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Rekordzubau 2025: 692 Gigawatt Erneuerbare weltweit

Rekordzubau 2025: 692 Gigawatt Erneuerbare weltweit

Die Welt baute 2025 so viel erneuerbare Energie zu wie nie zuvor: 692 Gigawatt in einem Jahr. Erstmals stammen 85,6 Prozent aller weltweit neu installierten Kraftwerkskapazitäten aus Wind, Sonne und Wasser.

21. April 2026, 8:32 Uhr 624 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Die Welt hat 2025 so viele erneuerbare Energien zugebaut wie nie zuvor. 692 Gigawatt neue Kapazität in einem Jahr, das sind 15,5 Prozent mehr als 2024. Das eigentlich historische Datum aber lautet: 85,6 Prozent. Erstmals in der Geschichte der Stromerzeugung stammen mehr als acht von zehn neu gebauten Megawatt Kraftwerkskapazität weltweit aus Wind, Sonne und Wasser. Der Neubau fossiler Kraftwerke ist auf eine Nebenrolle zurückgefallen.

Was hinter den Gigawattzahlen steckt

Die Internationale Agentur für Erneuerbare Energien (IRENA) veröffentlichte Anfang April 2026 ihre Jahresbilanz. Die weltweite Gesamtkapazität erneuerbarer Energien erreichte 5.149 Gigawatt. Ein Gigawatt entspricht ungefähr der Leistung eines großen Kernkraftwerks. Noch 2015 lag die weltweite erneuerbare Kapazität bei rund 1.800 Gigawatt. Seitdem hat sie sich fast verdreifacht.

Die Bilanz der 692 neu installierten Gigawatt zeigt eine deutliche Dominanz der Solarenergie: 511 Gigawatt, also drei Viertel des gesamten Zubaus, entfielen auf Photovoltaik. Windenergie kam auf 159 Gigawatt, Wasserkraft auf 18,4 Gigawatt. Biomasse und Geothermie spielten mit zusammen 3,7 Gigawatt eine untergeordnete Rolle.

Wo der Zubau stattfindet

Der geografische Schwerpunkt liegt in Asien: 513,3 Gigawatt oder 74,2 Prozent des weltweiten Neuzubaus entfielen auf den Kontinent, was einem Wachstum von 21,6 Prozent gegenüber 2024 entspricht. China dominiert das Bild: Allein beim Windstrom kamen dort 119,4 Gigawatt neu hinzu und 96 Prozent aller weltweiten Wasserkraftprojekte befanden sich ebenfalls in China.

Bemerkenswert ist die Dynamik in Regionen, die bisher kaum im Bild auftauchten. Afrika verzeichnete mit 15,9 Prozent die höchste Zuwachsrate aller Kontinente; das entspricht 11,3 Gigawatt neuer Kapazität. Der Mittlere Osten legte um 28,9 Prozent zu. Diese Regionen bauen gerade in einem Moment aus, in dem Solarmodule so günstig sind wie nie zuvor. Ein Solarpark, der heute in Ägypten oder Südafrika ans Netz geht, erzeugt Strom zu Kosten, mit denen ein neues Kohlekraftwerk nicht konkurrieren kann.

Warum der Anteil wichtiger ist als die Absolutzahl

Das auffälligste Ergebnis des IRENA-Berichts ist nicht die Absolutzahl, sondern der Marktanteil. Wenn 85,6 Prozent aller weltweit neu installierten Stromerzeugungskapazitäten erneuerbar sind, bedeutet das: Nur noch 14,4 Prozent der weltweiten Neuinvestitionen in Kraftwerke fließen in fossile Energieträger. Diese Verschiebung hat eine einfache wirtschaftliche Erklärung. In den meisten Märkten ist Solarstrom inzwischen billiger als Strom aus neuen Kohlekraftwerken oder Gaskraftwerken. IRENA beziffert die durchschnittlichen Gestehungskosten für Solarstrom auf Projektbasis 2024 auf 0,044 Dollar pro Kilowattstunde, ein Rückgang um 90 Prozent gegenüber 2010.

Wer heute ein neues Kraftwerk baut und keine Subventionen für Fossiles erhält, baut solar oder windgetrieben. Das ist keine Klimapolitik, sondern Betriebswirtschaft.

Wie weit der Weg zum Klimaziel noch ist

692 Gigawatt sind ein Rekord, aber noch kein ausreichender. IRENA schätzt, dass die Welt bis 2030 jährlich mindestens 1.000 Gigawatt zubauen muss, um die globale Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Die Lücke beträgt derzeit noch rund 308 Gigawatt pro Jahr. Der jährliche Wachstumstrend liegt bei 15 bis 16 Prozent; hält dieses Tempo an, wäre die 1.000-Gigawatt-Marke rechnerisch um 2027 erreichbar.

Kritischer als die Erzeugungskapazität selbst ist die Frage nach Speichern und Netzausbau. Schnell wachsende Solarkapazitäten erzeugen tagsüber Strom im Überfluss, nachts nicht. IRENA weist in seinem Bericht ausdrücklich darauf hin, dass der physische Ausbau von Leitungen und Batteriespeichern 2025 hinter dem Kapazitätszubau zurückgeblieben ist. Ohne ein entschlossenes Aufholen bei der Netzinfrastruktur droht ein Teil des erneuerbaren Potenzials ungenutzt zu bleiben.

Ausblick

Für 2026 zeichnet sich schon jetzt ein weiterer Rekordzubau ab: In China laufen Genehmigungsverfahren für mindestens 200 Gigawatt neue Solarparks, Indien hat 2025 Ausschreibungen für 60 Gigawatt Solarleistung abgeschlossen. Ob der Anstieg auf 1.000 Gigawatt bis 2030 reicht, hängt zu einem erheblichen Teil davon ab, ob der solare Ausbau in Europa, Lateinamerika und Afrika die bisherige Dynamik halten kann. Die IRENA-Zahlen für 2025 zeigen zumindest: Der Trend läuft in die richtige Richtung, schneller als viele Prognosen aus dem letzten Jahrzehnt es vorhergesagt haben.

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