DAX
S&P 500
NASDAQ
Dow Jones
MSCI World
Gold
Silber
Brent
BTC
Apple
Microsoft
NVIDIA
Amazon
Alphabet
Meta
Berkshire
Broadcom
Tesla
TSMC
← Zurück zur Übersicht
Good News
Wie ein Genschalter Sichelzellkrankheit heilbar machte

Wie ein Genschalter Sichelzellkrankheit heilbar machte

Stuart Orkin und Swee Lay Thein werden mit dem Breakthrough Prize ausgezeichnet für die Entdeckung eines Genschalters, der Sichelzellkrankheit heilbar machte. Ihre Forschung führte direkt zu Casgevy, der ersten je zugelassenen CRISPR-Gentherapie, die bei 97 Prozent der Patienten wirkt.

24. April 2026, 16:40 Uhr 569 Wörter · 3 Min. Lesezeit

97 Prozent der Patienten mit mindestens zwölf Monaten Nachbeobachtung blieben nach einer einzigen Behandlung dauerhaft frei von den lebensbedrohlichen Schmerzkrisen, die Sichelzellkrankheit seit Jahrzehnten unheilbar machten. Möglich wurde das durch die Entdeckung eines Genschalters, dessen Erforschung jetzt mit dem Breakthrough Prize ausgezeichnet wurde: drei Millionen Dollar für Stuart Orkin von der Harvard Medical School und Swee Lay Thein vom US-amerikanischen National Institutes of Health.

Was Sichelzellkrankheit bedeutet

Sichelzellkrankheit ist eine Erbkrankheit, bei der rote Blutkörperchen eine sichelförmige Gestalt annehmen, durch enge Blutgefäße schwer hindurchkommen und Verstopfungen verursachen. Die Folgen sind wiederkehrende Schmerzkrisen, Organschäden, Schlaganfälle und eine deutlich verkürzte Lebenserwartung. Weltweit leben 7,74 Millionen Menschen mit der Erkrankung, jährlich kommen 515.000 Neugeborene mit Sichelzellkrankheit zur Welt, 80 Prozent davon in Subsahara-Afrika. Hinzu kommt Beta-Thalassämie, eine verwandte Blutkrankheit mit 1,31 Millionen schweren Fällen weltweit.

Jahrzehntelang gab es keine Heilung. Bluttransfusionen, Schmerzmittel und das Medikament Hydroxyurea halfen symptomatisch, änderten aber nichts am Grundproblem: dem kranken Hämoglobin in den Blutzellen.

Der Genschalter namens BCL11A

Orkin und Thein entdeckten 2007 unabhängig voneinander denselben Zusammenhang: Das Gen BCL11A fungiert als Hauptschalter, der nach der Geburt die Produktion von fetalem Hämoglobin abschaltet. Fetales Hämoglobin ist die gesunde Version des Proteins, die jeder Mensch als Fötus produziert. Bei Sichelzellpatienten würde es die defekten Blutkörperchen kompensieren, wenn der Körper es weiter produzieren würde. BCL11A verhindert das.

Die Erkenntnis war grundlegend: Wenn BCL11A blockiert wird, produziert der Körper wieder fetales Hämoglobin und die Sichelzellen verlieren ihre gefährliche Form. In Mausmodellen kurierte das Abschalten von BCL11A die Sichelzellkrankheit vollständig. Orkin und Thein hatten damit nicht nur einen Mechanismus verstanden, sondern direkt ein therapeutisches Angriffsziel identifiziert.

Casgevy: Die erste CRISPR-Therapie der Welt

Am 8. Dezember 2023 genehmigte die US-Arzneimittelbehörde FDA Casgevy, entwickelt von Vertex Pharmaceuticals und CRISPR Therapeutics. Es ist das erste CRISPR/Cas9-basierte Medikament, das jemals für eine genetische Krankheit zugelassen wurde, sowohl für Sichelzellkrankheit als auch für transfusionsabhängige Beta-Thalassämie.

Das Verfahren: Stammzellen werden aus dem Knochenmark des Patienten entnommen und im Labor so verändert, dass BCL11A in den Blutvorläuferzellen dauerhaft unterdrückt wird. Anschließend werden die modifizierten Zellen zurückinfundiert. Eine einmalige Behandlung soll lebenslang wirken.

