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"Project Freedom": USA eskortieren Schiffe aus Hormus

"Project Freedom": USA eskortieren Schiffe aus Hormus

Trump hat am Sonntag "Project Freedom" angekündigt: Die US-Marine eskortiert ab Montag rund 800 festsitzende Schiffe mit 20.000 Seeleuten aus der Straße von Hormus heraus. Iran wertet den Einsatz als Waffenstillstandsbruch und warnt vor Konsequenzen.

4. Mai 2026, 6:37 Uhr 1010 Wörter · 6 Min. Lesezeit

Rund 800 Handelsschiffe mit etwa 20.000 Seeleuten an Bord stecken seit Wochen in der Straße von Hormus und den angrenzenden Gewässern fest. Die Crews melden Engpässe bei Trinkwasser, Lebensmitteln und Hygieneartikeln; viele berichten, dass sie Drohnen und Raketen über den Gewässern explodieren sehen. US-Präsident Donald Trump hat am Sonntagabend die Operation "Project Freedom" angekündigt: Ab Montag eskortiert die US-Marine neutrale Schiffe durch die blockierte Meerenge. Iran bezeichnete den Einsatz sofort als Verstoß gegen die seit dem 8. April geltende Waffenruhe.

800 Schiffe, 20.000 Seeleute ohne ausreichende Versorgung

Die Straße von Hormus ist seit Beginn des US-Iran-Kriegs Ende Februar 2026 praktisch geschlossen für den kommerziellen Schiffsverkehr. Die USA blockieren iranische Häfen und beschlagnahmen Tanker, die Transitgebühren an Teheran gezahlt haben; Iran legt Minen in der Meerenge und greift Schiffe an. Das Pentagon schätzte in einem Bericht an den Kongress, dass selbst bei sofortigem Waffenstillstand die vollständige Minenräumung sechs Monate dauern würde.

Die Folge: Hunderte Schiffe aus Ländern, die keiner der beiden Konfliktparteien angehören, sind gefangen. Laut Trump hätten "Länder, die nicht am Nahostkonflikt beteiligt sind", Washington um Hilfe gebeten. Die britische Schifffahrtsbehörde UKMTO meldete am Wochenende zwei neue Zwischenfälle: Ein Massengutfrachter wurde am Samstag elf Seemeilen westlich der iranischen Küstenstadt Sirik von mehreren kleinen Schnellbooten angegriffen, ein Tanker wurde am Sonntag von unbekannten Projektilen 78 Seemeilen nördlich des emiratischen Hafens Fujairah getroffen. Alle Besatzungen blieben unverletzt, kein Angreifer bekannte sich.

Was "Project Freedom" konkret bedeutet

Das US-Zentralkommando CENTCOM beschrieb den Umfang der Operation: 15.000 Soldaten, mehr als 100 luftgestützte und seegestützte Kampfflugzeuge, Seedrohnen und Luftdrohnen sowie Lenkwaffenzerstörer aus der Trägergruppe der USS Abraham Lincoln sind beteiligt. Initiale Konvois führten laut Pentagon Schiffe aus US-Partnerstaaten wie Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Kuwait mit Rohöl an Bord durch die Meerenge.

Die operative Logik ist keine klassische Eskorte. Nach Informationen von Axios bleiben die US-Kriegsschiffe in der Nähe und greifen nur ein, wenn iranische Kräfte eingreifen. Die eigentliche Leistung ist Navigation: Die US-Marine stellt den neutralen Schiffen Informationen über Fahrrinnen bereit, die noch nicht durch iranische Minen gefährdet sind.

Trump bezeichnete die Maßnahme auf Truth Social als "humanitäre Geste" und warnte zugleich: "Wenn diese humanitäre Maßnahme in irgendeiner Weise behindert wird, muss dieser Widerstand mit Gewalt behandelt werden."

Iran: Jede Einmischung ist ein Waffenstillstandsbruch

Ebrahim Azizi, Vorsitzender des Ausschusses für nationale Sicherheit und Außenpolitik im iranischen Parlament, reagierte scharf: Jede amerikanische Einmischung in die Schifffahrtsregelungen der Meerenge werde als Verletzung der Waffenruhe betrachtet. Die Region lasse sich nicht durch "Trumps wahnhafte Beiträge" steuern.

Das iranische Außenministerium teilte mit, Teheran prüfe die US-Antwort auf den am 3. Mai über pakistanische Vermittler übermittelten 14-Punkte-Friedensplan. Trump hatte den Plan am Samstag bereits zurückgewiesen und erklärt, er könne sich "kaum vorstellen", dass er annehmbar sei. Gleichzeitig deutete er vorsichtig positive Gesprächsbereitschaft an, ohne konkret zu werden.

