Nobelpreis für Medizin an Optogenetik-Pioniere
Good News

Nobelpreis für Medizin an Optogenetik-Pioniere

Die Nobelversammlung am Karolinska Institutet hat laut ihrer Mitteilung am 5. Oktober 2026 entschieden, den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin 2026 gemeinsam an Karl Deisseroth, Peter Hegemann und Georg Nagel zu vergeben. Ihre Entdeckungen führten zur Optogenetik, mit der sich einzelne Nervenzellen im lebenden Gehirn gezielt mit Licht ein- oder ausschalten lassen. Laut der Nobelversammlung lässt sich damit zeigen, wie Nervenzellen Erinnerungen, Gefühle und Verhalten prägen. Das Preisgeld von 12 Millionen schwedischen Kronen teilen sie sich zu gleichen Teilen.

Quellen (14)
  1. Light-seeking algae gave us a switch for nerve cellsnobelprize.org
  2. Nobel Prize in Physiology or Medicine 2026 - Popular information - NobelPrize.orgnobelprize.org
  3. Nobelpreise 2026: Medizinnobelpreis für drei Optogenetiker - science.ORF.atscience.orf.at
  4. Deisseroth, Hegemann, Nagel awarded 2026 Nobel Prize in Medicine | STATstatnews.com
  5. Press release: Nobel Prize in Physiology or Medicine 2026 - NobelPrize.orgnobelprize.org
  6. Nature Medicine: Sahel et al., "Partial recovery of visual function in a blind patient after optogenetic therapy" (2021)doi.org
  7. ASRS 2026: MCO-010 optogenetic therapy sustains 3-line vision gains at 3 years in retinitis pigmentosa | Eye Care Network - Modern Retinaophthalmologytimes.com
  8. 2026 Nobel Prize in Physiology or Medicine awarded to Karl Deisseroth, Georg Nagel and Peter Hegemann for work on optogenetics | Scientific Americanscientificamerican.com
  9. The future of neuroscience: Karl Deisseroth sheds light on the inner workings of the brain | Stanford University School of Engineeringengineering.stanford.edu
  10. Nobel Prize in Physiology or Medicine 2026 - Prize announcement - NobelPrize.orgnobelprize.org
  11. Karl Deisseroth – Facts – 2026 - NobelPrize.orgnobelprize.org
  12. Nobelpreis für den Würzburger Professor Georg Nagel - Universität Würzburguni-wuerzburg.de
  13. Nobelpreis für Berliner Spitzenforscher – herausragender Erfolg für Berlin - Berlin.deberlin.de
  14. Optogenetics researchers win Nobel Prize in Physiology or Medicinecen.acs.org
6. Oktober 2026, 1:33 Uhr654 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Ausgezeichnet werden die Forscher laut Nobelversammlung für ihre Entdeckungen zu lichtgesteuerten Ionenkanälen und zur Optogenetik, einer Methode, mit der sich die Aktivität einzelner Nervenzellen in einem lebenden Gehirn ein- oder ausschalten lässt. Deisseroth forscht am Howard Hughes Medical Institute und an der Stanford University in den USA, Hegemann an der Humboldt-Universität zu Berlin und Nagel an der Universität Würzburg. Die Preisträger teilen sich laut Nobelversammlung das Preisgeld von 12 Millionen schwedischen Kronen zu gleichen Teilen; laut ORF sollen alle diesjährigen Nobelpreise am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels, in Stockholm und Oslo überreicht werden.

Wie die Entdeckung Anfang der 1990er Jahre begann

Die Arbeit geht laut einem Bericht von STAT auf eine Frage zurück, die sich Peter Hegemann Anfang der 1990er Jahre am Max-Planck-Institut stellte: Wie schafft es die einzellige Grünalge Chlamydomonas, zu einer Lichtquelle zu schwimmen? Laut der Hintergrunddarstellung des Nobelkomitees vermutete er schon damals, dass ein einzelner Proteinkomplex sowohl Licht aufnimmt als auch als Ionenkanal wirkt, stieß damit aber auf Skepsis, weil kein Ionenkanal bekannt war, der selbst auf Licht reagierte. Erst um die Jahrtausendwende fand seine Gruppe nach Jahren mit Rückschlägen zwei Gene, die den bekannten Bauplänen lichtaufnehmender Proteine ähnelten. Gemeinsam mit Georg Nagel zeigte Hegemann laut Nobelversammlung, dass das Protein Channelrhodopsin ein Kanal ist: Trifft blaues Licht darauf, öffnet er sich und lässt geladene Ionen in die Zelle strömen, was einen elektrischen Impuls erzeugt. Das Protein funktionierte unabhängig davon, in welchen Zelltyp es eingebracht wurde.

