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International
Trump attackiert Meloni nach Papstverteidigung: 'Sie hat keinen Mut'

Trump attackiert Meloni nach Papstverteidigung: 'Sie hat keinen Mut'

US-Präsident Donald Trump hat Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni im Corriere della Sera öffentlich angegriffen: 'Ich bin schockiert. Ich dachte, sie hatte Mut.' Meloni hatte Trumps Angriffe auf Papst Leo XIV. als inakzeptabel bezeichnet und verliert damit ihre Rolle als Trumps verlässlichste europäische Verbündete.

15. April 2026, 18:35 Uhr 692 Wörter · 4 Min. Lesezeit

US-Präsident Donald Trump hat Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni in einem Interview mit dem Corriere della Sera öffentlich angegriffen. "Ich bin schockiert", sagte Trump. "Ich dachte, sie hatte Mut, aber ich lag falsch." Damit zieht Trump die Konsequenzen aus einem Streit, den Meloni ausgelöst hatte, als sie Trumps Angriffe auf Papst Leo XIV. als "inakzeptabel" bezeichnete. Aus der bislang engsten europäischen Verbündeten Trumps ist binnen 48 Stunden eine öffentliche Gegnerin geworden.

Wie es zum Bruch kam

Giorgia Meloni war die einzige Regierungschefin der Europäischen Union, die zur Amtseinführung Donald Trumps im Januar 2025 persönlich nach Washington reiste. In einer Zeit, in der europäische Spitzenpolitiker Distanz zu Washington hielten, pflegte Meloni ein besonderes Verhältnis zum US-Präsidenten. Beobachter bezeichneten sie als seine "Lieblingseuropäerin".

Der Konflikt begann am Ostersonntag, als Trump auf Truth Social ein KI-generiertes Bild veröffentlichte, das ihn als Christusfigur zeigte und gleichzeitig Papst Leo XIV. angriff. Leo hatte den Irankrieg verurteilt und Trumps Politik öffentlich kritisiert. Meloni reagierte am 14. April: "Ich halte Präsident Trumps Worte zum Heiligen Vater für inakzeptabel." Für die Ministerpräsidentin eines Landes mit 60 Millionen Katholiken war das eine innenpolitische Notwendigkeit. Für Trump war es Verrat.

Trump verwendet dasselbe Wort zurück

Im Interview mit dem Corriere della Sera ließ Trump keine Zweideutigkeit: "Sie ist inakzeptabel, weil es ihr nichts ausmacht, dass der Iran eine Nuklearwaffe hat, die Italien in zwei Minuten in die Luft sprengen würde." Trump verwandte dabei dasselbe Adjektiv, das Meloni über ihn gebraucht hatte. Den Vorwurf, Meloni verteidige den Iran, wies Italiens Außenminister Antonio Tajani scharf zurück.

Tajani wählte in seiner Reaktion eine sorgfältig ausbalancierte Formulierung: "Wir sind und bleiben überzeugte Unterstützer der westlichen Einheit und verlässliche Verbündete der USA, aber diese Einheit wird auf gegenseitiger Loyalität, gegenseitigem Respekt und Ehrlichkeit aufgebaut." Tajani verteidigte Meloni zugleich: "Sie ist eine Frau, die niemals davor zurückschreckt zu sagen, was sie denkt. Die Ministerpräsidentin und die Regierung verteidigen ausschließlich die Interessen Italiens."

Innerhalb Italiens führte Trumps Angriff zu einem seltenen Moment der Einheit über Parteigrenzen hinweg. Elly Schlein, Vorsitzende der linken Partito Democratico und politische Gegnerin Melonis, stellte sich hinter die Regierungschefin: Es sei die Pflicht einer Christin, den Papst zu verteidigen.

Italiens Distanzierung auf zwei Ebenen

Trumps öffentlicher Angriff auf Meloni trifft eine Regierung, die sich gerade gleichzeitig auf zwei Wegen von der Allianz mit Amerika und Israel entfernt. Bereits am 14. April hatte Italien die automatische Verlängerung seines Verteidigungsabkommens mit Israel ausgesetzt. Anlass war, dass israelische Streitkräfte Warnschüsse auf einen UN-Beobachtungskonvoi der italienischen UNIFIL-Truppen im Südlibanon abgegeben hatten. Das israelische Außenministerium spielte die Aussetzung herunter und erklärte, das Abkommen habe ohnehin keinen substantiellen Inhalt gehabt.

Die Logik beider Schritte ist dieselbe: Die Regierung Meloni reagiert auf wachsenden innenpolitischen Druck. Italien stellt seit Jahren Soldaten für die UN-Friedensmission UNIFIL im Libanon ab. Dass auf diese Soldaten geschossen wurde, löste parteiübergreifende Empörung aus. Und ein Angriff auf den Papst trifft eine Nation, deren religiöse Identität enger mit dem Vatikan verbunden ist als die jedes anderen EU-Landes.

Papst Leo reist unbeirrt weiter

Papst Leo XIV. setzt sein Programm fort, ohne auf Trumps fortlaufende Angriffe einzugehen. Der erste amerikanische Papst der Geschichte ist zu seiner ersten Afrikareise aufgebrochen und besucht Algerien. An Bord des päpstlichen Flugzeugs sagte er Journalisten auf Englisch: "Ich möchte keine Debatte mit ihm führen." Der Vatikan ist in die Waffenruheverhandlungen als humanitärer Beobachter eingebunden und vermeidet bewusst jeden öffentlichen Schlagabtausch, der Gesprächskanäle gefährden könnte.

Was am Freitag auf dem Spiel steht

Am Freitag, dem 17. April, treffen sich Bundeskanzler Friedrich Merz, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, Großbritanniens Premier Keir Starmer und weitere Partner in Paris, um eine europäische Schifffahrtsmission für die Straße von Hormus zu koordinieren. Meloni war ursprünglich ebenfalls eingeladen. Ob sie nach dem öffentlichen Bruch mit Trump erscheint und welche Signalwirkung ihre Teilnahme oder Abwesenheit hätte, ist offen. Am 21. April läuft die Waffenruhe zwischen Iran und den USA aus. Die Chancen auf ein konzertiertes europäisches Druckmittel gegenüber Washington haben sich durch Trumps Angriff auf seinen letzten europäischen Verbündeten nicht verbessert.

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