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Regenwald: 36 Prozent weniger Verlust als 2024

Regenwald: 36 Prozent weniger Verlust als 2024

2025 verlor die Welt 36 Prozent weniger tropischen Primärwald als im Rekordjahr 2024. Hinter dem Rückgang steht fast ausschließlich Brasilien, das unter Lula seinen Anti-Entwaldungsplan wiederbelebt hat.

6. Mai 2026, 10:18 Uhr 730 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Im Jahr 2025 verlor die Welt 4,3 Millionen Hektar tropischen Primärwald, eine Fläche so groß wie Dänemark. Das ist erschreckend viel, aber auch 36 Prozent weniger als im Rekordjahr 2024. Der Rückgang kommt fast vollständig aus einem einzigen Land: Brasilien, wo Präsident Lula seinen föderalen Anti-Entwaldungsplan wiederbelebt und die Behörden erstmals seit Jahren wieder entschlossen durchgesetzt haben. Andernorts, vor allem in Bolivien und der Demokratischen Republik Kongo, war 2025 das schlimmste oder zweitschlimmste Jahr der Messgeschichte.

Wie Brasilien den Trend dreht

Der brasilianische Amazonas ist der weltweit größte tropische Regenwald und war lange der weltweit größte Herd der Entwaldung. Auf dem Höhepunkt im Jahr 2004 wurden im brasilianischen Amazonas jährlich 27.772 Quadratkilometer Wald vernichtet. Der damals neu aufgelegte föderale Anti-Entwaldungsplan PPCDAm, der auf Fernerkundungsdaten, Strafverfolgung und wirtschaftliche Anreize setzte, trieb die Entwaldung bis 2012 um 84 Prozent zurück. Als Bolsonaro PPCDAm faktisch außer Kraft setzte, stiegen die Entwaldungsalarme 2022 auf den höchsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen.

Nach Lulas Wahlsieg wurde PPCDAm 2023 neu aufgelegt. Die Ergebnisse sind messbar: Die Umweltbehörde IBAMA verhängte zwischen 2023 und 2025 81 Prozent mehr Durchsetzungsmaßnahmen und 63 Prozent höhere Bußgelder als in den Bolsonaro-Jahren von 2020 bis 2022. 2025 verlor Brasilien noch 1,63 Millionen Hektar Primärwald durch nichtbrandbedingte Ursachen, 41 Prozent weniger als die 2,83 Millionen Hektar im Jahr 2024. Es war nach Daten des Global Forest Watch der niedrigste Wert, den Brasilien je gemessen hat.

Brände sind ein separates, wachsendes Problem. Global gingen 2025 insgesamt 25,5 Millionen Hektar Baumbestand verloren, davon 42 Prozent durch Feuer. Das entspricht fast dem Sechsfachen der nichtbrandbedingten Verluste im tropischen Primärwald. Das dritte Jahr in Folge gehörten Brasilien, Kanada und Bolivien zu den am schwersten von Waldbränden betroffenen Ländern.

Das Gegenbild: Bolivien und der Kongo

Während Brasilien vorangeht, zeigen andere Länder, wie wenig selbstverständlich das ist. Bolivien verlor 2025 insgesamt 620.630 Hektar Primärwald, das zweitschlimmste Jahr seit Beginn der Messung. Die Demokratische Republik Kongo verzeichnete einen Rekord bei nichtbrandbedingten Primärwaldverlusten, getrieben vor allem durch kleinbäuerliche Subsistenzlandwirtschaft, für die globale Handelsvereinbarungen kaum Hebel bieten. Indonesien verzeichnete einen Anstieg um 14 Prozent auf 296.000 Hektar, während die NGO Auriga Nusantara mit einem breiteren Waldbegriff sogar einen Anstieg von 66 Prozent misst.

Das World Resources Institute, das die Daten des Global Forest Watch auswertet, stellt fest: Die weltweite Entwaldungsrate liegt noch immer 70 Prozent über dem Niveau, das notwendig wäre, um die Ziele der Glasgower Erklärung von 2021 zu erreichen, bei der sich über 140 Länder verpflichteten, bis 2030 die Entwaldung zu stoppen.

Im Vergleich: Costa Rica zeigt, was dauerhaft möglich ist

Costa Rica ist das einzige tropische Land, das eine vollständige Umkehr der Entwaldung dauerhaft erreicht hat. In den 1980er Jahren bedeckten Wälder nur noch 21 Prozent des Landes, der niedrigste je gemessene Wert. Heute sind es wieder rund 60 Prozent. Der zentrale Hebel war das 1996 eingeführte Programm für Ökosystemleistungen (PES), das Landbesitzern direkte Zahlungen für den Erhalt von Wäldern gibt, finanziert aus einer Mineralölsteuer. Nach Weltbankdaten wurden seit Einführung des Programms über 524 Millionen Dollar an Waldeigentümer ausgezahlt und mehr als eine Million Hektar Wald gesichert.

Brasilien hatte zwischen 2004 und 2012 unter dem ersten PPCDAm-Plan eine vergleichbare Leistung gezeigt: 84 Prozent weniger Entwaldung in acht Jahren. Der Unterschied zu Costa Rica liegt in der Dauerhaftigkeit. Was politisch eingeführt wird, lässt sich politisch wieder abbauen, wie die Bolsonaro-Jahre gezeigt haben. Der jetzige Rückgang ist ein Erfolg, der an der politischen Kontinuität hängt.

Warum Brasiliens Erfolg nicht für alle reicht

Brasiliens Rückgang 2025 ist real, aber er ändert die globale Rechnung nur begrenzt. Die Glasgow-Ziele für 2030 verlangen nicht nur, dass Brasilien weiter durchhält, sondern dass Länder wie Bolivien, die Demokratische Republik Kongo und Indonesien ähnliche Kurswechsel vollziehen. Für die DRC fehlt der politische Kontext: Wo Entwaldung durch Subsistenzlandwirtschaft in einer extrem armen Bevölkerung getrieben wird, greifen die brasilianischen Instrumente einer stärkeren kommerziellen Strafverfolgung kaum. Das WRI schätzt, dass ohne erhebliche Steigerung der internationalen Finanzierung für waldreiche Entwicklungsländer die Glasgower Erklärung zu einer Absichtserklärung bleibt.

Die 36 Prozent weniger Verlust 2025 sind trotzdem ein Signal, das selten zu hören ist in der Debatte um Entwaldung: dass politische Entscheidungen messbar wirken, wenn sie konsequent durchgesetzt werden. Brasiliens Rückkehr zu PPCDAm ist dafür der deutlichste Beleg des Jahrzehnts.

Quellen (5)