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International
Drei US-Träger: Iran droht mit neuen Angriffen

Drei US-Träger: Iran droht mit neuen Angriffen

Erstmals seit 2003 operieren drei US-Flugzeugträger gleichzeitig im Nahen Osten. Irans Parlamentspräsident Ghalibaf droht mit neuen Angriffskapazitäten, während die Verhandlungen in Islamabad feststecken.

24. April 2026, 18:37 Uhr 918 Wörter · 5 Min. Lesezeit

Erstmals seit dem Irakkrieg 2003 stehen drei amerikanische Flugzeugträger gleichzeitig vor dem Persischen Golf. USS Gerald R. Ford, USS Abraham Lincoln und USS George H.W. Bush bilden drei separate Trägerkampfgruppen mit zusammen mehr als 150 Kampfjets. Irans Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf hat derweil erklärt, Teheran habe in den vergangenen zwei Wochen „neue Trümpfe auf dem Schlachtfeld“ vorbereitet. Die Waffenruhe gilt formal. Beide Seiten rüsten parallel zu den feststeckenden Verhandlungen in Islamabad weiter auf.

Drei Träger, ein Signal

Die USS George H.W. Bush traf am 23. April in Gewässern nahe dem Persischen Golf ein und musste dafür einen Umweg von rund 10.000 Kilometern um das Kap der Guten Hoffnung nehmen, weil die Route durch das Rote Meer wegen Huthi-Angriffen als zu gefährlich gilt. Damit sind drei Träger gleichzeitig in der Region versammelt, was zuletzt 2003 kurz vor Beginn der US-Invasion im Irak der Fall war.

Die militärische Botschaft ist eindeutig. Zusammen können die drei Kampfverbände mehrere Dutzend Angriffsmissionen täglich fliegen. Das US-Verteidigungsministerium äußerte sich nicht zu den operativen Absichten. Aber die bloße Präsenz ist eine Drohkulisse, die Teheran nicht übersehen kann.

Die Drohung von Ghalibaf und der vierte Tanker

Ghalibaf hatte bereits am 20. April erklärt: „Wir akzeptieren keine Verhandlungen unter dem Schatten von Drohungen und in den vergangenen zwei Wochen haben wir uns darauf vorbereitet, neue Trümpfe auf dem Schlachtfeld einzusetzen.“ Er nannte keine Einzelheiten. Militäranalysten spekulieren über neue ballistische Raketen, Marschflugkörper, Drohnenschwärme oder Seezielwaffen, die speziell für den Einsatz gegen Flugzeugträgerkampfgruppen ausgelegt sind. Wie konkret die Drohung ist, lässt sich von außen nicht beurteilen.

Parallel beschlagnahmten US-Streitkräfte am 23. April den Tanker Majestic X im Indischen Ozean, zwischen Sri Lanka und Indonesien. Das Schiff stand bereits seit 2024 auf US-Sanktionslisten wegen des Transports iranischen Rohöls. Es ist die vierte iranische Öllieferung, die USA seit Kriegsbeginn konfisziert haben. Das Pentagon erklärte, es werde „die globale Durchsetzung von Sanktionen fortsetzen, um illegale Netzwerke zu stören“. Teheran bezeichnete die Aktion als weiteren Beweis für amerikanische Verletzungen der Waffenruhe.

Verhandlungen ohne Ergebnis

Irans Außenminister Abbas Araghtschi ist seit Freitagabend in Islamabad. Ein bestätigtes direktes Gespräch mit der US-Delegation gab es nach Informationsstand vom 24. April nicht. Pakistan vermittelt weiter: Islamabad plant nach eigenen Angaben eine Reise nach Teheran, um die Vorbedingungen für eine neue Verhandlungsrunde auszuloten.

Der Streitpunkt ist unverändert. Iran besteht darauf, dass die USA die Seeblockade iranischer Häfen aufheben, bevor Gespräche weitergehen können. Washington lehnt das ab und fordert zuerst die vollständige Öffnung der Straße von Hormus. Beide Positionen sind öffentlich bezogen, ein Rückzug ohne Gesichtsverlust ist schwer. Pakistan ist der einzige Kanal, über den derzeit überhaupt kommuniziert wird.

