
Eiffelturmchef kündigt Rückzug nach Frauenausschluss an
Quellen (9)
- Eiffel Tower director announces departure after row over sidelining of female staff | Euronewseuronews.com
- Tour Eiffel : le directeur général démissionne | L'Echo touristiquelechotouristique.com
- Paris : deux enquêtes ouvertes après la mise à l’écart du personnel féminin de la Tour Eiffellejdd.fr
- Eiffelturm: Chef tritt nach Ausschluss von Frauen zurück - DER SPIEGELspiegel.de
- Eiffel Tower BAPS controversy: Probe finds message was distorted, no explicit request to exclude women - BusinessTodaybusinesstoday.in
- BAPS says probe found no request to exclude women during Eiffel Tower visitaninews.in
- Nach Skandal um Frauen-Ausschluss: Chef des Pariser Eiffelturms räumt seinen Postentagesspiegel.de
- Le directeur de la tour Eiffel annonce son départ, près d'un mois après la polémique sur la mise à l'écart d'employées lors de la visite d'une délégation hindoue – franceinfofranceinfo.fr
- Tour Eiffel: Patrick Branco Ruivo démissionne après une enquête interne - lematin.chlematin.ch
Ruivo steht laut Euronews seit 2018 an der Spitze der SETE; seine Position wurde durch den Vorfall Anfang September erheblich geschwächt.
Die SETE gehört zu 99 Prozent der Stadt Paris und zu 1 Prozent der Metropole Groß-Paris und verwaltet damit eines der meistbesuchten Bauwerke der Stadt. Der Eiffelturm zählte laut Euronews zum Berichtsstand Ende September 402 Beschäftigte, empfing jährlich 6,7 Millionen Besucher und erzielte einen Umsatz von 156 Millionen Euro.
Der Besuch am 5. September
Am Samstag, dem 5. September, besuchte eine Delegation der hinduistischen Bewegung Bochasanwasi Akshar Purushottam Swaminarayan Sanstha (BAPS) den Eiffelturm, einen Tag vor der Einweihung ihres ersten großen Tempels in Frankreich in Bussy-Saint-Georges bei Paris. Nach Angaben der Beschäftigten wurden an diesem Tag einige Mitarbeiterinnen aufgefordert, ihre Posten zu verlassen und sich in Räumlichkeiten zurückzuziehen, an manchen Posten seien sie durch Männer ersetzt worden und alle weiblichen Beschäftigten hätten die Anweisung erhalten, bestimmte Bereiche während der Anwesenheit der Delegation nicht zu betreten. Die Betreibergesellschaft erklärte damals, die Delegation habe eine Organisation mit begrenzten Interaktionen mit Frauen verlangt; sie räumte ein, diese Bedingungen hätten nicht akzeptiert werden dürfen.
Streik und Schließung am 7. September
Die Entscheidung, am Eiffelturm beschäftigte Frauen von den Besuchern fernzuhalten, löste laut Euronews einen Streik der Beschäftigten aus und führte am 7. September zur ganztägigen Schließung des Turms. Die Gewerkschaft CGT sprach von beruflichen Anweisungen, die dazu geführt hätten, dass weibliche Beschäftigte wegen ihres Geschlechts ausgeschlossen, ersetzt und unsichtbar gemacht worden seien. Die Beschäftigten bezeichneten die Situation als schwerwiegend und als zutiefst unvereinbar mit den Werten der Gleichheit und Nichtdiskriminierung. Pariser Bürgermeister Emmanuel Grégoire kündigte nach Gesprächen mit den Gewerkschaften des Eiffelturms die Eröffnung zweier gesonderter Untersuchungen an.
SETE teilte mit, die interne Untersuchung habe eine Reihe von Funktionsstörungen und Mängeln bei der Strukturierung protokollarischer Besuche und der Organisation des Besuchs vom 5. September aufgedeckt, die zum Ausschluss weiblichen Personals am Besuchstag geführt hätten; die Gesellschaft bezeichnete die Situation als inakzeptabel. Nach dem Vorfall kündigte SETE die Einführung einer eigenständigen Protokollabteilung sowie neue Maßnahmen und Schulungen zur Förderung der Gleichstellung von Frauen und Männern an. In einem Brief an seine Beschäftigten versicherte Ruivo, zu keinem Zeitpunkt eine Anweisung gegeben zu haben, Frauen entlang des Weges der Delegation auszuschließen oder zu ersetzen. Zugleich räumte er ein, dass Frauen bei dem Besuch ausgeschlossen worden seien, was er bedauere; er erklärte, als Verantwortlicher für das Funktionieren des Unternehmens sei seine eigene Verantwortung betroffen.
Laut einem Bericht von Business Today fand die Generalinspektion der Stadt Paris keine ausdrückliche Forderung der Delegation, Frauen entlang der gesamten Besucherroute auszuschließen, sondern führte die Kontroverse auf eine Kette von Fehlern bei Beurteilung, Genehmigung und Ausführung zurück. Die ursprüngliche Mitteilung an SETE habe demnach die Vermeidung körperlichen Kontakts zwischen religiösen Würdenträgern und Frauen betroffen und sei beim Durchlaufen verschiedener Führungsebenen schrittweise ausgeweitet worden. Durch mündliche Weitergabe sei die Mitteilung so verzerrt worden, dass die Vorgabe zur Kontaktvermeidung schließlich als Forderung verstanden wurde, an mehreren Positionen männliche Beschäftigte einzusetzen, wodurch einige bereits an ihren Posten befindliche Mitarbeiterinnen entfernt oder ersetzt wurden. Berichten zufolge wurde eine Mitarbeiterin eines Reinigungsdienstleisters aufgefordert, bis zu ihrer Pause zu warten, während eine andere Mitarbeiterin während der Abfahrt der Delegation in einem Aufzug ersetzt wurde.
BAPS France begrüßte die Ergebnisse laut Business Today und bekräftigte, die Eiffelturm-Verantwortlichen niemals zu einem solchen Vorgehen aufgefordert zu haben. Die Bewegung äußerte zugleich Sorge um die betroffenen Beschäftigten und die Erwartung, dass die Ergebnisse zu einem besseren Verständnis der Umstände beitragen würden.
Das Umfeld von Bürgermeister Grégoire erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, der Führungswechsel müsse unter bestmöglichen Bedingungen vorbereitet werden und aus der Situation müssten umfassend Lehren gezogen werden, damit sich solche inakzeptablen Vorfälle nicht wiederholten. Ruivos Rückzug ist laut L’Echo touristique für Ende 2026 angekündigt.
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