CRISPR-Zelltherapie: 91 Prozent Remission bei T-ALL
Patienten mit rezidivierender T-Zell-Akuter Lymphoblastischer Leukämie hatten bisher eine mittlere Überlebensprognose von sechs Monaten nach dem Rückfall. Klinische Tests des neuen Präparats WU-CART-007 zeigen jetzt eine Gesamtansprechrate von 91 Prozent und eine vollständige Remissionsrate von 72,7 Prozent. Das ist das erste CAR-T-Zellpräparat, das speziell für T-Zell-Krebserkrankungen wirkt.
Eine therapeutische Lücke seit Jahrzehnten
CAR-T-Zelltherapien veränderten ab 2017 die Behandlung bestimmter Blutkrebs-Erkrankungen grundlegend. Bei dieser Methode werden Immunzellen eines Patienten entnommen, genetisch so verändert, dass sie Krebszellen erkennen und angreifen und dann zurückinfundiert. Für B-Zell-Lymphome und B-Zell-Leukämien ist das Verfahren heute Standardtherapie bei Rückfällen.
Bei T-Zell-Krebserkrankungen scheiterte derselbe Ansatz bisher. Das biologische Problem: T-Zell-Krebszellen und normale T-Zellen tragen auf ihrer Oberfläche denselben Marker, das Protein CD7. Wenn CAR-T-Zellen diesen Marker als Angriffsziel bekommen, töten sie nicht nur Krebszellen, sondern auch die veränderten Immunzellen selbst. Dieses Phänomen heißt Fratricide. Es machte T-Zell-gerichtete CAR-T-Therapien jahrelang undurchführbar.
T-ALL betrifft besonders häufig Kinder und junge Erwachsene. Bei einem Rückfall nach Chemotherapie oder Stammzelltransplantation gab es keine zugelassene, potenziell heilende Option.
CRISPR löst das Fratricide-Problem
Das Biotechnologieunternehmen Wugen, gegründet aus der Washington University School of Medicine in St. Louis, hat das Problem mit der CRISPR/Cas9-Genschere gelöst. Ihr Präparat WU-CART-007, bekannt unter dem generischen Namen Soficabtagene geleucel, nutzt CRISPR, um in den therapeutischen Immunzellen zwei Gene zu entfernen.
Erstens wird das CD7-Gen deletiert. Damit tragen die CAR-T-Zellen den Marker nicht mehr selbst und werden nicht als Angriffsziel erkannt. Zweitens entfernt CRISPR das TRAC-Gen, das den T-Zell-Rezeptor kodiert. Ohne diesen Rezeptor sinkt das Risiko der Transplantat-gegen-Wirt-Krankheit erheblich, bei der übertragene Immunzellen den Körper des Empfängers angreifen würden.
Das Ergebnis: Die veränderten Immunzellen überleben, finden die Krebszellen durch den CD7-Marker und vernichten sie. In der klinischen Phase-1/2-Studie, die in der Fachzeitschrift Journal of Clinical Oncology veröffentlicht wurde, sprachen 91 Prozent der auswertbaren Patienten auf die Therapie an. 72,7 Prozent erreichten eine vollständige Remission, also den vollständigen Rückgang aller messbaren Krankheitszeichen.
Off-the-Shelf: Therapie ohne Wartezeit
Ein praktischer Vorteil gegenüber klassischen CAR-T-Therapien betrifft die Herstellung. Herkömmliche CAR-T-Präparate werden individuell aus den eigenen Immunzellen des Patienten hergestellt. Das dauert Wochen und kostet oft mehrere hunderttausend Dollar. Patienten mit aggressivem Rückfall haben diese Zeit häufig nicht.
WU-CART-007 ist allogenetisch: Es wird aus Immunzellen gesunder Spender hergestellt und auf Vorrat eingelagert. Das Präparat kann bei Bedarf sofort eingesetzt werden, ähnlich wie eine Blutkonserve. Wugen sicherte sich Anfang 2026 115 Millionen Dollar für die laufende globale Pivotalstudie, die diese Vorteile in einer größeren Patientengruppe bestätigen soll.
FDA-Status und Ausblick
Die US-Zulassungsbehörde FDA erteilte WU-CART-007 im Januar 2026 die Breakthrough-Therapy-Designation. Diese Einstufung bedeutet, dass die FDA das Mittel als potenziell bedeutsam gegenüber bestehenden Therapien einschätzt und intensiv mit dem Hersteller zusammenarbeitet, um die Entwicklung zu beschleunigen. Zusätzlich bestehen eine Fast-Track-Designation, eine Orphan-Drug-Designation und eine Rare-Pediatric-Disease-Designation.
Wugen plant die Einreichung eines Zulassungsantrags, einer Biologics License Application, für 2027. Bei einem günstigen Verlauf der Pivotalstudie könnte die erste US-Zulassung 2028 folgen. Für Europa wäre danach ein separates Verfahren bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur nötig.
Eine wesentliche Einschränkung bleibt bestehen: Alle bisherigen Wirksamkeitsdaten stammen aus einer frühen klinischen Phase ohne randomisierte Kontrollgruppe. Ob die hohe Ansprechrate auch im direkten Vergleich mit anderen Therapien bestätigt wird, wird die laufende Pivotalstudie zeigen müssen. Die mediane Nachbeobachtungszeit in der Phase-1/2-Studie war noch kurz, sodass Langzeit-Remissionsraten noch ausstehen.