Müttersterblichkeit weltweit seit 2000 um 40 Prozent gesunken
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Müttersterblichkeit weltweit seit 2000 um 40 Prozent gesunken

Seit 2000 ist die Zahl der Frauen, die an Komplikationen von Schwangerschaft und Geburt sterben, weltweit um rund 40 Prozent gesunken. UN-Zahlen und eine Studie in The Lancet Global Health zeigen, was den Fortschritt trägt und warum Hilfskürzungen ihn bedrohen.

Quellen (11)
  1. WHO: Hilfskürzungen bedrohen fragilen Fortschrittwho.int
  2. UNICEF DATA: Müttersterblichkeitsraten und Statistikendata.unicef.org
  3. UNICEF DATA: Trends in Müttersterblichkeit 2000 bis 2023data.unicef.org
  4. UNFPA: Trends in Maternal Mortality 2000-2023unfpa.org
  5. The Lancet Global Health: Ursachen des Rückgangs 2000-2023thelancet.com
  6. PMC: Decomposition analysis maternal mortality 2000-2023 (Volltext mit Ländertabelle)pmc.ncbi.nlm.nih.gov
  7. UNICEF: Hilfskürzungen gefährden Fortschritt bei Müttersterblichkeitunicef.org
  8. WHO: Faktenblatt Müttersterblichkeitwho.int
  9. Weltbank: Müttersterbefälle Nigeria, Indien, DR Kongo (UN-Schätzungen)data.worldbank.org
  10. Weltbank: Gesundheitsausgaben pro Kopf Äthiopiendata.worldbank.org
  11. Health Policy and Planning: USAID-Rückzug und Müttersterblichkeit in sechs Ländernpmc.ncbi.nlm.nih.gov
27. September 2026, 11:37 Uhr1047 Wörter · 6 Min. Lesezeit

Jedes Jahr sterben Hunderttausende Frauen an Komplikationen während der Schwangerschaft oder Geburt, obwohl sich die meisten dieser Todesfälle mit bekannten medizinischen Mitteln verhindern ließen. Seit 2000 ist ihre Zahl weltweit um rund 40 Prozent gesunken: 2023 starben etwa 260.000 Frauen, gegenüber 443.000 zur Jahrtausendwende. Das zeigen die jüngsten Schätzungen der Vereinten Nationen, erstellt von WHO, UNICEF, UNFPA, Weltbank und UN-Bevölkerungsabteilung und veröffentlicht am 7. April 2025 zum Weltgesundheitstag. Sie zeigen auch, warum der Fortschritt in Gefahr ist.

Wie weit die Welt gekommen ist

Die globale Müttersterblichkeitsrate sank von 328 auf 197 Todesfälle pro 100.000 Lebendgeburten zwischen 2000 und 2023. Erstmals wurde laut UNFPA keine Weltregion mehr mit einer „sehr hohen“ Rate eingestuft und kein Land mehr mit einer „extrem hohen“. In absoluten Zahlen bedeutet der Rückgang: 2023 starb etwa alle zwei Minuten eine Frau an den Folgen von Schwangerschaft und Geburt, im Jahr 2000 war es rechnerisch etwa alle 70 Sekunden eine.

Trotzdem bleibt die Last extrem ungleich verteilt. Subsahara-Afrika trägt nach wie vor rund 70 Prozent aller weltweiten Müttersterbefälle, obwohl die Region ihre Rate seit 2000 ebenfalls um rund 40 Prozent gesenkt hat. Das Lebensrisiko für ein heute 15-jähriges Mädchen, irgendwann an Geburtskomplikationen zu sterben, liegt im Tschad und der Zentralafrikanischen Republik bei eins zu 24, in Nigeria bei eins zu 25, in Somalia bei eins zu 30. In Ländern mit Konflikten oder fragilen Institutionen liegt es im Schnitt bei eins zu 51, in stabileren Ländern bei eins zu 593.

Die Coronapandemie hinterließ 2021 eine deutliche Spur: Die Zahl der Müttersterbefälle stieg um rund 40.000 von 282.000 auf 322.000, verursacht durch direkte COVID-Komplikationen und unterbrochene Geburtsversorgung. Inzwischen ist die Sterblichkeit laut UNFPA wieder auf den Trend vor der Pandemie zurückgekehrt.

Was den Rückgang antreibt

Eine Analyse in The Lancet Global Health schlüsselt auf, welche Faktoren den globalen Rückgang erklären. Demnach gehen 61,2 Prozent der Reduktion auf verbesserte Geburtsversorgung zurück, 38,8 Prozent auf sinkende Geburtenraten.

Der sichtbarste Indikator für bessere Geburtsversorgung ist der Anteil professionell begleiteter Geburten: Er stieg laut der Studie von 60,8 Prozent im Jahr 2000 auf 86,0 Prozent im Jahr 2023. Die häufigsten Todesursachen, Blutungen, Bluthochdruckerkrankungen in der Schwangerschaft, Sepsis, Geburtsstillstand und Komplikationen unsicherer Abbrüche, erfordern nach Angaben der Autoren eine geburtshilfliche Grundversorgung und Notfallversorgung. Mehrere Länder führten zudem Misoprostol gegen Nachgeburtsblutungen bei Hausgeburten ein. Andere setzten Partogramme ein, um verlängerte Geburten früh zu erkennen.

