Neue Ansätze gegen Melanom: Zelltherapien zeigen Wirkung
Das Melanom, der schwarze Hautkrebs, galt bei fortgeschrittener Metastasierung lange als kaum behandelbar. Immuntherapien haben seit 2011 die Überlebensprognosen deutlich verbessert, doch bei einem erheblichen Teil der Patienten wirken sie nicht. Neue Zelltherapieansätze sollen diese Lücke schließen. In den USA ist die erste davon bereits zugelassen, in Europa und Deutschland läuft die Forschung auf mehreren Wegen gleichzeitig weiter.
TIL-Therapie: In den USA bereits im Einsatz
Im Februar 2024 erteilte die US-amerikanische Zulassungsbehörde FDA die Genehmigung für Lifileucel, Handelsname Amtagvi, als erste Therapie mit tumorinfiltrierenden Lymphozyten für fortgeschrittenes Melanom. Das Prinzip: Ärzte entnehmen direkt aus dem Tumor des Patienten körpereigene T-Lymphozyten, die dort bereits damit begonnen haben, den Krebs zu bekämpfen. Diese Zellen werden im Labor über mehrere Wochen stark vermehrt und dem Patienten dann in großer Zahl zurückgegeben.
Die Gesamtansprechrate in der Zulassungsstudie lag bei 31,5 Prozent. Für Patienten, bei denen alle anderen Therapielinien versagt haben, ist das eine Option, die zuvor nicht existierte. Die Therapie ist aufwendig und teuer, weil sie individuell für jeden Patienten hergestellt werden muss. Sie etabliert sich in spezialisierten Krebszentren in den USA. In Deutschland läuft die Prüfung durch die Europäische Arzneimittelbehörde EMA.
Eine Entdeckung vom April 2026
Eine Anfang April 2026 veröffentlichte Arbeit beschreibt einen Befund, der die Wirksamkeit von Zelltherapien bei soliden Tumoren wie dem Melanom grundlegend verbessern könnte. Krebszellen besitzen ein eigenes zelluläres Alarmsystem, das ursprünglich andere Immunzellen warnen soll. Dieses System lässt sich nutzen, um CAR-T-Zellen, also gentechnisch veränderte Immunzellen, gezielter in den Tumor zu lotsen. In frühen Laborversuchen verbesserte sich die Wirksamkeit der CAR-T-Therapie durch diesen Ansatz deutlich.
Das ist relevant, weil CAR-T-Therapien bei Blutkrebs inzwischen als Standardtherapie gelten, bei soliden Tumoren aber bislang kaum gewirkt haben. Dichtes Tumorgewebe und das feindliche Immunmilieu verhinderten den wirksamen Einzug der CAR-T-Zellen. Der neue Ansatz könnte dieses Hindernis überwinden. Die Forschung befindet sich noch in der präklinischen Phase.
TCR-T-Zellen als Alternative
Parallel entwickelt sich die TCR-T-Zelltherapie. Im Unterschied zu CAR-T-Zellen nutzen TCR-T-Zellen den natürlichen T-Zell-Rezeptor, um Krebszellen zu erkennen. Das erlaubt es ihnen, auch Proteine im Zellinneren zu erkennen und nicht nur Oberflächenmarker. Frühe klinische Studien mit dem Kandidaten IMA203 zeigten bei einem Teil der behandelten Melanompatienten mit Metastasen Tumorrückgänge. Größere klinische Studien zur Wirksamkeit und Sicherheit laufen.
Neun Jahre Immuntherapie-Daten
Beim Kongress der Europäischen Gesellschaft für Medizinische Onkologie ESMO im Herbst 2025 in Berlin präsentierten Forscher Langzeitdaten der CheckMate-238-Studie. Nach neun Jahren zeigten Patienten, die nach operativer Entfernung eines Melanoms mit dem Checkpoint-Inhibitor Nivolumab behandelt worden waren, weiterhin bessere Überlebenswerte als die Vergleichsgruppe. Für die Praxis bestätigt das, dass der Nutzen der Immuntherapie auch langfristig bestehen bleibt.
Was Patienten jetzt wissen sollten
Für Patienten in Deutschland mit fortgeschrittenem Melanom, die mehrere Therapielinien hinter sich haben, sind neue Zelltherapien aktuell noch nicht als Standardbehandlung verfügbar. Der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums empfiehlt Betroffenen, sich in spezialisierten Hauttumorzentren beraten zu lassen, die Zugang zu klinischen Studien haben. Über solche Studien können Patienten in Deutschland bereits an Zelltherapien der nächsten Generation teilnehmen, bevor diese eine reguläre Zulassung erhalten.