Iran legt Friedensplan vor: Trump weist ihn zurück
Iran hat dem US-Präsidenten über pakistanische Vermittler einen 14-Punkte-Friedensplan vorgelegt. Donald Trump wies das Angebot am Freitag zurück und ließ militärische Optionen zur Wiederaufnahme der Kämpfe prüfen. Der Kernstreit bleibt ungelöst: Iran will die Hormus-Straße erst öffnen, wenn die Atomgespräche nach Kriegsende beginnen. Die USA wollen beides gleichzeitig verhandeln.
Der Plan und sein Scheitern
Irans Verhandler übergaben den 14-Punkte-Plan am Donnerstagabend über Pakistan an die US-Seite. Was genau darin steht, wurde nicht vollständig veröffentlicht. Bekannt ist: Iran bietet eine stufenweise Öffnung der Hormus-Straße an, verschiebt dabei jedoch Verhandlungen über sein Atomprogramm und seine Raketenkräfte auf einen späteren Zeitpunkt. Das ist der Kern des Streits seit Kriegsbeginn am 28. Februar.
Trump ließ wenig Zweideutigkeit über seine Haltung. "Sie verlangen Dinge, denen ich nicht zustimmen kann", sagte er am Freitag vor Journalisten im Weißen Haus, ohne Details zu nennen. Er verwies auf laufende militärische Planungen für den Fall eines endgültigen Scheiterns der Gespräche und formulierte eine direkte Drohung: Er werde Iran "wegblasen", wenn keine Einigung erzielt werde.
Irans Außenminister Abbas Araghchi hatte vor Übergabe des Plans in mehreren Interviews klargestellt, dass Atomgespräche erst nach Beendigung der Blockade möglich seien. Diese Position vertritt Teheran seit Kriegsbeginn ohne Abweichung. Die 14-Punkte-Auflistung, die ein iranischer Außenministeriumssprecher als "konstruktiv und realistisch" bezeichnete, hält nach allem was bekannt ist an dieser Grundbedingung fest. Die Vereinigten Staaten verlangen das Gegenteil: Atomgespräche und Hormus-Öffnung müssen gleichzeitig stattfinden, nicht nacheinander.
Die zweite Front im Libanon
Während die USA mit Iran verhandeln, führt ihr engster Verbündeter Israel eine parallele Militäroffensive im Libanon durch, die den US-vermittelten Waffenstillstand von Mitte April de facto untergräbt. Am 1. Mai wurden nach Angaben der libanesischen Nachrichtenagentur NNA mindestens 32 Menschen bei israelischen Angriffen im Südlibanon getötet, darunter Frauen und Kinder. Libanesischer Präsident Joseph Aoun nannte die Angriffe "anhaltende Verletzungen" des Abkommens.
Seit März 2026 wurden nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums 2.618 Menschen bei israelischen Angriffen getötet und 8.094 weitere verletzt. Premierminister Benjamin Netanyahu hatte öffentlich angekündigt, eine "Pufferzone" im Südlibanon schaffen zu wollen. Die USA haben bislang keine öffentliche Kritik an diesen Angriffen geübt, obwohl sie den Waffenstillstand ausgehandelt und mehrfach verlängert hatten.
Das ergibt eine schwer auflösbare Widerspruchslage: Die USA verhandeln Frieden mit Iran auf der einen Seite und schweigen zu israelischen Angriffen auf Libanon auf der anderen. Für Teheran ist das ein Argument, amerikanischen Friedensversprechen zu misstrauen. Iran hat wiederholt erklärt, Israels Vorgehen im Libanon mache echte Verhandlungen unmöglich, solange Washington dazu schweige.
Hormus und die Weltenergiemärkte
Die anhaltende Blockade der Hormus-Straße bleibt der teuerste Aspekt des Konflikts für die Weltwirtschaft. Brentöl notiert bei rund 111 Dollar pro Barrel, 54 Prozent über dem Niveau vor Kriegsbeginn im Februar. Das ifo-Institut hat seine Wachstumsprognose für Deutschland auf 0,6 Prozent gesenkt. Laut einer Umfrage des DIHK berichten 87 Prozent der deutschen Industrieunternehmen von direkten Auswirkungen auf Produktion und Lieferketten.
Die Vereinigten Arabischen Emirate hatten im April ihren Austritt aus der OPEC und der OPEC+ angekündigt, eine Reaktion auf die wirtschaftliche Unsicherheit durch den Hormus-Konflikt. Für die Emirate ist die Straße existenziell: Es gibt keinen anderen Exportweg für ihr Öl. Die Internationale Energieagentur schätzt, dass seit Kriegsbeginn täglich rund 2,5 Millionen Barrel Öl weniger durch die Straße fließen als zuvor.
Was als Nächstes passiert
Pakistan hat nach der Übergabe des Plans signalisiert, als Vermittler weiter zur Verfügung zu stehen. Eine öffentliche Reaktion des Weißen Hauses auf die Einzelpunkte des iranischen Plans ist nicht bekannt. Trump hat keine Verhandlungsfrist genannt.
Für Iran birgt die Situation eine gewisse strategische Ruhe: Jede weitere Woche ohne Einigung ist eine weitere Woche, in der die War-Powers-Frist formell abläuft und Kongress sowie Gerichte über die rechtliche Grundlage des Krieges streiten. Das entlastet Teheran von militärischem Druck, der seine Verhandlungsposition schwächen könnte. Trump wiederum steht vor der Wahl zwischen einem Kompromiss, den er innenpolitisch als Niederlage verkaufen müsste und einer militärischen Eskalation, deren Kosten und Ausgang schwer kalkulierbar sind. Wenn Iran und USA ihre Positionen nicht aufgeben, entscheidet letztlich die Erschöpfung, wer als Erstes nachgibt.