In klinischen Studien wurden 44 Patienten behandelt. Von den 30 Patienten mit mindestens zwölf Monaten Nachbeobachtung blieben 29 vollständig frei von schweren Schmerzkrisen, das entspricht 96,7 Prozent. Bei Beta-Thalassämie erreichten 91 Prozent der Patienten vollständige Unabhängigkeit von Bluttransfusionen.

Sechzehn Jahre von der Entdeckung zur Therapie

Zwischen der BCL11A-Entdeckung 2007 und der FDA-Zulassung von Casgevy 2023 lagen 16 Jahre Forschung. Für medizinische Maßstäbe ist das vergleichsweise schnell: Viele Grundlagenentdeckungen warten deutlich länger auf ihre klinische Umsetzung oder erreichen die Praxis nie.

Der Breakthrough Prize wird von Technologieunternehmern wie Yuri Milner und Mark Zuckerberg finanziert und gilt als einer der höchstdotierten Wissenschaftspreise weltweit. Die Auszeichnung für Orkin und Thein im April 2026 unterstreicht, was selten so direkt zu belegen ist: Grundlagenforschung ohne unmittelbaren Anwendungsbezug kann Jahrzehnte später Millionen Leben verändern.

Das zentrale Problem: der Preis

Casgevy kostet in den USA 2,2 Millionen Dollar pro Behandlung. Für die Mehrheit der Betroffenen, die in Subsahara-Afrika leben, ist das unerreichbar. Vertex und internationale Gesundheitsorganisationen verhandeln über Zugangsprogramme für einkommensschwache Länder, konkrete Ergebnisse stehen noch aus.

Parallel arbeitet Orkins Team an kleinmolekularen Wirkstoffen, die BCL11A oral oder per Injektion blockieren könnten, deutlich günstiger als die aufwendige Zelltherapie. Erste Substanzen erwartet das Team in den nächsten drei bis fünf Jahren in klinischen Tests. Ob Casgevy als Blaupause für weitere CRISPR-Therapien gilt, hängt auch davon ab, ob die Technologie für ärmere Gesundheitssysteme zugänglich wird.

Weitere Artikel

International

Islamabad ohne Einigung: Irans Öleinnahmen steigen

Die dritte Verhandlungsrunde in Islamabad endete ohne direkten Kontakt zwischen Iran und den USA. Ein Blick auf die Öldaten zeigt das eigentliche Paradox: Die Hormusblockade trifft Irans Verbündete im Persischen Golf weit härter als Iran selbst, dessen Öleinnahmen seit Kriegsbeginn um 40 Prozent gestiegen sind.

10 Quellen 5 Min. Lesezeit
Wirtschaft Aktualisiert

Ryanair verlässt Berlin: Deutsche Luftfahrt zu teuer

Ryanair schließt zum 24. Oktober 2026 seine Berliner Basis und zieht sieben Flugzeuge ab. Die Passagierzahlen am BER halbieren sich. Der Grund: Deutschland ist für Billigflieger teurer als jedes andere EU-Land.

10 Quellen 4 Min. Lesezeit
International Aktualisiert

Drei US-Träger: Iran droht mit neuen Angriffen

Erstmals seit 2003 operieren drei US-Flugzeugträger gleichzeitig im Nahen Osten. Irans Parlamentspräsident Ghalibaf droht mit neuen Angriffskapazitäten, während die Verhandlungen in Islamabad feststecken.

13 Quellen 5 Min. Lesezeit
Good News

Blutstammzelltransplantation: Leipziger Forscher lösen Nebenwirkungsproblem

Bis zu 50 Prozent der Patienten nach einer Blutstammzelltransplantation entwickeln eine gefährliche Immunreaktion. Forscher am Fraunhofer IZI Leipzig haben einen Ansatz identifiziert, der diese Reaktion verhindert, ohne das Immunsystem zu schwächen.

6 Quellen 3 Min. Lesezeit
International Aktualisiert

Nigeria: Luftwaffe bombardiert Grenzmarkt, 56 bis 200 Tote, Regierung besteht auf Terrorziel

Am 11. April bombardierte die nigerianische Luftwaffe einen Markt im Grenzgebiet zwischen Borno und Yobe State. Die Opferzahlen reichen von 56 (UN) bis zu 200 (lokale Quellen). Nigerias Regierung besteht darauf, ein Terrorlogistikzentrum getroffen zu haben. Zeugenaussagen und Menschenrechtsorganisationen zeichnen ein anderes Bild. Es ist nicht das erste Mal.

7 Quellen 4 Min. Lesezeit
Unterstütze uns!