25 Länder impfen jetzt gegen Malaria
Malaria tötet jedes Jahr rund 400.000 Menschen, die meisten davon Kinder unter fünf Jahren in Afrika südlich der Sahara. Seit Jahrzehnten gibt es Bettnetze, Insektizide und Behandlungsmittel, aber nie einen Impfstoff der flächendeckend eingesetzt werden konnte. Das hat sich geändert: Seit dem 28. Januar 2026 bieten 25 afrikanische Länder Malariaimpfstoffe als Teil ihrer regulären Immunisierungsprogramme an. Es ist das erste Mal in der Geschichte, dass eine Impfung gegen einen Parasiten in dieser Größenordnung ausgerollt wird.
Zwei Impfstoffe, ein Ziel
Die WHO hat zwei Malariaimpfstoffe zugelassen: RTS,S, entwickelt von GlaxoSmithKline und R21, entwickelt von der Universität Oxford in Zusammenarbeit mit dem Serum Institute of India. Beide zielen auf Plasmodium falciparum, den Malariärreger der für den größten Teil der Todesfälle verantwortlich ist.
Die Wirksamkeit liegt bei bis zu 72 Prozent saisonal für RTS,S und bis zu 75 Prozent für R21 in Feldtests. Das ist kein Vergleich mit Masernimpfstoffen die über 95 Prozent Schutz bieten, aber bei einer Krankheit die 400.000 Menschen pro Jahr tötet ist auch ein Teilerfolg erheblich. In frühen Pilotdaten aus Kamerun reduzierte die Einführung des RTS,S-Impfstoffs die ambulanten Behandlungen von Kindern unter fünf Jahren um 17 Prozent. In 60 Prozent der impfenden Bezirke wurden weniger Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren verzeichnet. GSK hat den Preis für RTS,S auf unter fünf US-Dollar pro Dosis gesenkt.
Wie schnell der Ausbau vorangeht
Vierzehn Länder führten die Impfstoffe 2024 ein, darunter Kamerun, Burkina Faso, Nigeria und die Demokratische Republik Kongo. Sieben weitere folgten 2025, ein weiteres (Guinea-Bissau) im Januar 2026. Damit gehören inzwischen Länder zur Gruppe, die zusammen über 70 Prozent der weltweiten Malarialast tragen. Derzeit werden mehr als zehn Millionen Kinder pro Jahr durch die Impfprogramme erreicht.
Die Finanzierung läuft hauptsächlich über Gavi, die internationale Impfstoffallianz. Gavi hat die Einführung in 25 Ländern unterstützt und plant, zwischen 2026 und 2030 insgesamt 50 Millionen Kinder gegen Malaria zu impfen. Nach WHO-Schätzungen rettet der Impfstoff ein Leben pro 200 geimpfte Kinder. Bei 50 Millionen Kindern wären das mehr als 170.000 gerettete Leben.
Der Unterschied zu allen bisherigen Impfstoffen
Was diesen Durchbruch wissenschaftlich besonders macht, ist der Typ des Erregers. Alle bisherigen Routineimpfstoffe für Menschen richten sich gegen Viren oder Bakterien. Malaria wird von einem Parasiten verursacht, Plasmodium falciparum, der einen komplexen Lebenszyklus durchläuft und das Immunsystem aktiv manipuliert. Einen Parasiten mit einem Impfstoff anzugreifen gilt als eines der schwierigsten Probleme der Infektionsimmunologie. Der erste RTS,S-Prototyp wurde 1987 entwickelt; der Weg zur WHO-Zulassung 2021 dauerte 34 Jahre.
Bisherige Malariainterventionen haben die Sterblichkeit bereits erheblich gesenkt: Bettnetze mit Insektiziden, schnelle Diagnosetests und Kombinationstherapien reduzierten die Todesfälle seit 2000 um mehr als die Hälfte. Die WHO schätzt, dass der kombinierte Einsatz von Impfstoffen, Bettnetzen und Behandlung theoretisch eine Reduktion von über 90 Prozent ermöglichen könnte.
Finanzierungslücken bleiben ein Risiko
Der Rollout läuft nicht ohne Probleme. Mehrere Berichte aus 2025 und 2026 dokumentierten Versorgungsengpässe und Unsicherheiten bei der Finanzierung, teils durch Kürzungen westlicher Geberländer bei Gesundheitshilfe. Die Produktion von RTS,S und R21 soll bis 2027 auf über 30 Millionen Dosen pro Jahr skaliert werden, liegt aber noch darunter. Die 25 Länder decken den Bedarf ihrer Immunisierungsprogramme bislang noch nicht vollständig.
Am 28. April 2026 veröffentlicht die WHO ihren jährlichen Malariaweltbericht, der die ersten umfassenden Daten zur Impfwirkung auf Bevölkerungsebene enthalten wird. Die Frage ist nicht mehr, ob der Impfstoff wirkt, sondern wie schnell die Versorgung mit steigender Nachfrage mithalten kann.