LASSARAB: Erstmals Impfschutz gegen Lassa und Tollwut
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LASSARAB: Erstmals Impfschutz gegen Lassa und Tollwut

Forscher der Thomas Jefferson University und der University of Maryland haben LASSARAB entwickelt, einen Impfkandidaten gegen Lassa-Fieber und Tollwut zugleich. In der Phase-1-Studie mit 54 Erwachsenen entwickelten 100 Prozent der Geimpften Antikörper gegen das Lassa-Virus.

Quellen (8)
  1. Nature Medicine: Adjuvanted inactivated rabies virus-vectored Lassa virus vaccine in healthy adultsnature.com
  2. EurekAlert: NIH-funded researchers share early results of lassa fever vaccineeurekalert.org
  3. Thomas Jefferson University: NIH-Funded Researchers Share Early Results of Lassa Fever Vaccinejefferson.edu
  4. News Medical: Experimental two-in-one vaccine shows success in human LASSARAB trialnews-medical.net
  5. Genetic Engineering News: First-in-Human Trial Reports Promising Dual Lassa-Rabies Vaccine Datagenengnews.com
  6. NEJM: Safety and Immunogenicity of an rVSV Lassa Fever Vaccine Candidatenejm.org
  7. WHO: Ebola vaccines (Ervebo background)who.int
  8. medRxiv: Immunogenicity of adjuvanted combination inactivated rabies-vectored Lassa fever vaccinemedrxiv.org
12. August 2026, 9:45 Uhr745 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Lassa-Fieber tötet jedes Jahr mehr als 5.000 Menschen in Westafrika, einen zugelassenen Impfstoff gibt es nicht. Forscher der Thomas Jefferson University und der University of Maryland haben nun die ersten klinischen Ergebnisse für LASSARAB vorgelegt: einen Impfkandidaten, der gleichzeitig gegen Lassa-Fieber und Tollwut schützt. In der Phase-1-Studie entwickelten 100 Prozent der Geimpften Antikörper gegen das Lassa-Virus. Die Studie erschien im Juni 2026 in Nature Medicine.

Was Lassa-Fieber bedeutet und warum kein Impfstoff existiert

Lassa-Fieber ist ein hämorrhagisches Fieber, verursacht durch das Lassa-Virus, das über den Vielzitzenmausartige (Mastomys natalensis) übertragen wird. Die Erkrankung ist endemisch in Nigeria, Sierra Leone, Guinea und Liberia. Laut dem US-amerikanischen National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) kommt es jährlich zu 300.000 bis 500.000 Infektionen und mehr als 5.000 Todesfällen. In schweren Fällen liegt die Sterblichkeitsrate bei bis zu 15 Prozent. Bei einem Teil der Überlebenden bleibt bleibende Schwerhörigkeit zurück.

impfstoff

Die Erkrankung gilt seit 2018 als WHO-Prioritätserreger für die Impfstoffentwicklung. Das Problem: Die Entwicklung eines Impfstoffs gegen Lassa-Fieber gestaltet sich schwierig, weil das Virus genetisch variabel ist und sich die Immunreaktion gegen den entscheidenden Glykoprotein-Komplex (GPC) des Virus schwerer auslösen lässt als bei anderen Erregern. Drei Kandidaten sind aktuell in der klinischen Prüfung, keiner ist zugelassen.

Tollwut ist ein zweites Problem derselben Region: In Westafrika sterben jährlich Tausende Menschen an Tollwut, weil Impfstoffe teuer und schwer zu lagern sind und die Impflogistik unter den Bedingungen schwacher Gesundheitssysteme an ihre Grenzen stößt.

Wie LASSARAB funktioniert

LASSARAB basiert auf einem inaktivierten Tollwutvirus-Vektor, der genetisch so verändert wurde, dass er den Glykoprotein-Komplex des Lassa-Virus exprimiert. Beim Impfen erkennt das Immunsystem sowohl Tollwut-Antigene als auch Lassa-Antigene und bildet Antikörper gegen beide. Ein synthetischer TLR-4-Agonist als Adjuvans verstärkt die Immunantwort zusätzlich.

Das Prinzip hat einen strategischen Vorteil: In Westafrika, wo Lassa und Tollwut beide endemisch sind, könnten mit einer einzigen Impfkampagne beide Erkrankungen bekämpft werden. Die Impflogistik, in vielen Regionen der entscheidende Flaschenhals, würde sich nicht verdoppeln. Zudem ist LASSARAB laut der Nature-Medicine-Publikation der einzige der drei aktuellen Lassa-Kandidaten, der auf einem inaktivierten oder abgeschwächten Virus basiert. Die anderen Kandidaten setzen auf replikationskompetente Vektoren, also lebende, aber abgeschwächte Erreger.

