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Wirtschaft
Porsche: Erste Nullrunde seit fast zwei Jahrzehnten

Porsche: Erste Nullrunde seit fast zwei Jahrzehnten

Porsche zahlt seinen Mitarbeitern für das Geschäftsjahr 2025 keine Prämie. Es ist die erste Nullrunde seit mindestens 2007. Nach einem Gewinneinbruch von 91 Prozent auf 310 Millionen Euro und Abschreibungen von 3,9 Milliarden Euro symbolisiert die Entscheidung die Tiefe der Krise beim erfolgreichsten deutschen Premiumhersteller.

23. April 2026, 20:32 Uhr 762 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Porsche zahlt seinen Mitarbeitern für das Geschäftsjahr 2025 keine Prämie. Es ist die erste Nullrunde seit mindestens 2007 beim Stuttgarter Sportwagenbauer, der in Spitzenjahren bis zu 9.690 Euro pro Beschäftigtem ausschüttete. Hinter der Entscheidung steckt ein Gewinneinbruch von 91 Prozent: Porsche hat 2025 nur noch 310 Millionen Euro verdient, nach 3,6 Milliarden Euro im Vorjahr. Auch der Vorstand geht ohne Jahresbonus aus.

Fast drei Jahrzehnte ohne Nullrunde

Porsches Bonussystem für Tarifmitarbeiter besteht seit 1997. In fast drei Jahrzehnten war jedes Geschäftsjahr profitabel genug für eine Prämie. Selbst in der Finanzkrise 2008/09 und der Coronapandemie 2020 schüttete das Unternehmen Boni aus. Der Verfall der Zahlen über die letzten Jahre ist dabei klar dokumentiert: Für das Spitzenjahr 2022 gab es bis zu 9.690 Euro pro Beschäftigtem. Für 2023 sank die Prämie auf bis zu 5.250 Euro, weil der Konzerngewinn bereits um gut 30 Prozent gefallen war. Jetzt, für 2025, ist es null.

CEO Michael Leiters, der seit Januar 2026 das Unternehmen führt, spricht von "sehr schwierigen Marktbedingungen" auch für das laufende Jahr. Das ist kein Managementeuphemismus. Die Zahlen belegen es.

Warum 2025 so schlecht war

Der größte Einzelfaktor sind Abschreibungen. Porsche musste 2025 rund 3,9 Milliarden Euro abschreiben, weil das Unternehmen die Laufzeit seiner Verbrennermodelle verlängert hat. Hintergrund ist der schleppende Absatz der Elektromodelle: Der Porsche Taycan, das vollelektrische Flaggschiff der Marke, fand erheblich weniger Käufer als geplant. Weil die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen in diesem Preissegment hinter den Erwartungen zurückblieb, entschied Porsche, die Verbrennermodellreihen fortzuentwickeln. Diese Entscheidung war teuer.

Hinzu kommen externe Belastungen. Das Chinageschäft stagniert: Chinesische Käufer wenden sich zunehmend heimischen Herstellern zu, die hochwertige Elektrofahrzeuge zu deutlich niedrigeren Preisen anbieten. US-Zölle auf europäische Autos, die seit Anfang 2025 gelten, verteuern den Export in den wichtigen nordamerikanischen Markt. Der Umsatz des Konzerns sank 2025 um fast zehn Prozent auf rund 36,3 Milliarden Euro. Der operative Gewinn brach um 92,7 Prozent auf 413 Millionen Euro ein; im Kerngeschäft ohne Finanzdienstleistungen lag er sogar nur bei 90 Millionen Euro.

Porsche trifft es am härtesten

Im direkten Vergleich mit der deutschen Konkurrenz ist Porsches Einschnitt besonders markant. Mercedes-Benz zahlt seinen Mitarbeitern für 2025 bis zu 3.139 Euro Prämie. Volkswagen schüttet 1.250 Euro aus. Auch BMW und Audi zahlen ihren Beschäftigten Erfolgsbeteiligungen. Die Nullrunde bei Porsche ist damit kein Branchensignal, sondern ein unternehmensinternes Krisenzeichen.

Das hat mit der Fallhöhe zu tun. Keine andere Marke im Volkswagen-Konzern hat in der vergangenen Dekade so konstant hohe Margen erzielt wie Porsche. In Spitzenjahren lag die operative Rendite bei über 17 Prozent; der internationale Branchendurchschnitt liegt bei sechs bis acht Prozent. Ein Unternehmen, das so hoch gestiegen ist, fällt tiefer, wenn es fällt.

Porsches Lage illustriert das Kerndilemma der deutschen Premiumhersteller: Der Übergang zur Elektromobilität ist teurer als geplant und dauert länger als erhofft. Die neuen Geschäftsmodelle funktionieren noch nicht vollständig, während die alten unter wachsendem Druck stehen. Das kostet Milliarden, ohne kurzfristigen Ertrag zu bringen. Porsche hat in den Jahren zuvor extrem hohe Boni gezahlt, weil die Margen es erlaubten. Was die Strategie der vergangenen Planungszyklen jetzt an die Oberfläche bringt, sind die Kosten von Entscheidungen, die viele Jahre zurückliegen.

Was als Nächstes kommt

Für 2026 peilt Porsche eine Konzernumsatzrendite von 5,5 bis 7,5 Prozent an. Das ist ein Wert, mit dem das Unternehmen ein Jahrzehnt zuvor sehr unzufrieden gewesen wäre. Ob dieser Korridor erreichbar ist, hängt maßgeblich von der Entwicklung in China und den USA sowie vom Absatz der Elektromodelle ab. Über mögliche Stellenabbaumaßnahmen hat CEO Leiters keine Aussagen gemacht. Wie lange die Nullrunde anhält und wann die Beschäftigten wieder mit Prämien rechnen können, ist derzeit offen. Der Betriebsrat hat sich zu der Entscheidung bislang nicht öffentlich geäußert.

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