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International
Pentagon zieht 5.000 Soldaten aus Deutschland ab

Pentagon zieht 5.000 Soldaten aus Deutschland ab

US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hat den Abzug von 5.000 US-Soldaten aus Deutschland angeordnet. Der Schritt folgt unmittelbar auf öffentliche Kritik von Kanzler Merz an Trumps Irankriegsstrategie und verschärft die transatlantische Krise.

2. Mai 2026, 6:59 Uhr 768 Wörter · 4 Min. Lesezeit

US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hat am Donnerstag den Abzug von 5.000 US-Soldaten aus Deutschland angeordnet. Das Pentagon bestätigte, der Abzug solle innerhalb von sechs bis zwölf Monaten abgeschlossen sein und betreffe ein komplettes Brigadenkampfteam. Der Schritt folgt unmittelbar auf öffentliche Kritik von Bundeskanzler Friedrich Merz an Trumps Strategie im Irankrieg und markiert den ersten konkreten Vollzug einer Drohung, die Trump in dieser Woche erstmals ausgesprochen hatte.

Von der Drohung zum Befehl

Noch am Mittwoch hatte Trump auf Truth Social angekündigt, die USA prüften eine mögliche Reduzierung der Truppen in Deutschland, eine Entscheidung solle "in Kürze" fallen. Weniger als 48 Stunden später ist aus der Prüfung ein Befehl geworden. Der Auslöser war öffentlich: Bundeskanzler Merz hatte bei einem Schulbesuch im sauerländischen Marsberg gesagt, die USA seien "ohne jegliche Strategie" in den Irankrieg gegangen. Trump antwortete auf Truth Social, Merz habe "keine Ahnung", wovon er spreche.

Außenminister Johann Wadephul hatte bereits am Donnerstag signalisiert, Deutschland sei auf einen möglichen Abzug vorbereitet. Seine Reaktion war strategisch kalkuliert: Sie entzog Trump die Möglichkeit, die Bundesregierung öffentlich zu überraschen und signalisierte NATO-Partnern, dass Berlin eine gewisse strategische Eigenständigkeit anstrebt.

In Deutschland sind derzeit rund 39.000 US-Soldaten stationiert, mehr als vor dem Irankrieg. Die Zahl war seit Dezember 2025 gestiegen, als zusätzliche Truppenteile im Zusammenhang mit dem Konflikt verlegt wurden. Die größte Konzentration liegt in der Pfalz rund um die Luftwaffenbasis Ramstein, die als zentrales Drehkreuz für US-Militärtransporte nach Europa und den Nahen Osten dient.

Was ein Brigadenkampfteam bedeutet

Ein Brigadenkampfteam (Brigade Combat Team) umfasst je nach Ausrüstung 3.000 bis 5.000 Soldaten, Kampfpanzer, gepanzerte Fahrzeuge, Artillerieeinheiten und Unterstützungskräfte. Es handelt sich um eine eigenständige Gefechtsgruppe, die autark operieren kann. Die Reduktion verringert die NATO-Reaktionsfähigkeit an der Ostflanke direkt, auch wenn das Pentagon dies öffentlich bestreiten wird.

Das Pentagon betonte ausdrücklich, der Abzug betreffe nicht das Landstuhl Regional Medical Center, in dem verwundete US-Soldaten behandelt werden. Landstuhl ist eines der größten US-Militärkrankenhäuser außerhalb der USA. Die ausdrückliche Ausnahme ist eine Beruhigungsbotschaft: Die humanitäre Infrastruktur des Bündnisses bleibt unberührt.

Trumps Strategie oder Trumps Reaktion?

Was auf den ersten Blick wie ein impulsiver Vergeltungsschlag wirkt, passt in eine längere Agenda. Trump hat seit seiner ersten Amtszeit die Position vertreten, europäische NATO-Partner zahlten zu wenig für ihre Verteidigung und betrachteten die USA als selbstverständliche Sicherheitsgarantie. Die konkrete Zahl von 5.000 Soldaten, das Zeitfenster von sechs bis zwölf Monaten und die Benennung eines Brigadenkampfteams sprechen für einen Schritt, der vorbereitet war, aber durch Merz' Kritik ausgelöst oder vorgezogen wurde.

Das unterscheidet diese Ankündigung von früheren Trump-Drohungen, die oft rhetorischer Natur blieben: Hegseth hat einen Befehl erteilt, nicht lediglich eine Prüfung angekündigt. Für die Bundesregierung ist das eine andere Qualität der Herausforderung.

Was das für Deutschland und die NATO bedeutet

Die NATO-Ostflanke reicht von den baltischen Staaten über Polen bis Rumänien. Deutschland ist dabei nicht nur ein Partnerland, sondern die Drehscheibe: Verstärkungen für die Ostflanke passieren über deutsche Basen, Logistik läuft über deutschen Boden. Ein Truppenabzug aus Deutschland schwächt diese Funktion direkt.

Für die Bundesregierung beschleunigt die Entwicklung eine Diskussion, die nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine 2022 begonnen hatte: Wie eigenständig kann und muss Deutschland verteidigungspolitisch werden? Das Bundeswehr-Sondervermögen von 100 Milliarden Euro, das 2022 beschlossen wurde, war ein erster Schritt. Ob er ausreicht, zeigt sich nun schneller als erwartet.

Was als Nächstes entscheidet

Der Abzug soll laut Pentagon in sechs bis zwölf Monaten abgeschlossen sein. Ob Trump ihn als Druckmittel in Verhandlungen mit Berlin einsetzt oder tatsächlich dauerhaft vollzieht, ist offen. Eine deutliche Erhöhung der deutschen Verteidigungsausgaben oder eine andere Geste der Bereitschaft könnte als Einigungsbasis dienen. Deutschland gibt derzeit rund zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung aus, die NATO-Zielmarke. Trump hat wiederholt drei Prozent als neues Ziel ins Spiel gebracht.

Kanzler Merz hat bisher nicht öffentlich auf den Hegseth-Befehl reagiert. Die Bundesregierung steht vor der Frage, ob sie die Kritik an Trumps Iranstrategie aufrechterhält oder zurückrudert, um den Abzug zu stoppen. Beides hat einen Preis.