Auch Verhütung hat direkten Einfluss. Laut der Lancet-Studie verhinderte die gestiegene Verhütungsrate allein 2023 rund 77.400 Müttertode, nach Rechnung der Autoren etwa 24 Prozent der Müttertode. Weniger Schwangerschaften bedeuten demnach auch weniger unsichere Abbrüche und weniger dicht aufeinanderfolgende Geburten. Der Anteil verheirateter oder in Partnerschaft lebender Frauen, die verhüten, stieg laut der Studie allerdings nur mäßig von 55 auf 64 Prozent.

Im Vergleich: Länder mit dem größten Sprung

Drei Länder zeigen, was möglich ist, wenn die Geburtsversorgung ausgebaut wird. In Ruanda sank die Müttersterblichkeitsrate nach den UN-Schätzungen von 885 auf 229 Todesfälle pro 100.000 Geburten zwischen 2000 und 2023, ein Rückgang um rund 74 Prozent. Knapp drei Viertel der vermiedenen Todesfälle gehen laut der Lancet-Studie dort auf bessere Geburtsversorgung zurück, gut ein Viertel auf sinkende Geburtenraten.

Bangladesch gelang im selben Zeitraum ein ähnlicher Sprung: von 523 auf 115 Todesfälle pro 100.000 Geburten, ein Minus von rund 78 Prozent. Die Aufteilung ist fast identisch: 74,9 Prozent des Rückgangs entfallen laut der Studie auf bessere Versorgung, 25,1 Prozent auf weniger Geburten.

Äthiopien senkte die Rate von 870 auf 195 Todesfälle pro 100.000 Geburten, ebenfalls um rund 78 Prozent. Das gelang bei Gesundheitsausgaben von rund 35 US-Dollar pro Kopf im Jahr 2023. Zum Vergleich: Weltweit sank die Rate im selben Zeitraum um 40 Prozent. Alle drei Länder kamen also fast doppelt so schnell voran wie der globale Durchschnitt.

Wo die Lücken bleiben

Die meisten Müttertode gelten laut WHO als vermeidbar, weil die medizinischen Mittel zur Vorbeugung und Behandlung der Komplikationen gut bekannt sind. Nigeria zeigt, wie groß die Lücke dennoch ist: Dort starben 2023 nach UN-Schätzung rund 75.000 Frauen an Geburtskomplikationen, rechnerisch etwa 205 pro Tag. Das ist mehr als in jedem anderen Land und fast viermal so viel wie in Indien oder der Demokratischen Republik Kongo mit je rund 19.000. Die Rate fiel dort seit 2000 nur von 1.136 auf 993. Dieser Rückgang geht laut der Lancet-Studie zu 70,3 Prozent auf sinkende Geburtenraten zurück, nicht auf bessere Versorgung.

Fünf Regionen verzeichnen seit 2015 eine Stagnation: Nordafrika und Westasien, Ost- und Südostasien, Ozeanien (ohne Australien und Neuseeland), Europa und Nordamerika sowie Lateinamerika und die Karibik. Deutliche Rückgänge nach 2015 gab es nur in drei UN-Regionen: Subsahara-Afrika, Australien und Neuseeland sowie Zentralasien und Südasien.

1,5 statt 15 Prozent: Das SDG-Ziel und die Gefahr der Hilfskürzungen

Das Nachhaltige Entwicklungsziel 3.1 der Vereinten Nationen lautet: bis 2030 die Müttersterblichkeitsrate auf unter 70 Todesfälle pro 100.000 Geburten zu senken. Aktuell liegt sie bei 197. Für das Ziel wäre eine jährliche Reduktion von fast 15 Prozent notwendig. Tatsächlich sinkt die Rate laut UNICEF seit 2016 nur um 1,5 Prozent pro Jahr, also um ein Zehntel des Nötigen.

Als der Bericht im April 2025 erschien, trafen Kürzungen der humanitären Hilfe bereits genau jene Programme, die den bisherigen Fortschritt getragen haben. UNICEF-Exekutivdirektorin Catherine Russell erklärte damals: „Globale Finanzierungskürzungen für Gesundheitsdienste setzen mehr Schwangere einem Risiko aus, besonders in den fragilsten Regionen.“ Die UN-Organisationen berichteten von geschlossenen Gesundheitseinrichtungen, dem Verlust von Fachkräften und unterbrochenen Lieferketten, etwa für Behandlungen gegen Blutungen, Präeklampsie und Malaria, allesamt führende Ursachen von Müttertoden.

Wie groß die Folgen sein könnten, hat eine Modellrechnung in der Fachzeitschrift Health Policy and Planning vom März 2026 abgeschätzt. Die US-Regierung hatte im Januar 2025 die meisten Programme ihrer Entwicklungsbehörde USAID ausgesetzt und später beendet. Für Menschen in humanitärer Not in sechs Ländern West- und Zentralafrikas, darunter Nigeria, Tschad und Niger, ergibt die Studie rund 1.000 zusätzliche Müttertode in einem Jahr, im Schnitt 45 Prozent mehr. Der Autor versteht das ausdrücklich als bedingte Schätzung für den Fall, dass kein anderer Geldgeber einspringt, nicht als Prognose.

WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus betonte, dass Lösungen existieren, um die Komplikationen zu verhindern und zu behandeln, die die überwiegende Mehrheit der Müttertode verursachen. Die UN-Organisationen warnen dennoch vor einem erheblichen Rückschritt. Das SDG-Ziel für 2030 war schon vor den Kürzungen außer Reichweite. Die Autoren der Lancet-Studie erwarten, dass die Auflösung von USAID den Fortschritt zusätzlich gefährdet.

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