nobelpreis

Laut der Nobelversammlung übertrug Karl Deisseroth das Gen für Channelrhodopsin in Nervenzellen von Ratten und löste mit blauem Licht ein Nervensignal aus; er veröffentlichte diesen Durchbruch 2005, zwei Jahre später funktionierte der lichtgesteuerte Schalter auch im Gehirn lebender Mäuse. Die neue Methode erhielt laut NobelPrize.org 2006 den Namen Optogenetik und wird laut ORF inzwischen in Laboren auf der ganzen Welt eingesetzt.

Was sich mit Licht im Gehirn sichtbar machen lässt

Mit Optogenetik ließen sich neuronale Schaltkreise aufdecken, die Erinnerungen, Gefühle und Verhalten steuern und für neurologische und psychiatrische Erkrankungen relevant sind, erklärte die Nobelversammlung. In einem Experiment untersuchte dem Komitee zufolge eine Forschungsgruppe die Gehirne von Mäusen während einer Angsterfahrung und reaktivierte später genau jene Nervenzellen, die offenbar diese Erinnerung gebildet hatten: Die Tiere zeigten daraufhin Angstreaktionen, obwohl sie sich nicht in Gefahr befanden, was dem Komitee zufolge das erste Experiment war, in dem sich die für eine bestimmte Erinnerung notwendigen Nervenzellen so genau nachweisen ließen. Komiteevorsitzender Per Svenningsson sagte, die Optogenetik eröffne Möglichkeiten zur Kartierung des Gehirns, von denen man früher nur habe träumen können.

Im Vergleich: zwei Etappen auf dem Weg, verlorenes Sehen zurückzuholen

Eine klinische Anwendung der Optogenetik betrifft laut Nobelversammlung Menschen mit Sehbeeinträchtigung: Forschende versuchen, bei Retinitis pigmentosa, einer laut Scientific American erblichen Erkrankung, die lichtempfindliche Zellen der Netzhaut zerstört, das Sehvermögen wiederherzustellen. Dabei können Ärzte laut einem Bericht von Scientific American DNA mit dem Bauplan für ein lichtempfindliches Protein in Nervenzellen der Netzhaut spritzen, sodass diese bei Lichteinfall elektrische Signale an das Gehirn senden und die abgestorbenen und beschädigten Zellen umgehen.

Benjamin Bakall berichtete laut Modern Retina beim Jahrestreffen der American Society of Retina Specialists 2026 über REMAIN-Nachbeobachtungsdaten aus einer größeren Untersuchung: In der Phase-2b/3-Studie RESTORE erhielten 27 Patienten eine hohe oder niedrige Dosis des Wirkstoffs MCO-010 oder eine Scheinbehandlung. Nach rund drei Jahren hielten laut Modern Retina die mittleren Verbesserungen der Sehschärfe in den Behandlungsgruppen an; Patienten berichteten, sie könnten nun etwa Besteck auf einem Tisch erkennen oder vorbeifahrende Autos wahrnehmen; behandlungsbedingte schwerwiegende unerwünschte Ereignisse traten laut den vorgestellten Daten nicht auf. Bakall bezeichnete die Therapie laut dem Bericht von Modern Retina als dauerhafte Option für Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung, mahnte zugleich aber, nicht zu viel zu versprechen.

Deisseroth selbst empfahl im 2023 veröffentlichten Gespräch, bei Gehirnregionen jenseits der Netzhaut zunächst gründliche Grundlagenforschung an Tieren und an evolutionär erhaltenen Strukturen zu betreiben, bevor man beim Menschen experimentiert. Bakall mahnte bei der Vorstellung der RESTORE-Daten zur Vorsicht und warnte davor, Patienten mit fortgeschrittener Retinitis pigmentosa zu viel zu versprechen.

Kommentare