Trump hatte am 21. April erklärt, die Waffenruhe gelte auf unbestimmte Zeit, bis Iran einen „einheitlichen Vorschlag“ vorlege. Was das konkret bedeutet und wer diesen Vorschlag erarbeiten soll, blieb offen. Zuletzt äußerte Trump, er stehe „unter keinem Zeitdruck“, deutete aber an, einen Angriff auf Iran für unvermeidlich zu halten, falls die Gespräche endgültig scheitern.

Wirtschaftliche Folgen greifen weiter um sich

Schwedens Finanzministerin Elisabeth Svantesson bezeichnete die Lage als „die schlimmste Energiekrise seit sehr langer Zeit“. Die schwedische Regierung erklärte am 23. April, sie bereite sich auf mögliche Kraftstoffrationierungen vor, falls der Konflikt anhält. Brent-Rohöl notierte zuletzt bei rund 96 Dollar pro Barrel, etwa 35 Prozent über dem Niveau vor Kriegsbeginn. Die EU hat nach Angaben der EU-Kommission seit Kriegsbeginn 24 Milliarden Euro mehr für Energieimporte ausgegeben, rund 500 Millionen Euro täglich.

Rund 20 Prozent des weltweiten Ölhandels fließen normalerweise durch die Straße von Hormus. Solange die Blockade anhält, nehmen Tanker die Route um das Kap der Guten Hoffnung, was die Transportkosten erhöht und Lieferzeiten verlängert. Für die deutsche Wirtschaft, die 83 Prozent der von der DIHK befragten Betriebe als negativ betroffen einstufen, bleiben die Aussichten düster.

Was als Nächstes entscheidet

Pakistan ist jetzt der entscheidende Faktor. Schafft Islamabad in den nächsten Tagen eine Brücke zwischen Araghtschi und den US-Unterhändlern, könnte eine dritte Verhandlungsrunde zustande kommen. Gelingt das nicht, dürfte die Waffenruhe unter wachsendem Druck der Eskalationsrhetorik auf beiden Seiten erodieren, auch wenn sie formal weiter gilt.

Der Dreifach-Trägerverband und die Drohung von Ghalibaf beschreiben dieselbe Logik: Beide Seiten verhandeln, solange sie einen Vorteil darin sehen. Sobald einer der Akteure glaubt, seine Position durch militärische Mittel besser durchsetzen zu können, endet die Diplomatie. Wie nah dieser Punkt ist, weiß derzeit niemand.

Update 24. April, 23:05 Uhr: Das Weiße Haus hat am Freitagabend bestätigt, dass Sondergesandter Steve Witkoff und Jared Kushner am Samstag nach Pakistan fliegen, um dort direkt mit Außenminister Araghtschi zu sprechen. Iran hatte selbst um ein persönliches Gespräch gebeten. Sprecherin Karoline Leavitt erklärte, man habe "einige Fortschritte" von der iranischen Seite gesehen. Vizepräsident Vance bleibt in Washington, steht aber auf Abruf bereit, falls die Gespräche substanzielle Fortschritte zeigen. Zeitgleich verlängerte Trump die Ausnahmeregelung zum Jones Act um 90 Tage, die ausländischen Schiffen erlaubt, Öl und Gas innerhalb amerikanischer Gewässer zu transportieren und damit den inländischen Versorgungsdruck zu mindern.

Update 25. April, 03:00 Uhr: Das Weiße Haus hatte Witkoff und Kushner für Samstag angekündigt, doch Irans Außenministeriumssprecher Esmaeil Baghaei erklärte noch am selben Abend, kein Treffen sei geplant. Araghtschi befinde sich in Islamabad im Rahmen einer Tour durch Islamabad, Maskat und Moskau; Ein direktes Gespräch mit den US-Unterhändlern fand nach iranischen Angaben nicht statt. Aus Berlin kam eine konkrete militärische Vorbereitung: Verteidigungsminister Boris Pistorius kündigte an, vorsorglich einen Minensucher und ein Versorgungsschiff ins Mittelmeer zu verlegen. Pistorius begründete den Schritt damit, nach einem möglichen Bundestagsmandat keine Zeit zu verlieren. Ein Mandat liegt nicht vor; SPD und AfD haben sich gegen einen deutschen Einsatz an der Straße von Hormus ausgesprochen.

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