Trumps Schießbefehl: Hormus-Krise eskaliert weiter
Trump hat am Donnerstag per Truth Social das bislang schärfste verbale Ultimatum des Hormus-Konflikts gesetzt: Die US-Marine solle "jedes Boot beschießen und töten", das Minen in der Meerenge verlegt. "Es ist keinerlei Zögern erlaubt", schrieb der Präsident. Gleichzeitig gaben US-Streitkräfte die Beschlagnahmung eines weiteren iranisch verbundenen Öltankers im Indischen Ozean bekannt. Beide Seiten eskalieren täglich, während die Waffenruhe formal weiter gilt.
Trumps Direktive: Beschießen und töten
In zwei Beiträgen auf Truth Social am Donnerstagmorgen setzte Trump den schärfsten öffentlichen Ton seit Beginn des Konflikts. Der erste Befehl: Die US-Marine solle gegen Boote vorgehen, die Minen in der Straße von Hormus verlegen. Im Wortlaut: "Ich habe der United States Navy befohlen, jedes Boot zu beschießen und zu töten, wie klein es auch sei, das Minen in die Gewässer der Straße von Hormus legt. Es ist keinerlei Zögern erlaubt." Der zweite Beitrag: Die USA hätten vollständige Kontrolle über die Meerenge, kein Schiff könne ohne Genehmigung der Marine einfahren oder ausfahren. "Sie ist bis auf Weiteres abgedichtet", schrieb Trump, "bis Iran in der Lage ist, einen DEAL zu schließen."
Der Schießbefehl richtet sich konkret gegen Minenlegeboote, nicht gegen iranische Kriegsschiffe allgemein. Seit Wochen versuchen US-Minenräumfahrzeuge, die durch iranische Seeminen gefährliche Meerenge zu räumen. Das Pentagon hatte dem Kongress mitgeteilt, die vollständige Räumung könne selbst bei sofortigem Waffenstillstand sechs Monate dauern. Trump ordnete an, den Minenräumeinsatz auf das Dreifache zu steigern. Das Pentagon konkretisierte die Direktive nicht. Ein Sprecher sagte, die Aufgabe der USA bestehe darin, "illegale Netzwerke zu stören und Schiffe zu beschlagnahmen, die Iran materiell unterstützen, wo auch immer sie operieren".
Dritter Tanker in fünf Tagen
Zeitgleich mit diesen Posts auf Truth Social gaben US-Streitkräfte die Beschlagnahmung des Öltankers Majestic X bekannt. Das unter guyanischer Flagge fahrende Schiff, das früher unter dem Namen Phonix registriert war, befand sich im Indischen Ozean zwischen Sri Lanka und Indonesien, auf dem Weg nach Zhoushan in China. Das US-Finanzministerium hatte den Tanker bereits im Dezember 2024 wegen Beteiligung am iranischen Ölschmuggel mit OFAC-Sanktionen belegt.
Es ist die dritte Beschlagnahmung eines iranisch verbundenen Schiffes innerhalb von fünf Tagen. Am 19. April brachten US-Kräfte das Frachtschiff Touska im Golf von Oman auf, am 21. April den Tanker M/T Tifani mit fast zwei Millionen Barrel iranischem Rohöl im Golf von Bengalen. Die geografische Reichweite der US-Operationen weitet sich dabei aus: Während frühere Beschlagnahmungen vor der Küste Omans oder im Golf von Bengalen stattfanden, wurde die Majestic X zwischen Sri Lanka und Indonesien aufgebracht, also in Gewässern, die erheblich näher an Chinas Küsten liegen. China ist der Hauptabnehmer von iranischem Öl, das die sogenannte Schattenflotte transportiert.
Irans Position: Keine Gespräche ohne Blockadeende
Auf die jüngste Beschlagnahmung reagierte Teheran nicht unmittelbar. Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf, der zuletzt die iranische Verhandlungsdelegation in Islamabad geführt hatte, hatte am Vortag klargestellt: Eine Wiedereröffnung der Straße von Hormus sei "unmöglich", solange die US-Seeblockade iranischer Häfen fortbestehe. Präsident Masud Peseschkian bezeichnete "Bösgläubigkeit, Belagerung und Drohungen" als die eigentlichen Hindernisse. Die Islamische Revolutionsgarde veröffentlichte derweil Videoaufnahmen der Beschlagnahmung der Containerschiffe MSC Francesca und Epaminondas vom Mittwoch und bezeichnete die anhaltende US-Seeblockade als "flagrante Verletzung" der Waffenruhe.