Das ergibt eine paradoxe Lage: Iran lehnt die Eskortoperation als Waffenstillstandsbruch ab und hält gleichzeitig an einem laufenden Verhandlungsprozess fest. Ob Teheran tatsächlich eingreifen würde, wenn US-Kriegsschiffe neutrale Schiffe durch die Meerenge begleiten, ist der entscheidende unbekannte Faktor der kommenden Stunden.

Deutschland positioniert sich vor

Am Montag verließ das Minenjagdboot "Fulda" der Deutschen Marine seinen Stützpunkt und fuhr in Richtung Mittelmeer. Es wird aus einem laufenden NATO-Einsatz in Nordsee und Ostsee abgezogen; die Besatzung zählt bis zu 45 Soldaten. Die Überfahrt ins Mittelmeer dauert nach Bundeswehrangaben rund zwei Wochen.

Für einen tatsächlichen Einsatz in der Straße von Hormus braucht Deutschland drei Voraussetzungen: ein nachhaltiges Ende der Kampfhandlungen, ein völkerrechtliches Mandat und einen Bundestagsbeschluss. Keine dieser Voraussetzungen ist erfüllt. Die Verlegung ist deshalb keine operative Entscheidung, sondern ein politisches Signal: Berlin will handlungsfähig sein, wenn die Bedingungen eintreten.

Dass die "Fulda" ausgerechnet an dem Tag ausläuft, an dem die USA ihre Eskortoperation beginnen, dürfte kein Zufall sein. Die Bundesregierung hat das Vorhaben nicht öffentlich kommentiert.

Wenn iranische Boote die Konvois aufhalten wollen

Das unmittelbare Risiko liegt in dem Szenario, das niemand ausschließen kann: Iranische Revolutionsgardisten versuchen, einen Konvoi zu stoppen. Trump hat in diesem Fall Gewaltanwendung angekündigt. Das würde die Waffenruhe in einen direkten militärischen Konflikt verwandeln, weniger als vier Wochen nach dem beidseitigen Bekenntnis zum Stillstand vom 8. April.

Der Ölmarkt beobachtet die Operation genau. Durch die Straße von Hormus flossen vor dem Krieg rund 20 Prozent des weltweiten Ölangebots. Jede glaubwürdige Öffnung der Meerenge würde den Brentpreis, der seit Kriegsbeginn erheblich gestiegen ist, nach unten drücken. Jede Eskalation das Gegenteil.

Die ersten 48 Stunden werden zeigen, ob Iran seine Drohung ernst meint, ob die USA tatsächlich Konvois durchbringen und ob "Project Freedom" ein erster Schritt zur Deeskalation oder der Auslöser für die nächste Konfrontation ist.

Update 4. Mai, 21:12 Uhr: Der Iran hat am Montag eine Ölanlage im emiratischen Hafenstädtchen Fudschaira angegriffen, einem der größten Öl-Lagerzentren des Nahen Ostens. Bei einem kombinierten Drohnen- und Raketenangriff löste mindestens eine Drohne einen Großbrand aus; die Armee der Vereinigten Arabischen Emirate bestätigte zudem, drei iranische Raketen abgefangen zu haben, eine weitere fiel ins Meer. Die strategische Bedeutung des Angriffs liegt darin, dass Fudschaira außerhalb der Straße von Hormus liegt und als wichtigste Alternativroute für emiratisches Rohöl gilt. Durch den Angriff signalisiert der Iran, dass er auch diese Ausweichroute unter Beschuss nehmen kann. Gleichzeitig meldete das US-Zentralkommando CENTCOM, sechs iranische Schnellboote versenkt zu haben, nachdem diese neutrale Handelsschiffe angegriffen hätten. Präsident Trump nannte auf Truth Social die Zahl von sieben versenkten Booten. Iran bestritt die Berichte. Der Brentölpreis stieg infolge der Eskalation um mehr als fünf Dollar, US-Leichtöl um mehr als drei Dollar.

Update 6. Mai, 01:05 Uhr: Außenminister Marco Rubio erklärte am 5. Mai, Operation "Epic Fury" sei beendet: "Wir haben die Ziele der Operation erreicht." Irans Fähigkeit, sein Nuklearprogramm abzuschirmen, sei zerstört worden. Gleichzeitig setzte Trump "Project Freedom" auf Eis: Die Eskortoperation werde für kurze Zeit ausgesetzt, um zu prüfen, ob Pakistan als Vermittler eine Einigung ermögliche. Trump sprach von "großen Fortschritten" in Richtung eines Abkommens. Das US-Militär wechselte damit von einer offensiven in eine defensive Haltung. Rubio: "Es wird nicht geschossen, wenn wir nicht beschossen werden." Die Blockade iranischer Häfen bleibt formal bestehen.

Quellen (14)