Islamabad ohne Einigung: Irans Öleinnahmen steigen
Die dritte Verhandlungsrunde in Islamabad ist am Samstag ohne direkten Kontakt zwischen Iran und den USA zu Ende gegangen. Außenminister Abbas Araghtschi erklärte auf X, er koordiniere lediglich mit "pakistanischen Partnern". US-Sondergesandte Steve Witkoff und Jared Kushner reisten dennoch nach Pakistan. Die revolutionsgardenahe Nachrichtenagentur Tasnim dementierte jede Verhandlung. Indes zeigen aktuelle Öldaten: Die Hormusblockade trifft Irans Verbündete im Persischen Golf weit härter als Iran selbst.
Was in Islamabad geschah
Das Weiße Haus hatte am Freitagabend noch angekündigt, Witkoff und Kushner würden am Samstag direkt mit Araghtschi sprechen. Iran hatte laut Weißem Haus selbst um ein persönliches Treffen gebeten. Doch Araghtschi bezeichnete seinen Aufenthalt in Islamabad als Teil einer Reiseroute nach Islamabad, Maskat und Moskau. Ein bestätigtes direktes Gespräch mit der US-Delegation kam nicht zustande. Pakistan fungiert weiterhin als einziger Kommunikationskanal: Islamabad hat angekündigt, in den nächsten Tagen nach Teheran zu reisen, um die Vorbedingungen für eine weitere Verhandlungsrunde auszuloten.
Der Hintergrund für das Scheitern liegt einen Tag früher. Am 24. April verhängte das US-Finanzministerium (OFAC) Sanktionen gegen die chinesische Raffinerie Hengli Petrochemical (Dalian) mit einer Verarbeitungskapazität von 400.000 Barrel täglich sowie gegen rund 40 Schiffe und Firmen der iranischen Schattenflotte. Hengli ist einer der größten Abnehmer iranischen Rohöls in China und hat dem US-Finanzministerium zufolge seit 2023 iranisches Öl im Wert von mehreren Milliarden Dollar verarbeitet. Die Sanktionen trafen unmittelbar vor den Gesprächen in Islamabad ein. Aus Teheran kam keine explizite Stellungnahme, aber Iran verknüpft seine Verhandlungsbereitschaft regelmäßig mit dem Verhalten der USA außerhalb des Verhandlungsraums.
Das Paradox der Blockade
Auf den ersten Blick entfaltet die Hormusblockade ihre Wirkung: Durch die Meerenge passieren derzeit täglich weniger als zehn Schiffe, gegenüber etwa 140 vor Kriegsbeginn. Die Internationale Seeschifffahrtsorganisation (IMO) meldete zuletzt rund 2.000 Schiffe mit 20.000 Besatzungsmitgliedern, die im Persischen Golf feststecken. Das ist der schwerste Einbruch im globalen Seehandel seit der Suezkanal-Krise 1956.
Doch die Öldaten erzählen eine andere Geschichte. Iran hat im März 2026 täglich 1,84 Millionen Barrel Rohöl exportiert und im April bislang 1,71 Millionen Barrel. Das liegt kaum unter dem Jahresdurchschnitt 2025 von 1,68 Millionen Barrel. Gleichzeitig haben die gestiegenen Ölpreise Irans Einnahmen erhöht: Iran verdient laut einer Analyse des Nachrichtendienstes UANI rund 40 Prozent mehr aus Ölexporten als vor dem Krieg. Die Blockade kostet Iran Absatzwege, aber nicht Öleinnahmen.
Der Grund liegt in der Umgehungsinfrastruktur. Seit Kriegsbeginn sind mindestens 49 Tanker der iranischen Schattenflotte mit vollem Laderaum aus dem Persischen Golf ausgelaufen und steuern via Malaysia chinesische Häfen an, wo die Ladungen auf andere Schiffe umgeladen werden. Iran hat nach Einschätzung von Schifffahrtsanalysten zusätzlich rund 127 Millionen Barrel in schwimmenden Tanks gebunkert, genug für mehr als zwei Monate Lieferpuffer. Die US-Marine kann Häfen blockieren und Einzelschiffe auf Sanktionslisten aufbringen, aber sie kann die Routen der Schattenflotte nicht vollständig kontrollieren.
Wer den Preis wirklich zahlt
Die Golfstaaten sind die Hauptverlierer. Kuwait hat seine Ölproduktion seit Kriegsbeginn um 53 Prozent reduziert, die Vereinigten Arabischen Emirate um 44 Prozent. Irak verzeichnet den stärksten Einbruch: Die Förderung sank von 4,2 Millionen auf 1,6 Millionen Barrel täglich, ein Minus von 61 Prozent. Saudi-Arabien, dessen Infrastruktur in der Ostprovinz durch iranische Angriffe beschädigt wurde und dessen East-West-Pipeline um 700.000 Barrel täglich gedrosselt ist, exportiert 23 Prozent weniger als vor dem Krieg. Zusammen fehlen Kuwait, Irak, Saudi-Arabien und den Emiraten täglich rund zehn Millionen Barrel auf dem Weltmarkt.
Diese Verluste sind, anders als bei Iran, dauerhafter Natur: Die Produktionsanlagen dieser Länder sind beschädigt oder wegen fehlender Exportwege gedrosselt. Schweden hat am 23. April angekündigt, sich auf mögliche Kraftstoffrationierungen vorzubereiten. Die EU hat nach Angaben der EU-Kommission seit Kriegsbeginn 24 Milliarden Euro mehr für Energieimporte ausgegeben, rund 500 Millionen Euro täglich. Rohöl der Sorte Brent notierte zwischenzeitlich bei 126 Dollar pro Barrel; Rohöl der Sorte Dubai erreichte sogar 166 Dollar.
Die US-Sanktionen gegen Hengli Petrochemical markieren den Versuch, diese Lücke zu schließen. Wenn China gezwungen ist, weniger iranisches Öl zu kaufen, wäre der Absatzdruck auf Iran real. Hengli verarbeitet 400.000 Barrel täglich, das entspricht gut einem Fünftel der iranischen Exporte. Doch ob Peking die Sanktionen befolgt oder die eigene Energieversorgung über US-Warnungen stellt, ist offen. China hat bisher kein Sanktionsregime gegen Iran mitgetragen.
Was als Nächstes kommt
Pakistan ist der einzige verbleibende Verhandlungskanal. Islamabad hat angekündigt, in den nächsten Tagen nach Teheran zu reisen, um die Vorbedingungen für eine neue Gesprächsrunde zu erkunden. Irans Kernforderung ist unverändert: Ende der US-Seeblockade iranischer Häfen vor jedem weiteren Gespräch. Washingtons Kernforderung ist ebenfalls unverändert: vollständige Öffnung der Straße von Hormus vor jedem Entgegenkommen. Beide Positionen sind öffentlich bezogen; ein Rückzug ohne Gesichtsverlust ist für keine Seite einfach.
Die Waffenruhe, die Trump am 21. April auf Bitten Pakistans verlängert hat, gilt formal weiter. Drei US-Flugzeugträger im Persischen Golf, Irans Ankündigung neuer "Trümpfe auf dem Schlachtfeld" durch Parlamentspräsident Ghalibaf und täglich 500 Millionen Euro Extrakosten für europäische Energieverbraucher erzeugen Druck, den keine formale Waffenruhe dauerhaft abfedert. Wann Pakistan einen weiteren Gesprächstermin ansetzen kann, ist derzeit offen.