Iran greift VAE an: Waffenruhe faktisch gebrochen
Iran beschoss die Vereinigten Arabischen Emirate am Montag mit 19 Raketen und Drohnen und löste damit den schwersten Angriff auf ein Nicht-Kriegsland seit der Waffenruhe vom 8. April aus. Eine Drohne traf die Ölanlage Fudschaira und verursachte einen Großbrand; drei indische Staatsbürger wurden verletzt. Das emiratische Außenministerium sprach von "terroristischen, unprovozierten Angriffen auf Zivilinfrastruktur". Irans Außenminister Abbas Araghchi erklärte währenddessen, die Friedensgespräche machten Fortschritte.
19 Geschosse auf die VAE in einer Nacht
Die emiratischen Luftabwehrsysteme fingen nach Angaben der Streitkräfte zwölf ballistische Raketen, drei Marschflugkörper und vier Drohnen ab. Eine Drohne durchbrach dennoch die Verteidigung und traf den Industriehafen Fudschaira, den größten Umschlagplatz für emiratisches Rohöl außerhalb der Straße von Hormus. Ein Großbrand brach aus, drei indische Staatsbürger kamen mit mittelschweren Verletzungen ins Krankenhaus. Es ist der erste direkte Angriff auf die VAE seit Beginn der Waffenruhe.
Das emiratische Außenministerium verurteilte "in schärfster Form die erneuten terroristischen, unprovozierten iranischen Angriffe auf Zivilanlagen und Einrichtungen des Landes". Abu Dhabi behält sich das Recht auf eine Reaktion vor und sperrte den emiratischen Luftraum für eine Woche, was zahlreiche internationale Flugpläne und den Betrieb auf den großen Luftdrehkreuzen des Landes beeinträchtigt.
Die strategische Bedeutung von Fudschaira liegt darin, dass die Stadt außerhalb der Straße von Hormus liegt. Sie galt bislang als wichtigste Ausweichroute, über die emiratisches Rohöl auch während der laufenden Blockade fließen konnte. Der Angriff zeigt, dass Iran in der Lage ist und willens ist, auch diesen Umgehungsweg unter Beschuss zu nehmen.
Gleichzeitig in der Straße von Hormus
Am selben Montag begann die US-Marine im Rahmen von Operation "Project Freedom" damit, neutrale Handelsschiffe durch die blockierte Meerenge zu eskortieren. Das US-Zentralkommando CENTCOM meldete, sechs iranische Schnellboote versenkt zu haben, nachdem diese Handelsschiffe angegriffen hätten. Trump sprach auf Truth Social von sieben Booten. Iran bestritt die Angaben.
Parlamentspräsident Ali Niksad erklärte, Iran werde von seiner Position nicht abrücken, eine Rückkehr zu den Bedingungen vor dem Krieg sei ausgeschlossen. Das Ergebnis des Montags: Beide Seiten feuern aufeinander in einer Meerenge, die vor dem Krieg rund 20 Prozent des weltweiten Ölhandels kontrollierte. Ob die Waffenruhe noch gilt, ließ Trump auf eine direkte Journalistenfrage offen.
Araghchis Doppelspiel
Irans Außenminister Abbas Araghchi sendete am Dienstagfrüh auf der Plattform X zwei Botschaften gleichzeitig. Erstens: "Project Freedom ist Project Deadlock." Zweitens: Die Gespräche über einen Friedensplan liefen über pakistanische Vermittler und machten Fortschritte. Iran sei bereit, seine Verteidigungsoperationen einzustellen, sofern die USA das Gleiche täten.
Araghchi warnte sowohl die USA als auch die VAE davor, sich von "Feinden des Friedens" in einen Morast hineinziehen zu lassen. Die Formulierung richtet sich an beide gleichzeitig: Washington solle seine Eskortoperation einstellen, Abu Dhabi solle nicht militärisch reagieren. Das gibt Teheran die Möglichkeit, militärischen Druck aufrechtzuerhalten und gleichzeitig als Gesprächspartner aufzutreten.
Trump sendete seinerseits widersprüchliche Signale: Er erklärte gegenüber Reportern, die USA führten "sehr positive Gespräche" mit Teheran. Das entspricht der Strategie beider Seiten seit Wochen: Militärisch Fakten schaffen, diplomatisch Spielraum halten.
Fünf Dollar Ölanstieg in einer Nacht
Der Brentölpreis stieg nach den Angriffen um mehr als fünf Dollar je Barrel, US-Leichtöl WTI um mehr als drei Dollar. Der Angriff auf Fudschaira trifft das globale Ölangebot doppelt: Die Meerenge von Hormus ist ohnehin blockiert, jetzt steht auch die wichtigste Ausweichroute unter Beschuss. Rund 800 Handelsschiffe mit etwa 20.000 Seeleuten stecken seit Wochen in der Meerenge fest.
In Deutschland ist die Wirkung des Kriegs bereits messbar. Der ifo-Geschäftsklimaindex fiel im April auf 84,4 Punkte, den tiefsten Stand seit Mai 2020. In einer Erhebung des Münchner Instituts gaben 90 Prozent der deutschen Fertigungsunternehmen an, direkte Geschäftsauswirkungen durch den Iran-Krieg zu spüren. Das ifo Institut prognostiziert für 2026 ein Wirtschaftswachstum von nur 0,6 bis 0,8 Prozent.
Was am 8. Mai entschieden wird
Am 8. Mai wird die Waffenruhe formal überprüft. Die ursprüngliche zweiwöchige Waffenruhe vom 8. April hatte Trump am 21. April verlängert, mit der Begründung, die iranische Führung sei "ernsthaft gespalten" und brauche Zeit für einen eigenen Vorschlag. Ein iranisches Friedensangebot mit 14 Punkten liegt seit dem 3. Mai in Washington vor. Trump hatte es zunächst abgelehnt, zeigte sich zuletzt aber offener.
Die entscheidende Frage bis dahin ist, ob die VAE militärisch reagieren. Wenn Abu Dhabi in den Konflikt eingreift, wäre ein dritter Akteur aktiv und die Waffenruhe würde ihren letzten formalen Halt verlieren. Araghchis Morast-Warnung richtet sich genau gegen dieses Szenario.