CMA CGM angegriffen: Trump stoppt Hormus-Eskorte
Ein Angriff, eine Pause, ein Preissprung: Das Containerschiff CMA CGM San Antonio wurde am 5. Mai in der Straße von Hormus von einem unbekannten Projektil getroffen; mehrere Besatzungsmitglieder wurden verletzt und mussten evakuiert werden. Stunden danach setzte US-Präsident Trump die Militäreskorte "Project Freedom" nach einem einzigen Tag Betrieb aus und nannte das eine "gegenseitige Einigung" mit dem Iran. Der Brentölpreis stieg um fast sechs Prozent auf 114 Dollar je Barrel.
Die San Antonio in der Meerenge
Die britische Schifffahrtsbehörde UKMTO meldete am 5. Mai einen Treffer auf das unter maltesischer Flagge fahrende Containerschiff CMA CGM San Antonio. Die Reederei bestätigte den Angriff und gab an, verletzte Besatzungsmitglieder hätten medizinische Versorgung erhalten; eine genaue Zahl nannte CMA CGM nicht. US-Sicherheitsbeamten zufolge könnte es sich um einen Marschflugkörper gehandelt haben, eine offizielle Zuschreibung des Angriffs blieb bis Dienstag aus.
Es ist das zweite Schiff der französischen Reederei, das seit Kriegsbeginn am 28. Februar getroffen wird. Die San Antonio war nicht der einzige Vorfall der Woche: Am 3. Mai wurden ein Tanker und ein Massengutfrachter angegriffen, am 4. Mai die HMM Namu. In der Straße von Hormus warten nach wie vor rund 800 Handelsschiffe mit etwa 20.000 Seeleuten, die seit Wochen nicht passieren können. Der Tankerverkehr durch Hormus liegt unter 30 Prozent des Vorkriegswerts.
Project Freedom: Ein Tag Betrieb, dann Pause
Das US-Zentralkommando CENTCOM hatte Project Freedom mit beträchtlichem Aufwand aufgebaut: gelenkte Raketenzerstörer, über 100 Flugzeuge, Drohnen und 15.000 Soldaten. Die Operation startete am 4. Mai; ihr Ziel war es, neutrale Handelsschiffe sicher durch die blockierte Meerenge zu geleiten.
Am 5. Mai setzte Trump die Eskorte aus. Auf Truth Social schrieb er: "Wir haben uns gegenseitig geeinigt, dass, während die Blockade in vollem Umfang bestehen bleibt, Project Freedom für eine kurze Zeit pausiert wird, um zu sehen, ob das Abkommen abgeschlossen und unterzeichnet werden kann." Pakistan und weitere Länder hätten um die Pause gebeten, so Trump. Die Formulierung "gegenseitig geeinigt" ist bemerkenswert: Trump beschreibt die Unterbrechung als bilaterale Vereinbarung mit dem Iran, dessen Kräfte kurz zuvor die San Antonio beschossen hatten. Iranische Häfen bleiben durch US-Seestreitkräfte formal blockiert.
Sechs Prozent Ölpreisanstieg nach dem Angriff
Nach dem Treffer auf die San Antonio stieg Brentöl um nahezu sechs Prozent auf 114,44 Dollar je Barrel. Am frühen Dienstagmorgen gaben die Futures leicht auf 113,54 Dollar nach. Vor Kriegsbeginn hatte Brent bei rund 73 Dollar gelegen; im März 2026 war er kurzzeitig auf 126 Dollar gestiegen.
Die Marktreaktion folgt einer simplen Logik: Jeder Angriff auf ein Handelsschiff signalisiert, dass die Durchfahrt gefährlich bleibt, solange keine dauerhafte politische Lösung vorliegt. Morgan Stanley hatte für 2026 eine Preisspanne von 80 bis 180 Dollar je Barrel beziffert, je nach Konfliktausgang. Mit 114 Dollar liegt der Preis aktuell im oberen Drittel dieses Korridors.
Drei Botschaften in fünf Tagen
Innerhalb von fünf Tagen sendete Washington schwer vereinbare Signale. Am 1. Mai erklärte Trump die Feindseligkeiten offiziell für beendet: "The hostilities that began on February 28, 2026, have terminated." Die Angriffe gingen seither weiter. Am 3. Mai lehnte er Irans 14-Punkte-Friedensvorschlag ab; Teherans Forderung, die Nuklearverhandlungen um 30 Tage zu verschieben, sei für ihn "nicht akzeptabel". Am 5. Mai sprach er von "großartigen Fortschritten" und stoppte seine Militäroperation.
Das ist kein Widerspruch in Trumps eigener Logik: maximalen Druck aufbauen, dann eine Atempause einlegen, wenn das Gegenüber reagiert. Außenminister Rubio erklärte am 5. Mai, Operation "Epic Fury" sei abgeschlossen: Irans Fähigkeit, sein Nuklearprogramm militärisch abzuschirmen, sei zerstört worden. Das militärische Ziel gilt aus US-Sicht als erreicht; jetzt soll der politische Abschluss folgen.
Iran muss bis zum 7. Mai antworten
Trump gab Teheran 48 Stunden für eine Antwort auf die US-Bedingungen; die Frist läuft am 7. Mai ab. Am 8. Mai ist die formale Überprüfung der seit dem 8. April geltenden Waffenruhe geplant. Die Blockade bleibt bis zu einer Einigung bestehen, Project Freedom kann jederzeit wiederaufgenommen werden.
Für internationale Reedereien ändert sich durch die Pause zunächst wenig. CMA CGM und Maersk meiden die Meerenge, so weit möglich, seit Kriegsbeginn. Ob Teheran in den nächsten 48 Stunden ein Angebot macht, das die nuklearen Vorbedingungen Washingtons erfüllt, ist die entscheidende offene Frage. Wie das konkret aussehen soll, hat keine der beiden Seiten bisher beschrieben.