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KI-Mammographie findet 18 Prozent mehr Brustkrebs als ohne Unterstützung

KI-Mammographie findet 18 Prozent mehr Brustkrebs als ohne Unterstützung

Mehrere Großstudien zeigen übereinstimmend: KI-Unterstützung bei der Mammographie-Auswertung verbessert die Krebserkennung um 14 bis 18 Prozent. Das könnte tausende Diagnosen früher stellen.

15. April 2026, 6:12 Uhr 533 Wörter · 3 Min. Lesezeit

Wenn eine künstliche Intelligenz einem Radiologen bei der Mammographie-Auswertung hilft, werden mehr Krebsfälle entdeckt, früher und mit weniger Nachsorgeterminen. Das zeigen mehrere unabhängige Großstudien, die in den Jahren 2024 und 2025 veröffentlicht wurden. Die Zahlen stimmen so gut überein, dass sie die medizinische Diskussion über KI-Diagnostik auf eine neue Grundlage stellen.

Was die Studien zeigen

Die bislang umfangreichste Untersuchung stammt aus Deutschland. Wissenschaftler analysierten Mammographie-Daten von 463.094 Frauen aus 119 Radiologiepraxen. Ergebnis: Mit KI-Unterstützung wurden 6,7 Krebsfälle pro 1.000 Frauen erkannt, ohne KI waren es 5,7. Das entspricht einem Anstieg von 17,6 Prozent. Auf das deutsche Mammographie-Screening-Programm mit rund 4,2 Millionen Teilnehmerinnen pro Jahr hochgerechnet würde das bedeuten: mehr als 4.000 zusätzliche Krebsdiagnosen jährlich, die meisten in frühem, noch gut behandelbarem Stadium.

Eine südkoreanische Studie, im März 2025 in Nature Communications veröffentlicht (AI-STREAM), kam auf ähnliche Zahlen: 13,8 Prozent höhere Erkennungsrate, wenn Radiologen durch KI unterstützt wurden. Der schwedische MASAI-Trial, veröffentlicht im Lancet Digital Health, ergänzt den Befund: Nicht nur werden mehr Krebsfälle gefunden, auch die sogenannten Intervallkarzinome, also Tumoren die zwischen zwei Screening-Terminen auftreten und oft aggressiver verlaufen, gingen um zwölf Prozent zurück.

Warum KI allein nicht reicht

Der Konsens der Forschung ist eindeutig: KI allein ist kein Ersatz für Radiologen. Studien zeigen, dass KI-Systeme je nach Kontext höhere Falsch-positiv-Raten produzieren als erfahrene Ärzte. Das bedeutet mehr unnötige Nachfolgeuntersuchungen und unnötige Belastung für Patientinnen. Der Gewinn kommt aus der Kombination: KI als zweites Paar Augen, das müdigkeitsunabhängig und konsistent auswertet und kritische Befunde markiert.

Das reflektiert auch die Zulassungspraxis. Die US-amerikanische FDA hatte bis Mitte 2025 rund 873 KI-Algorithmen für medizinische Bildgebung zugelassen, darunter allein rund 115 im Jahr 2025. Keiner dieser Algorithmen ist als eigenständiges Diagnosesystem zugelassen, alle sind als Assistenzsysteme für Ärzte konzipiert.

Deutschland hinkt beim Einsatz hinterher

Während skandinavische Länder KI-Unterstützung bereits in nationale Screening-Programme integriert haben, läuft in Deutschland der Einsatz noch überwiegend in Pilotprojekten. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung und Krankenkassen diskutieren Vergütungsmodelle, die den Einsatz auch in der Fläche wirtschaftlich machen sollen. Eine Entscheidung über eine bundesweite Empfehlung wird im zweiten Halbjahr 2026 erwartet.

Was das für Patientinnen bedeutet

Brustkrebs ist in Deutschland mit rund 70.000 Neuerkrankungen pro Jahr die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Früherkennung ist der wichtigste Faktor für Überleben und Heilungschancen. Tumoren, die im Stadium I diagnostiziert werden, haben eine Zehn-Jahres-Überlebensrate von über 90 Prozent. Im Stadium IV sind es unter 30 Prozent. Jede zusätzliche frühe Diagnose ist daher nicht abstrakt, sondern konkret lebensrettend.

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