
NO2-Jahresgrenzwert 2025 an keiner Messstation überschritten
Quellen (9)
- Stickstoffdioxid-Belastung | Umweltbundesamtumweltbundesamt.de
- Hintergrund Februar 2026: Luftqualität 2025 (vorläufige Auswertung)umweltbundesamt.de
- BMC Public Health / Sell et al.: Environmental burden of disease resulting from long-term nitrogen dioxide exposure in Germanydoi.org
- Grenzwerte eingehalten - Umweltbundesamt: Luftqualität in Deutschland ausreichenddeutschlandfunk.de
- WHO global air quality guidelines: particulate matter (PM2.5 and PM10), ozone, nitrogen dioxide, sulfur dioxide and carbon monoxidewho.int
- Stickstoffoxid-Emissionen | Umweltbundesamtumweltbundesamt.de
- Immissionsmessungen in München – Landeshauptstadt Münchenstadt.muenchen.de
- Grenzwerte: NRW hat die meisten Orte mit dreckiger Luft - Data - Nachrichtenwww1.wdr.de
- Auch 2025 wurden alle Grenzwerte zur Luftqualität eingehalten | Umweltbundesamtumweltbundesamt.de
Nach Angaben des Umweltbundesamts wird Stickstoffdioxid in Deutschland derzeit an rund 500 Luftmessstationen gemessen; der Jahresgrenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter gilt seit 2010. Die für 2025 veröffentlichten Werte beruhten zunächst auf einer vorläufigen Auswertung der Länder und des Umweltbundesamtes; endgültige Zahlen sollten erst ab Jahresmitte 2026 vorliegen. Die Angaben zur Einhaltung des Stickstoffdioxid-Jahresgrenzwerts 2025 stammen aus einer am 15. Oktober 2026 aktualisierten Veröffentlichung des Umweltbundesamts.
Warum der Wert für die Gesundheit zählt
Stickstoffdioxid ist laut Umweltbundesamt ein Reizgas, das die Schleimhäute in Nase, Hals und Atemwegen schädigt, Husten und Atemnot auslösen und langfristig die natürliche Abwehr der Lunge schwächen kann. Besonders betroffen sind bei steigender Stickstoffdioxid-Belastung der Außenluft Menschen mit vorgeschädigten Atemwegen, bei denen sich etwa ein bestehendes Asthma durch die zusätzliche Verengung verschlimmern kann. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass Luftverschmutzung weltweit jedes Jahr Millionen Todesfälle verursacht und den Verlust gesunder Lebensjahre nach sich zieht. Die dadurch verursachte Krankheitslast sei inzwischen vergleichbar mit anderen großen Gesundheitsrisiken wie ungesunder Ernährung und Tabakrauchen, so die Organisation. 2015 hatte die Weltgesundheitsversammlung Luftverschmutzung in einer Resolution als Risikofaktor für Krankheiten wie ischämische Herzkrankheit, Schlaganfall, chronisch obstruktive Lungenerkrankung, Asthma und Krebs anerkannt.

Der Rückgang seit 1990
Laut Umweltbundesamt gingen die Stickstoffoxidemissionen von 1990 bis 2024 um 72 Prozent beziehungsweise knapp 2 Millionen Tonnen zurück. Der Rückgang betraf alle Quellkategorien, am deutlichsten mit einem Minus von über 1,1 Millionen Tonnen den Verkehr, der mit einem Anteil von fast 36 Prozent trotzdem weiterhin mit Abstand der größte Verursacher bleibt. Hauptquellen von Stickstoffoxiden sind Verbrennungsmotoren und Feuerungsanlagen für Kohle, Öl, Gas, Holz und Abfälle; in Ballungsgebieten ist der Straßenverkehr die bedeutendste Quelle. Die im Göteborg-Protokoll und der EU-NEC-Richtlinie vorgeschriebene Minderung von 39 Prozent gegenüber 2005 wurde 2021, 2022, 2023 und 2024 eingehalten.
Messwerte in München, Krankheitslast und regionale Unterschiede
Nach Angaben der Landeshauptstadt München wurde 2023 noch an zwei Stellen in der Stadt der Jahresgrenzwert überschritten, an der Landshuter Allee mit 45 Mikrogramm pro Kubikmeter sogar die höchste Belastung in Deutschland, 5 Mikrogramm über dem erlaubten Wert. 2024 hielt die Stadt erstmals an allen Messpunkten den Grenzwert ein, an der Landshuter Allee sank der Jahresmittelwert auf 39 Mikrogramm pro Kubikmeter, 2025 auf 38 Mikrogramm pro Kubikmeter.

Eine 2025 veröffentlichte Studie im Fachblatt BMC Public Health bezifferte die durch Stickstoffdioxid verursachte Krankheitslast in Deutschland für 2010 auf 261.503 verlorene gesunde Lebensjahre und für 2021 auf 100.032, mit weiten Unsicherheitsspannen von 69.290 bis 489.273 beziehungsweise 24.558 bis 191.715. Die Studie schätzte die Krankheitslast mit einem bevölkerungsbezogenen Modell für Menschen über 25 Jahren. Die Autoren halten fest, dass Stickstoffdioxid trotz dieses Rückgangs weiterhin die Bevölkerungsgesundheit in Deutschland gefährde. Auch regional ist die Lage ungleich verteilt: Laut einer WDR-Auswertung der UBA-Daten vom Februar 2026 würden in Nordrhein-Westfalen 68 Prozent der Messstationen die ab 2030 geltenden, strengeren NO2-Grenzen für Tages- oder Jahreswerte überschreiten, bundesweit ist es etwa ein Drittel, in Berlin 54 Prozent. Städtische Stationen in Essen, Dortmund, Düsseldorf, Oberhausen und Wuppertal lagen dabei mehr als 50 Prozent über dem künftigen Grenzwert.
Bis 2035 könnte flächendeckende Einhaltung gelingen
Der ab 2030 geltende Jahresgrenzwert der neuen EU-Luftqualitätsrichtlinie für Stickstoffdioxid beträgt 20 Mikrogramm pro Kubikmeter. Nach der vorläufigen Auswertung für 2025 erreichten rund 39 Prozent aller Messstationen diesen künftigen Wert noch nicht. Das Amt schätzt dennoch, dass bis 2030 für nahezu alle Schadstoffe die dann geltenden Grenzwerte erreicht werden und es nur noch bei Feinstaub PM2,5 und Stickstoffdioxid vereinzelt zu Überschreitungen kommen dürfte; eine flächendeckende Einhaltung sei voraussichtlich bis 2035 möglich, vor dem Ende der maximalen Fristverlängerung 2037. UBA-Präsident Dirk Messner bezeichnete die Einhaltung aller Grenzwerte 2025 als Fortsetzung der positiven Entwicklung der vergangenen Jahre, verwies aber auf die Notwendigkeit weiterer Anstrengungen. Wie der Deutschlandfunk im Februar berichtete, war die Belastung mit Feinstaub und Stickstoffdioxid 2025 laut UBA-Angaben insgesamt höher als in den Jahren zuvor; Messner verwies auf die nötigen weiteren Absenkungen. Das Amt selbst wertete diesen Anstieg nicht als Trendwende, weil die Vorjahre 2023 und 2024 wetterbedingt unterdurchschnittlich belastet gewesen seien.
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