Solar und Wind überholten erstmals Kohle weltweit
Zum ersten Mal seit mehr als einem Jahrhundert erzeugen erneuerbare Energien mehr Strom als Kohlekraftwerke. Das zeigt der Globale Stromreport 2026, den das britische Analysehaus Ember veröffentlicht hat: Wind und Solar kamen 2025 auf 33,8 Prozent der weltweiten Stromerzeugung, während Kohle auf 33,0 Prozent fiel. Die Zahl klingt knapp. Ihre Bedeutung ist es nicht.
Eine Wende nach 100 Jahren
Seit der Industrialisierung war Kohle das Rückgrat der globalen Stromerzeugung. Noch 2015 deckte sie rund 40 Prozent des Weltstroms. Zehn Jahre später haben Solar und Wind diese Vorherrschaft beendet.
Im Jahr 2025 wurden weltweit 647 Gigawatt neue Solarkapazität installiert, elf Prozent mehr als im Vorjahr. Wind legte um 47 Prozent zu: 167 neue Gigawatt kamen hinzu. Zusammen erreichten die beiden Technologien 814 Gigawatt neue Kapazität in einem einzigen Jahr. Zum Vergleich: Die gesamte installierte Stromerzeugungskapazität Deutschlands liegt bei rund 250 Gigawatt. Der Ausbau von Solar und Wind im Jahr 2025 übertrifft das mehr als dreifach.
Die Stromerzeugung aus Solaranlagen stieg um 30 Prozent auf 2.778 Terawattstunden. Das ist der größte absolute Zuwachs, den je eine einzelne Stromerzeugungsquelle in einem einzigen Jahr verzeichnet hat. Die Gesamtkapazität von Wind und Solar weltweit überschritt erstmals die Vier-Terawatt-Marke: 4.174 Gigawatt sind installiert.
Fossile Erzeugung sinkt trotz wachsender Nachfrage
Die strukturell wichtigste Zahl des Berichts betrifft nicht das Wachstum der Erneuerbaren, sondern den Rückgang der Fossilen. Der weltweite Stromverbrauch stieg 2025 um 2,8 Prozent. Fossile Kraftwerke produzierten dennoch 0,2 Prozent weniger Strom als im Vorjahr. Wind und Solar deckten 99 Prozent des gesamten globalen Nachfragewachstums ab.
Das ist strukturell anders als frühere Rückgänge fossiler Energieproduktion. 2009 sank sie wegen einbrechender Wirtschaftsnachfrage in der Finanzkrise. 2025 sank sie, obwohl die Nachfrage wuchs. Laut Ember-Bericht ist es das erste Mal überhaupt, dass fossile Stromerzeugung in einem Wachstumsjahr strukturell zurückgeht und nicht wegen eines Konjunktureinbruchs.
China führt, Indien überrascht
China dominierte den Ausbau. Mit 378 Gigawatt neu installierter Solarkapazität entfielen 58 Prozent des weltweiten Solarzubaus auf das Land. Beim Wind kamen 119 der 167 neuen Gigawatt aus China, also 72 Prozent des weltweiten Windzubaus. Solar und Wind machen inzwischen 22 Prozent von Chinas Stromerzeugungsmix aus und liegen damit über dem OECD-Durchschnitt von 20 Prozent.
Eine Überraschung lieferte Indien: Das Land installierte 2025 zum ersten Mal mehr neue Solarkapazität als die USA und rückte auf Platz zwei der weltweiten Solarstatistik vor.
Batteriespeicher entwickelten sich zum wachsenden Stützelement des Systems. Ihre globale Kapazität stieg um 46 Prozent auf 250 Gigawattstunden, während die Kosten für Batteriespeicher gleichzeitig um 45 Prozent sanken. Das ermöglichte es, 14 Prozent der neuen Solarstromproduktion aus der Mittagsspitze in andere Tagesstunden zu verschieben und damit Netzüberlastungen zu verringern.
Was die Zahlen für Haushalte bedeuten
Für Haushalte in Ländern mit wachsendem Anteil erneuerbarer Energien sinkt langfristig die Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen. Das reduziert ein zentrales Preisrisiko bei Stromkosten, das Europa seit dem russischen Gaslieferstopp 2022 deutlich gespürt hat. Ob niedrigere Erzeugungskosten tatsächlich bei den Verbrauchern ankommen, hängt allerdings von nationalen Regulierungen und Netztarifen ab.
Kohle bleibt absolut bedeutend: 33 Prozent Weltanteil sind keine Marginalie. Aber ihr relativer Anteil schrumpft, während die Nachfrage wächst. Das unterscheidet 2025 von allen Jahren davor.
Nächste Marke: 40 Prozent
Beim aktuellen Zubautempo könnten Erneuerbare bis 2027 die 40-Prozent-Marke bei der globalen Stromerzeugung überschreiten. Die entscheidende Frage ist, ob der Speicherausbau mit der Erzeugungskapazität Schritt hält. Ohne flexible Speicher können Netze in manchen Regionen die Solarproduktion zur Mittagszeit nicht aufnehmen, was die weitere Ausbauredynamik begrenzen würde. Die Internationale Energieagentur veröffentlicht im Herbst 2026 ihren nächsten World Energy Outlook mit aktualisierten Projektionen.