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International
Waffenruhe im Libanon um drei Wochen verlängert

Waffenruhe im Libanon um drei Wochen verlängert

Nach einer zweiten Gesprächsrunde im Oval Office verlängert Trump die Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon um drei Wochen bis Mitte Mai. Netanyahu und Aoun sollen persönlich nach Washington kommen. Die Hisbollah lehnt die direkten Gespräche ab.

24. April 2026, 2:53 Uhr 729 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Die zehntägige Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon wird um weitere drei Wochen verlängert. Trump machte die Verlängerung am Donnerstag nach einem zweiten Treffen im Oval Office mit hochrangigen Vertretern beider Länder öffentlich. Netanyahu und Aoun sollen demnächst persönlich in Washington verhandeln. Ein direktes Treffen der Regierungschefs beider Länder wäre das erste seit Jahrzehnten.

Zweite Runde im Weißen Haus

Acht Tage nach den ersten direkten Gesprächen auf Botschafterebene kamen am 23. April erneut hochrangige Vertreter Israels und des Libanons im Weißen Haus zusammen. Trump empfing sie gemeinsam mit Vizepräsident JD Vance, Außenminister Marco Rubio, dem Staatsabteilungsberater Michael Needham sowie den US-Botschaftern Mike Huckabee (Israel) und Michel Issa (Libanon). Libanons Botschafterin Nada Hamadeh Moawad legte zwei Forderungen vor: eine Verlängerung der Waffenruhe und ein Ende der israelischen Abrisse von Wohnhäusern in besetzten Dörfern des Südlibanons.

Die erste Gesprächsrunde am 15. April hatte die Grundlage gelegt: Israelische und libanesische Botschafter saßen damals erstmals seit mehr als 30 Jahren zusammen. Schon bei diesem Treffen lehnten israelische Unterhändler eine Waffenruhe noch ausdrücklich ab. Am darauffolgenden Tag verkündete Trump sie trotzdem. In der zweiten Runde wurde sie verlängert.

Hisbollah lehnt die Gespräche ab

Die Hisbollah hat zur Washingtoner Gesprächsreihe eine eindeutige Position: Sie erkennt sie nicht an. Wafiq Safa, hochrangiges Mitglied des politischen Rats der Miliz, sagte der Nachrichtenagentur AP, die Gruppe werde sich an keine Vereinbarungen halten, die aus diesen direkten Gesprächen hervorgehen. Safa bezeichnete die Gespräche als illegitim.

Parlamentsabgeordneter Hassan Fadlallah signalisierte gleichzeitig, die Hisbollah wolle die Waffenruhe aufrechterhalten, aber nur unter der Bedingung vollständiger israelischer Compliance. Diese gespaltene Kommunikation ist für die Hisbollah typisch: Selbst innerhalb des politischen Apparats senden verschiedene Vertreter widersprüchliche Signale, während der militärische Flügel letztlich unabhängig über das Verhalten auf dem Gefechtsfeld entscheidet.

Die Waffenruhe enthält eine grundlegende Klausel: Israel behält sich das Recht vor, jederzeit aus Selbstverteidigung zu schlagen. Seit Beginn der Feuerpause am 17. April führte Israel mehrfach Luftschläge auf Ziele im Südlibanon durch, die es als Infrastruktur der Hisbollah bezeichnete. Dieselbe Klausel hatte bereits den Waffenstillstand vom November 2024 faktisch ausgehöhlt, aus dem die UN-Beobachtermission UNIFIL mehr als 10.000 Verstöße dokumentierte.

Ungelöste Grundkonflikte

Die Verlängerung schafft mehr Raum für Diplomatie, löst aber die strukturellen Konflikte nicht. Israel besteht auf der Entwaffnung der Hisbollah als Vorbedingung für ein dauerhaftes Abkommen, Netanyahu bezeichnete das öffentlich als Grundbedingung für historischen Frieden. Der Libanon fordert den vollständigen Rückzug israelischer Truppen aus dem Südlibanon sowie ein Ende der Abrisse in besetzten Ortschaften. Beide Positionen sind bisher unvereinbar.

Ein zusätzliches strukturelles Problem: Die Hisbollah operiert im Süden des Libanons weitgehend unabhängig vom libanesischen Staat und hat der Feuerpause nie formell zugestimmt. Selbst wenn die Regierung in Beirut Zusagen macht, kann sie deren Einhaltung durch die Miliz nicht garantieren. Genau diese Lücke zwischen staatlichen Versprechen und militärischer Realität belastet die Gespräche seit Beginn.

Einbettung in die Nahostkrise

Die Libanonwaffenruhe ist nicht isoliert zu sehen. Der Krieg zwischen den USA und Iran, der am 2. März 2026 mit der Schließung der Straße von Hormus begann, hat eine eigene Dynamik entwickelt. Am 21. April verlängerten die USA ihre Waffenruhe mit Iran auf Vermittlung Pakistans, ohne formelle Einigung über ein dauerhaftes Abkommen zu erzielen. Sowohl Trump als auch Netanyahu betonten ausdrücklich, die Libanonwaffenruhe sei davon getrennt und kein Teil des breiteren Verhandlungsrahmens mit Iran.

Für die mehr als eine Million vertriebenen Libanesen ändert die Verlängerung ihre unmittelbare Lage nicht. Netanyahu machte klar, eine Rückkehr der Vertriebenen in den Südlibanon werde erst möglich sein, wenn die Sicherheit des israelischen Nordens dauerhaft gesichert sei. Wie das konkret aussehen soll, also durch Verhandlungen oder dauerhaften militärischen Druck, ließ er offen.

Nächste Schritte bis Mitte Mai

Trump kündigte an, Netanyahu und Aoun in den nächsten Wochen ins Weiße Haus einzuladen, noch innerhalb der verlängerten Waffenruhe. Sollte das Treffen stattfinden, wäre es ein historischer Moment: Israel und der Libanon befinden sich seit 1948 formal im Kriegszustand. Die Gespräche vom 15. April waren das erste bedeutsame direkte Treffen auf Botschafterebene seit mehr als 30 Jahren. Ein Gipfeltreffen der Staatschefs würde diese Dimension noch einmal übertreffen.

Die Verlängerung läuft bis Mitte Mai. In diesem Zeitraum müssten in Verhandlungen Grundsatzfragen geklärt werden, für die der erste zehntägige Rahmen nicht ausgereicht hatte: Rückzug israelischer Truppen, ein Rahmen für die Entwaffnung der Hisbollah und tragfähige Garantien, die libanesische Regierung gegenüber Washington überhaupt abgeben kann. Die Geschichte der Konflikte zwischen Israel und dem Libanon zeigt, dass temporäre Waffenruhen häufig auslaufen, ohne fundamentale Fragen zu lösen.

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