Die USA sehen ihre Blockadestrategie nicht als Waffenstillstandsbruch. Washington versteht die Beschlagnahmungen als Durchsetzung bestehender Sanktionen, nicht als militärische Aktion. Teheran hält die Unterscheidung für eine Schutzbehauptung: Eine Blockade iranischer Häfen sei unabhängig von ihrer rechtlichen Einordnung ein Kriegsakt.
Waffenruhe ohne Inhalt
Die Waffenruhe wurde am 8. April unter pakistanischer Vermittlung vereinbart. Trump verlängerte sie am Dienstag einseitig, ohne ein neues Enddatum zu nennen. Sie unterbindet direkte Militärschläge zwischen US- und iranischen Streitkräften, nicht aber Schiffsbeschlagnahmungen, Minenangriffe und die anhaltende Wirtschaftsblockade iranischer Häfen.
Das Ergebnis ist ein Konflikt, der täglich eskaliert, formal aber im Waffenstillstand steckt. Für den globalen Ölhandel hat das konkrete Folgen: Durch die Straße von Hormus fließen in Friedenszeiten rund 20 Prozent des weltweiten Ölangebots. Der anhaltende Konflikt hat den regulären Schiffsverkehr durch die Meerenge praktisch zum Erliegen gebracht. Die Gespräche in Islamabad, auf die beide Seiten gehofft hatten, scheiterten nach 21 Stunden. Vizepräsident JD Vance und Ghalibaf trennten sich ohne Einigung. Eine neue Verhandlungsrunde ist weder angekündigt noch terminiert.
Was als Nächstes kommt
Trumps "Shoot and kill"-Direktive ist keine neue Regel des Krieges, sondern Rhetorik, die bestehende Militärpolitik mit maximaler Schärfe formuliert. Die US-Marine hat bisher keine Minen-Schnellboote beschossen. Die Direktive signalisiert jedoch, dass Washington bereit wäre, dies zu tun, wenn das Pentagon es für notwendig hält.
Iran hat nach den jüngsten Beschlagnahmungen angekündigt, den UN-Sicherheitsrat anzurufen. Eine Resolution ist dort wegen des US-amerikanischen Vetorechts nicht durchsetzbar. Ob Pakistan eine neue Vermittlungsrunde organisieren kann oder will, ist offen. Was den weiteren Verlauf bestimmt, ist das Tempo, mit dem beide Seiten weiter Schiffe aufbringen: Jede neue Beschlagnahmung verengt den Spielraum für Verhandlungen.
Aktualisierungen
Update 23. April, 21:03 Uhr: Am Donnerstagabend bestätigten US-Streitkräfte die Ankunft des dritten amerikanischen Flugzeugträgers in der CENTCOM-Region: Die USS George H.W. Bush und ihre Trägerkampfgruppe aus vier Zerstörern haben ihren Dienst aufgenommen. Zum ersten Mal seit dem Irakkrieg 2003 operieren damit drei US-Flugzeugträger gleichzeitig im Nahen Osten. Das Schiff nahm zur Umgehung gefährlicher Passagen im Roten Meer eine ungewöhnliche Route um das Kap der Guten Hoffnung. Parallel dazu aktivierte Iran Luftabwehrsysteme in mehreren Teheraner Stadtteilen, nachdem iranische Medien kleine Drohnen über der Hauptstadt gemeldet hatten. Irans Zentralbank bestätigte zudem erstmals offiziell Einnahmen aus Transitgebühren für Hormuspassagen: Schiffe hatten ab dem 4. April Gebühren von bis zu zwei Millionen Dollar pro Fahrt entrichtet. Die USA drohten daraufhin mit der Beschlagnahmung aller Schiffe, die diese Gebühren an Teheran gezahlt haben.