Was die Phase-1-Studie zeigt

Die randomisierte, kontrollierte Studie umfasste 54 gesunde Erwachsene zwischen 18 und 50 Jahren, aufgeteilt in vier Gruppen: drei Dosisgruppen für LASSARAB (niedrig, mittel, hoch) und eine Kontrollgruppe, die einen zugelassenen Tollwut-Impfstoff erhielt. Die Teilnehmer bekamen zwei intramuskuläre Injektionen.

Die Ergebnisse der Interim-Analyse: 61 Tage nach der ersten Dosis hatten 100 Prozent der LASSARAB-Empfänger Lassa-spezifische Antikörper entwickelt. Kein Mitglied der Kontrollgruppe, das nur den Tollwut-Impfstoff erhielt, zeigte Lassa-Antikörper. Gleichzeitig erreichten alle LASSARAB-Geimpften Neutralisierungsantikörper-Werte gegen Tollwut, die den WHO-Schutzschwellenwert übertreffen. Dies entspricht dem Schutzlevel eines regulär zugelassenen Tollwut-Impfstoffs.

Schwerwiegende Nebenwirkungen wurden nicht beobachtet. Die häufigsten Reaktionen waren Schmerzen und Empfindlichkeit an der Injektionsstelle sowie vorübergehende grippeähnliche Symptome, die sich ohne Behandlung zurückbildeten. Dr. Matthias J. Schnell vom Jefferson Center for Vaccines and Pandemic Preparedness, der die Studie leitete, bezeichnete die Ergebnisse als ersten Beweis, dass eine auf inaktiviertem Tollwutvirus basierende Plattform im Menschen eine Lassa-Immunantwort auslösen kann.

Im Vergleich: Impfstoffe gegen andere hämorrhagische Fieber

LASSARAB ist kein Einzelfall. Die Impfstoffentwicklung gegen hämorrhagische Fieber hat in den vergangenen Jahren konkrete Erfolge vorzuweisen, die einen Maßstab setzen.

Ervebo, der einzige zugelassene Ebola-Impfstoff, erhielt im November 2019 die EMA-Zulassung und im Dezember 2019 die FDA-Zulassung. Er basiert auf einem lebenden, replikationskompetenten rVSV-Vektor (rekombinantes Vesikuläres-Stomatitis-Virus) und wurde seit 2018 in über 300.000 Dosen während Ebola-Ausbrüchen eingesetzt. Der Zeitrahmen von ersten klinischen Daten bis zur Zulassung betrug fünf Jahre; der entscheidende Durchbruch war ein Ringimpfungsprogramm in Guinea im Jahr 2015, das in einer Studie eine Wirksamkeit von 100 Prozent zeigte. Dieser Weg ist für LASSARAB der wichtigste Vergleich, weil Ervebo unter ähnlichen epidemiologischen Bedingungen entwickelt wurde und einen verwandten Rhabdovirus-Plattformansatz verfolgt (LASSARAB auf inaktiviertem RABV, Ervebo auf replikationskompetenten rVSV), wenn auch mit unterschiedlichem Funktionsprinzip.

Ein zweites Vergleichsbeispiel: das IAVI-Konsortium entwickelt einen auf replikationskompetenten rVSV-Vektoren basierenden Lassa-Kandidaten. Erste Sicherheits- und Immunogenitätsdaten erschienen 2025 im New England Journal of Medicine. Das IAVI-System unterscheidet sich von LASSARAB methodisch: Es ist ein lebender Vektor ohne Tollwut-Komponente. Beide Kandidaten befinden sich in früher klinischer Entwicklung, ohne dass bereits ein eindeutiger Favorit feststeht.

Wer als Nächstes einsteigen muss

Phase 1 prüft Sicherheit und Immunogenität an gesunden Erwachsenen unter kontrollierten Bedingungen. Die entscheidenden Fragen beantwortet sie nicht: Wie lange hält der Schutz an? Schützt LASSARAB tatsächlich vor einer Erkrankung? Wie reagieren Kinder und ältere Erwachsene, die in Endemiegebieten besonders gefährdet sind?

Der nächste Schritt sind Phase-2-Studien in Nigeria, Sierra Leone, Guinea und Liberia, also dort, wo Lassa-Fieber tatsächlich auftritt. Dafür braucht es zwei Institutionen mit bestehender Kapazität: das Irrua Specialist Teaching Hospital in Nigeria, das seit Jahren klinische Lassa-Forschung durchführt und das Kenema Government Hospital in Sierra Leone, das seit 2005 zu den führenden Forschungsstandorten für Lassa-Fieber gehört.

Das NIAID, das die Studie finanziert, arbeitet daran, Impfstoffe gegen WHO-Prioritätserreger schneller in klinische Studien zu bringen. Wenn eine Phase-2-Finanzierung für LASSARAB gesichert wird und die Infrastruktur in den Endemiegebieten aufgebaut ist, ist der Zeitrahmen bis zu einem zugelassenen Impfstoff realistisch auf acht bis zehn Jahre zu schätzen. Das ist lang. Für eine Bevölkerung, in der Lassa-Fieber seit Jahrzehnten ohne Gegenmittel wütet, ist es ein Anfang.

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