung ist

2,93 Hektar sind mehr als das 1,6-Fache des Vorjahres, aber sie entsprechen weniger als der Hälfte der wissenschaftlich definierten Überlebensschwelle von sechs Hektar und gerade einmal 16 Prozent der Fläche, die im Rekordjahr 1995 besiedelt war. Die Monarchfalterpopulation reagiert auf klimatische Bedingungen außergewöhnlich stark und empfindlich: Ein einziges gutes Wetterjahr bewirkt messbare Erholung, ein einziges schlechtes kann sie wieder zunichtemachen.

Das zeigte sich nach dem relativen Aufschwung 2022/2023, dem eine schwere Dürre im Jahr darauf folgte und die Population auf den damaligen Tiefstand drückte. Auch der Druck durch illegales Fällen hält an: Im Zeitraum von Februar 2024 bis Februar 2025 gingen allein durch Holzeinschlag 4,58 Hektar Schutzwald verloren.

Symbol für ein ganzes Ökosystem

Monarchfalter sind mehr als ein ikonisches Naturschauspiel. Als Bestäuber spielen sie eine ökologische Rolle in Nordamerika. Die jährliche Massenmigration, bei der Millionen Falter die gesamten USA durchqueren, gilt als eines der beeindruckendsten Naturphänomene der Welt und zieht Millionen Ökotouristen in die mexikanischen Bergregionen Michoacáns.

Die aktuelle Erholung ist ein Beleg dafür, dass die Art trotz allem noch nicht verloren ist und dass sowohl Wetterbedingungen als auch Schutzprogramme messbare Wirkung zeigen können. Der U.S. Fish and Wildlife Service prüft derzeit die Aufnahme der Monarchfalter in die amerikanische Endangered Species List. Eine solche Einstufung würde US-Bundesbehörden verpflichten, deutlich umfangreichere Schutzprogramme und Förderprogramme aufzusetzen, unter anderem für Milchkrautpflanzungen auf Privatflächen. Die nächste Populationsmessung findet im Winter 2026/2027 statt.

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