Nach Flucht: Bolsonaro erklärt sich zum Wahlsieger
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Nach Flucht: Bolsonaro erklärt sich zum Wahlsieger

Nach seiner Wahlniederlage ist der brasilianische Senator Flávio Bolsonaro in die USA geflohen und hat sich in einem einmal geänderten Brief zunächst als „wahrer gewählter Präsident“, dann als „Führer Brasiliens“ bezeichnet. Sein Wahlkampfkoordinator Rogério Marinho räumte ein, es gebe keine Beweise für den Wahlbetrug, den Bolsonaro behauptet.

Quellen (7)
  1. Flávio muda carta golpista e tira 'presidente' do texto - 28/10/2026 - Política - Folhawww1.folha.uol.com.br
  2. Bolsonaro erklärt sich selbst zum Wahlsieger - aus den USA | tagesschau.detagesschau.de
  3. Coordenador de campanha do PL admite não ter prova de fraude eleitoral| Agência Brasilagenciabrasil.ebc.com.br
  4. Nach Flucht in die USA - Bolsonaro erklärt sich zum Wahlsiegerdeutschlandfunk.de
  5. Trump se manifesta após Flávio Bolsonaro publicar carta de teor golpista | VEJAveja.abril.com.br
  6. Supremo Tribunal Federalnoticias.stf.jus.br
  7. Partido de Flávio, PL reconhece vitória de Lula nas eleições | Agência Brasilagenciabrasil.ebc.com.br
29. Oktober 2026, 1:01 Uhr530 Wörter · 3 Min. Lesezeit

Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva hatte die Wahl am Sonntag nach Angaben der brasilianischen Zeitung Folha mit einem Vorsprung von 4,43 Millionen Stimmen vor dem Senator Flávio Bolsonaro gewonnen. Am Morgen des 28. Oktober 2026 traf Bolsonaro in Miami ein, nachdem er Brasilien über die Grenze zu Argentinien verlassen und ein Privatflugzeug mit Zwischenlandung in Ecuador genutzt hatte. Verbündete verbreiteten den Brief.

Mehrere Fassungen binnen Stunden

Nach Angaben der Agência Brasil wurde eine erste, auf X verbreitete Fassung nach einer halben Stunde gelöscht; eine zweite ersetzte die Bezeichnung „gewählter Präsident“ durch „Führer Brasiliens“. In einer am Mittwoch veröffentlichten eigenen Stellungnahme erklärte Bolsonaro wörtlich: „Ich bin der Führer Brasiliens und die Kriminellen, die Wahl in Brasilien gestohlen haben, sind Teil einer kriminellen Organisation, die eine Tyrannei errichtet hat.“ Der Deutschlandfunk gab die geänderte Selbstbezeichnung mit dem Begriff „Anführer“ wieder. Laut dem Magazin VEJA entfernte Bolsonaro die Präsidentenbezeichnung später auch aus seinen sozialen Netzwerken und bezeichnete sich stattdessen als Stimme und Führung der Nation.

34.393 Stimmen in zwei zusätzlichen Stunden

Die Öffnungszeiten der Wahllokale waren auf Antrag von Amtsinhaber Lula wegen Problemen im Nahverkehr um zwei Stunden verlängert worden; auch Bolsonaro selbst hatte eine Verlängerung verlangt, allerdings nur für Bundesstaaten, in denen Regen und Überschwemmungen die Abstimmung erschwert hatten. Zuständig war Richter Cristiano Zanin vom Supremo Tribunal Federal, der die Abstimmungszeit an den Orten, an denen die Wahlurnen um 17 Uhr noch nicht geschlossen waren, bis 19 Uhr verlängerte, nachdem beide im zweiten Wahlgang antretenden Kandidaturen Probleme beim Wählertransport geltend gemacht hatten. Während der zweistündigen Verlängerung wurden 34.393 Stimmen erfasst, bei rund 158,7 Millionen wahlberechtigten Brasilianern nach Angaben des Wahlgerichts TSE. Auch Marinhos Partei könne mangels Beweisen keinen Wahlbetrug behaupten. Der Vorsitzende von Bolsonaros Partei PL, Valdemar Costa Neto, hatte Lulas Sieg bereits am Montag anerkannt, forderte aber Aufklärung über aus seiner Sicht wahltaktische Maßnahmen und eine Ausweitung öffentlicher Ausgaben. Die tagesschau hielt dazu fest, es gebe keine Hinweise auf systematischen Wahlbetrug und bezeichnete Brasiliens Wahlsystem als eines der sichersten der Region.

Annullierte Pässe, zugesagte Visa

Zuvor hatte Bolsonaro laut VEJA nach eigenen Angaben eine Aufforderung der Bundespolizei ignoriert, seine Reisepässe nach einer Entscheidung von Richter Alexandre de Moraes bis Dienstag 11 Uhr abzugeben; daraufhin wurden sein gewöhnlicher Pass und sein Diplomatenpass annulliert. Die Maßnahme stand laut Folha im Zusammenhang mit einer Untersuchung zu seiner Beziehung zum Anwalt Willer Tomaz. Das gecharterte Privatflugzeug startete laut Agência Brasil mit Unterstützung der argentinischen Regierung aus Argentinien. Nach Angaben von VEJA hatte die US-Regierung Bolsonaro und seiner Familie bereits am Dienstag Visa zugesagt. US-Präsident Donald Trump sagte laut Folha am Mittwoch vor Journalisten, er wolle sich nicht in die politische Krise Brasiliens einmischen, bezeichnete die Wahl aber zugleich als „sehr seltsam“.

Der Vater als Vorgeschichte

Nach Angaben der tagesschau war Bolsonaros Vater, der frühere Präsident Jair Bolsonaro, wegen eines Umsturzversuchs nach seiner eigenen Wahlniederlage 2022 bereits zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt worden. Laut tagesschau ermittelt die brasilianische Polizei gegen Flávio selbst unter anderem wegen Korruptions- und Geldwäscheverdachts im Zusammenhang mit einem Film über den inhaftierten Vater. Welche konkreten Schritte Bolsonaro aus dem Ausland gegen die Regierung unternehmen will und ob er in den USA Asyl beantragt, ließ er laut Folha offen.

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