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Ukraine trifft Su-57-Jets 1700 km tief in Russland

Ukraine trifft Su-57-Jets 1700 km tief in Russland

Ukrainische Drohnen haben auf dem Flugplatz Schagol im Ural zwei Su-57-Tarnkappenjäger beschädigt. Die Ziele lagen 1.700 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt. Gleichzeitig kündigte Selenskyj die größte Armeereform seit Kriegsbeginn an.

2. Mai 2026, 11:02 Uhr 780 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Ein ukrainischer Drohnenangriff auf den Militärflugplatz Schagol in der russischen Region Tscheljabinsk hat nach Bestätigung durch den ukrainischen Generalstab vier Flugzeuge beschädigt oder zerstört, darunter zwei Su-57-Kampfjets, Russlands einzigen Tarnkappenjägern der fünften Generation. Das Ziel lag rund 1.700 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt. Damit haben ukrainische Drohnen erstmals den Ural als vermeintlich sicheres Hinterland erreicht. Einen Tag nach der Bestätigung des Angriffs kündigte Präsident Wolodymyr Selenskyj die größte Umstrukturierung der ukrainischen Armee seit Kriegsbeginn an.

Der Angriff auf Schagol

In der Nacht vom 24. auf den 25. April griffen Einheiten der Ukrainischen Streitkräfte für Unbemannte Systeme den Militärflugplatz Schagol in der Oblast Tscheljabinsk an, etwa 100 Kilometer südöstlich der Millionenstadt Tscheljabinsk im südlichen Ural. Der Generalstab bestätigte den Einsatz am 1. Mai; Satellitbilder des Aufklärungskanals Exilenova+, aufgenommen am 26. April, zeigen beschädigte Flugzeuge in einem abgesperrten Bereich des Flugplatzes.

Betroffen waren zwei Su-57-Kampfjets, ein Su-34-Kampfbomber sowie ein weiteres Flugzeug unbekannten Typs der Sukhoi-Reihe. Vier Maschinen insgesamt. Russland hat die Treffer bislang weder bestätigt noch kommentiert.

Die strategische Bedeutung liegt in den betroffenen Typen. Die Su-57 ist Russlands einziger einsatzbereiter Kampfjet der fünften Generation, ausgestattet mit Stealth-Technologie, modernem Radar und kurzer Flugeigenschaft für Ausweichmanöver. Nach Schätzungen des ukrainischen Verteidigungsministeriums kostet jedes Exemplar zwischen 100 und 120 Millionen Dollar. Vor Kriegsbeginn hatte Russland weniger als 30 dieser Maschinen in der Truppe. Jede ausgefallene Su-57 ist ein nicht schnell ersetzbarer Verlust in einem Flugzeugprogramm, das selbst in Friedenszeiten unter chronischen Produktionsverzögerungen litt.

Robert "Madyar" Brovdi, Kommandant der Ukrainischen Streitkräfte für Unbemannte Systeme, erklärte nach der Bestätigung: "Jede zerstörte Su-34 bedeutet weniger Luftschläge, gerettete Menschenleben und weniger Druck auf unser Luftabwehrsystem." Der Su-34 ist Russlands wichtigster Kampfbomber mit einer Reichweite von bis zu 1.000 Kilometern, groß genug für Schläge gegen Charkiw, Kiew oder Odessa. Sein Stückpreis liegt bei geschätzten 35 bis 50 Millionen Dollar.

Der Ural als sicheres Hinterland galt als selbstverständlich

1.700 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt übertrifft Schagol die bisher tiefsten bekannten Schläge der Ukraine gegen russische Infrastruktur. Angriffe auf Ölraffinerien in Tatarstan im Jahr 2025 lagen bei rund 1.300 Kilometern. Bis zum Ural galt der russische Hinterlandsgürtel als außerhalb der ukrainischen Reichweite.

Die Konsequenz für die russische Militärplanung ist erheblich. Russland muss jetzt Luftabwehrsysteme, die bislang an der Front oder in Westsibirien stationiert waren, weiter nach innen verlegen. Flugzeuge, die bisher im Ural als sicher galten, müssen auf Plätze fernab der ukrainischen Drohnenreichweite verlagert werden, was die Reaktionszeiten verlängert. Die Zahl der Standorte, die Russland noch als wirklich sicher betrachten kann, schrumpft mit jedem solchen Angriff.

Selenskyj hat die Kapazitäten seiner Drohnenstreitkräfte in den vergangenen Monaten systematisch ausgebaut. Die Zahl der ukrainischen Militäreinheiten mit Bodenrobotern stieg zwischen November 2025 und März 2026 von 67 auf 167. Im März 2026 führten diese Einheiten mehr als 9.000 Kampf- und Logistikmissionen durch. Die Angriffsfähigkeit über mehr als 1.000 Kilometer hat sich parallel dazu entwickelt.

Selenskyjs Armeereform: Sold und Dienstzeit

Am 1. Mai, einen Tag nach Bekanntwerden des Schagol-Angriffs, kündigte Selenskyj eine tiefgreifende Umstrukturierung der Armee an. Kernstück ist der Übergang von unbefristeten zu befristeten Verträgen. Bereits eingezogene Soldaten sollen ab 2026 schrittweise aus dem aktiven Dienst entlassen werden können. "Wir werden die Zahlungen spürbar erhöhen, vor allem die Kampfzuschläge und die Honorierung von Fronterfahrung", sagte Selenskyj.

Die angekündigten Zahlen sind erheblich. Der Grundsold für Soldaten im Hinterland soll um knapp 50 Prozent steigen, auf umgerechnet rund 400 Euro monatlich. Infanteristen an der Front erhalten mehr als das Dreifache der bisherigen Kampfzuschläge; der Frontsold soll auf über 1.900 Euro steigen. Finanziert werden soll das durch den EU-Kredit über 90 Milliarden Euro, den die Europäische Union im April freigegeben hatte und mit dem die Ukraine erstmals direkt ihre eigene Armee finanzieren kann, ohne den Umweg über zivile Haushaltstöpfe.

Zwangsmobilisierung als Hintergrund

Die Reform kommt nicht aus heiterem Himmel. Seit Monaten kursieren in ukrainischen Netzwerken Videos, die Männer zeigen, die auf offener Straße aufgegriffen und zum Dienst gezwungen werden. Viele dieser Soldaten desertieren laut Berichten umgehend. Offizielle Zahlen zur Desertion hat die Ukraine seit Herbst 2024 nicht mehr veröffentlicht. Verteidigungsminister Rustam Umerow hatte im Januar den Auftrag erhalten, die Zwangspraktiken zu beenden.

Der Wechsel zu befristeten Verträgen zielt darauf ab, Freiwilligkeit zum Regelfall zu machen. Wer weiß, wann sein Dienst endet, hat einen anderen Anreiz zum Einrücken als jemand, dem ein Ende des Dienstes nicht in Aussicht steht. Die höheren Löhne sollen den wirtschaftlichen Anreiz schaffen, der bislang fehlte. Ob das reicht, um den Personalbedarf der Armee ohne Zwang zu decken, wird die Umsetzung zeigen.

Ausblick

Wie schwer die getroffenen Flugzeuge in Schagol beschädigt wurden, ist aus den bisher verfügbaren Satellitenbildern nicht eindeutig abzulesen. Russland wird keine offiziellen Zahlen nennen. Das ukrainische Parlament muss die gesetzlichen Grundlagen für die Armeereform schaffen; eine Abstimmung über die entsprechenden Gesetze ist für die kommenden Wochen geplant. Die Sold-Erhöhungen sollen noch im Lauf des Jahres 2026 wirksam werden.