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International
Drei Sanitäter getötet: Israel eskaliert im Libanon einen Tag nach Washington

Drei Sanitäter getötet: Israel eskaliert im Libanon einen Tag nach Washington

Mindestens 20 Menschen starben bei israelischen Angriffen im Südlibanon, einen Tag nach dem ersten Direktgespräch zwischen Israel und Libanon seit 30 Jahren. Drei Sanitäter wurden bei einem Dreifachangriff in Mayfadoun getötet, während Israel jede Verknüpfung der Gespräche mit einer Waffenruhe ablehnte.

16. April 2026, 0:35 Uhr 742 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Am Mittwoch, einen Tag nach dem ersten israelisch-libanesischen Direktgespräch seit mehr als 30 Jahren, töteten israelische Angriffe mindestens 20 Menschen im Südlibanon. Drei Sanitäter starben bei einem Dreifachangriff in Mayfadoun: Israel beschoss erst den Einsatzort, dann das erste Rettungsteam, dann das zweite. Die Gespräche in Washington hatten die Angriffe nicht aufgehalten.

Washington ohne Waffenruhe

Am Dienstag saßen israelische und libanesische Botschafter erstmals seit mehr als 30 Jahren im selben Raum. US-Außenminister Marco Rubio moderierte das Treffen im State Department, an dem auf israelischer Seite Botschafter Yechiel Leiter und auf libanesischer Seite Botschafterin Nada Hamadeh Moawad teilnahmen. Die Sitzung dauerte mehr als zwei Stunden. Beide Seiten einigten sich, weitere Gespräche aufzunehmen, ohne Datum oder Ort festzulegen. Eine Waffenruhe lehnten israelische Unterhändler während der Gespräche ausdrücklich ab.

Die Ausgangspositionen bleiben fundamental verschieden. Israel versteht die Gespräche als Beginn formaler Friedensverhandlungen zur Entwaffnung der Hisbollah. Beirut hatte Botschafterin Moawad ausschließlich zu Waffenstillstandsverhandlungen bevollmächtigt. Hisbollah, die tatsächliche Militärmacht im Süden, wurde weder eingeladen noch konsultiert. Ihr Sprecher nannte das Treffen Verrat und forderte die libanesische Regierung auf, den Tisch zu verlassen. Beirut ignorierte das.

Dreifachangriff auf Sanitäter in Mayfadoun

In der südlibanesischen Ortschaft Mayfadoun traf Israel am Mittwoch dreimal hintereinander an demselben Ort. Zuerst beschoss Israel eine Gruppe Verletzter. Als ein erstes Sanitäterteam zur Rettung eintraf, griff Israel dieses Team an. Als ein zweites Team anrückte, um das erste zu retten, traf auch dieses ein Angriff. Drei Sanitäter wurden getötet, sechs verletzt, einer gilt als vermisst. Die libanesische Zivilschutzorganisation dokumentierte die drei aufeinanderfolgenden Treffer. Israel hat sich zu dem Vorgang nicht geäußert.

Die libanesische Staatsagentur NNA berichtete von mindestens 20 Toten an diesem Tag, darunter vier Angehörige einer Familie, die in ihrem Wohnhaus in Jbaa getötet wurden. Das Haus lag nach Angaben lokaler Behörden fernab des militärischen Frontgebiets. Das israelische Militär teilte mit, seit Beginn der Washingtoner Gespräche 200 Ziele in Südlibanon angegriffen zu haben. Insgesamt kamen seit Kriegsbeginn 2.167 Menschen durch israelische Angriffe im Libanon ums Leben, darunter 172 Kinder und 91 Angehörige des Gesundheitswesens, so das libanesische Gesundheitsministerium. Vor zwei Tagen lag die Zahl noch bei 2.055.

Bomben als Verhandlungsinstrument

Die gleichzeitige Führung von Gesprächen und Angriffen ist für Israel keine Inkohärenz, sondern Verhandlungsstrategie: Wer beim Waffenstillstand mehr Terrain kontrolliert, handelt aus stärkerer Position. Operation Silver Plough, die systematische Zerstörung aller Gebäude entlang der israelisch-libanesischen Demarkationslinie, hat nach Angaben des libanesischen Mediennetzwerks Katäb über 120 Kilometer Grenzregion umgestaltet. Verteidigungsminister Israel Katz verglich das Vorgehen öffentlich mit den Flächenräumungen in Gaza.

Die UNO rief am Mittwoch zur Evakuierung weiterer Gebiete im Südlibanon auf. Libanons Premierminister Nawaf Salam beharrt auf einem vollständigen israelischen Truppenabzug als Vorbedingung für jede dauerhafte Einigung. Ob eine Einigung ohne Hisbollah erzwungen werden kann, bezweifeln Delegationsvertreter beider Seiten. Für die Zivilbevölkerung in Bint Jbeil, der Grenzstadt mit einst 30.000 Einwohnern, die mittlerweile weitgehend evakuiert ist, ist die Frage des Verhandlungsrahmens derzeit abstrakt.

Deutschland, Frankreich, Großbritannien und die EU hatten Anfang April in einer gemeinsamen Erklärung ein Ende der Angriffe auf Zivilgebiete gefordert. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte öffentlich gewarnt, Israels Vorgehen im Libanon könnte die laufenden Gespräche mit Iran gefährden. Eine Kurskorrektur der israelischen Regierung hat das bislang nicht bewirkt. Das Weiße Haus hat die Angriffe auf Zivilgebiete nicht öffentlich kommentiert.

21. April als nächstes Schlüsseldatum

Am 21. April läuft die Waffenruhe zwischen Iran und den USA ab, die seit dem 13. April in Kraft ist. Scheitert ihre Verlängerung, droht eine Eskalation an mehreren Fronten gleichzeitig, die Libanongespräche weiter unter Druck setzen würde. US-Präsident Donald Trump erklärte am Mittwoch, der Krieg sei nahe seinem Ende, ohne Details zu nennen. Ein Datum für eine zweite israelisch-libanesische Gesprächsrunde ist nicht vereinbart.

Update 16. April, 08:46 Uhr: US-Präsident Donald Trump hat angekündigt, dass die Anführer Israels und des Libanon noch am heutigen Donnerstag miteinander sprechen werden. Damit kommt die Diplomatie eine Stufe höher: Statt Botschaftern sollen nun die Regierungschefs selbst in direkten Kontakt treten. US-Außenminister Marco Rubio moderiert die Vermittlung weiterhin. Ob das Gespräch die Grundlage für eine Waffenruhe schafft oder lediglich die diplomatische Kontaktlinie zwischen Jerusalem und Beirut verdichtet, blieb zunächst unklar.

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