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Ukraines Frontbilanz: Erster Geländegewinn seit 2024

Ukraines Frontbilanz: Erster Geländegewinn seit 2024

Im Februar 2026 gewann die Ukraine erstmals seit dem Kursk-Vorstoß 2024 netto mehr Territorium zurück als sie verlor. Doch was steckt hinter dieser Wende und warum hängt der 90-Milliarden-EU-Kredit an einer Pipeline?

25. April 2026, 22:38 Uhr 810 Wörter · 5 Min. Lesezeit

Im Februar 2026 gewann die Ukraine zum ersten Mal seit dem Kursk-Vorstoß im Sommer 2024 mehr Territorium zurück als sie verlor. General Oleksandr Syrskyj bestätigte am 2. März, dass die monatliche Geländebilanz erstmals positiv ausgefallen war; das Institut für Kriegsstudien (ISW) verifizierte die Daten unabhängig. Seitdem hat sich das Bild verändert und nicht nur zum Vorteil der Ukraine. Was die Frontdaten für das Frühjahr 2026 zeigen und warum die Reparatur einer Pipeline mehr mit dem EU-Kredit von 90 Milliarden Euro zu tun hat als es zunächst scheint.

Die Zahlen hinter der Wende

Deep State Map verzeichnete für Februar 2026 ukrainische Gebietsverluste von 126 Quadratkilometern. Die ukrainischen Gewinne übertrafen das erstmals, nachdem Russland in den Monaten davor kontinuierlich mehr Boden gutgemacht hatte. Syrskyj bezifferte einen einzigen Gegenangriff am 21. Februar auf 300 zurückgewonnene Quadratkilometer. Das ISW bestätigte, das sei das erste Mal seit Beginn der Kursk-Operation, dass die Monatsbilanz positiv ausgefallen war.

März zeigte, dass das kein Ausreißer war: Im Zeitraum vom 3. bis 31. März verlor Russland netto rund 31 Quadratkilometer. Die russischen Verluste in diesem Monat erreichten dabei einen Rekordwert: 35.351 Soldaten in vier Wochen, laut United24 und Al Jazeera die höchste Monatsrate seit Kriegsbeginn. Das entspricht einem durchschnittlichen Verlust von rund 1.140 Soldaten täglich.

Die Drohne als strategische Waffe

Der Charakter ukrainischer Drohnenoperationen hat sich im Frühjahr 2026 verändert. Neben FPV-Kamikazedrohnen, die einzelne Fahrzeuge ausschalten, treten zunehmend Langstreckenangriffe auf russische Rüstungsinfrastruktur. Am 19. April trafen ukrainische Neptune-Marschflugkörper die Atlant-Aero-Fabrik in Taganrog, rund 55 Kilometer hinter der Frontlinie. Das Werk produziert Molnija-Drohnen und Orion-UAV-Komponenten, die beide für russische Angriffe auf ukrainische Städte eingesetzt werden.

Parallel verfolgt die Ukraine eine Strategie gegen russische Ölinfrastruktur. Ukrainische Drohnen griffen im März und April Pumpstationen des Pipelineoperators Transneft in den Gebieten Samara und Nischni Nowgorod an. Zusammen mit dem Ausfall der baltischen Exportterminals Primorsk und Ust-Luga hatte das nach Reuters-Berechnungen bis Ende März über 40 Prozent der russischen Ölexportkapazität lahmgelegt, mehr als zwei Millionen Barrel täglich.

Eine Pipeline, zwei Siege

Das strategisch bedeutendste Ereignis der vergangenen vier Wochen war womöglich die Reparatur der Druschba-Pipeline. Am 27. Januar hatte ein russischer Drohnenangriff auf den Brody-Ölhub in der Westukraine Hochdruckpumpen und Steuerungssysteme zerstört. Für fast drei Monate floss kein Öl durch die südliche Druschba nach Tschechien, Österreich und Ungarn. Zelensky gab am 21. April die Reparatur bekannt; am 22. April lief das Öl wieder.

Zwei Tage später, am 23. April, verabschiedete der EU-Rat den 90-Milliarden-Euro-Kredit für die Ukraine. Das ist keine Koinzidenz. Viktor Orbán und Robert Fico hatten ihr Veto gegen das Kreditpaket an den Ölfluss geknüpft. Ohne Druschba kein Kredit, ohne Kredit keine Finanzierung des ukrainischen Staatshaushalts 2026. Die Ukraine muss laut Weltbank rund 40 Milliarden Dollar an Staatsausgaben finanzieren, die durch Steuereinnahmen nicht gedeckt werden. Die 30-Milliarden-Haushaltstranche des EU-Kredits schließt diese Lücke für dieses Jahr; die restlichen 60 Milliarden sind für Verteidigung und Rüstungseinkäufe in Europa vorgesehen. Die Rückzahlung soll aus russischen eingefrorenen Vermögenswerten finanziert werden.

Pokrowsk: Die offene Flanke

Dass die ukrainische Monatsbilanz im Februar positiv war, bedeutet nicht, dass die Frontlage stabil ist. Im Raum Pokrowsk drängen russische Kräfte westlich von Rodynske vor. Das ISW und ukrainische Lagemeldungen zeigen, dass Russland versucht, einen Korridor zwischen Rodynske und Gryschyne zu schließen. Dieser Korridor ist die letzte Landversorgungsroute für ukrainische Verbände in einem möglichen Einkesselungsmanöver.

Das ukrainische Generalstab meldete am 24. April allein bei Rodynske 36 abgewehrte russische Angriffe an einem Tag. Das spricht für einen Brennpunkt, der viel Kapital bindet. Die ukrainische Führung setzt darauf, den Nachschub per Drohne aufrechtzuerhalten, falls der Landweg abgeschnitten wird. 167 ukrainische Brigaden operieren bereits mit Drohnen und Bodenrobotern; monatlich werden laut ukrainischem Militär über 9.000 Drohnenmissionen allein in dieser Richtung geflogen.

Was als Nächstes entscheidet

Der EU-Kredit soll ab Mai in Tranchen fließen. Das verschafft Kiew direkten Zugang zu Mitteln für Munitionskäufe in Europa, ohne auf US-Lieferungen angewiesen zu sein, die durch den Iran-Krieg unter Druck geraten sind. Mitte April hatten Deutschland und die Ukraine ein Verteidigungsabkommen über vier Milliarden Euro mit gemeinsamer Drohnenproduktion unterzeichnet; die ersten Lieferungen sind für das zweite Quartal 2026 geplant.

Auf russischer Seite entscheidet sich, ob die Verlustrate strategisch haltbar ist. 35.000 Soldaten im März, dazu Öl- und Drohnenproduktionsausfälle durch ukrainische Schläge: Das ist ein Tempo, das die russische Kriegswirtschaft belastet, auch wenn Russland seine Mobilisierungskapazitäten bisher nicht erschöpft hat. Der entscheidende Test in den kommenden Wochen ist Pokrowsk: Gelingt Russland der Einschluss, entsteht eine neue Krise. Gelingt er nicht, bestätigt das die These, dass die ukrainische Defensive im Frühjahr 2026 belastbarer ist als im Vorjahr.

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