Neuer Aprilrekord: Deutschland erzeugt 426 Gigawattstunden Solarstrom an einem Tag
Am 8. April 2026 produzierte Deutschland so viel Solarstrom wie nie zuvor an einem Apriltag: 426 Gigawattstunden. Frankreich setzte einen Tag später seinen eigenen Aprilrekord mit 136 Gigawattstunden. Wenige Tage zuvor hatte das Überangebot an erneuerbarem Strom an Ostermontag die Großhandelspreise zeitweise auf minus 324 Euro pro Megawattstunde gedrückt. Produzenten mussten Geld bezahlen, damit Abnehmer ihren Strom übernahmen.
Wie es zu diesem Rekord kam
Deutschlands Solarkapazität ist in den vergangenen Jahren massiv gewachsen. Allein 2025 wurden 16,2 Gigawatt neue Anlagen installiert, ein nationaler Jahresrekord. Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme errechnete, dass Wind- und Solarenergie 2025 erstmals gemeinsam die wichtigste Stromquelle in Deutschland waren, mit einem Anteil von 56 Prozent an der gesamten öffentlichen Stromerzeugung. Kohle und Gas spielen eine immer geringere Rolle in der deutschen Stromerzeugung.
Der Rekord vom 8. April fiel in eine Phase starker Sonneneinstrahlung im Frühjahr. Die Kombination aus gewachsener Installationskapazität und guten Wetterbedingungen sorgte für den historischen Tageshöchstwert. Dass die Preise in derselben Woche zeitweise extrem negativ wurden, lag an einem weiteren Faktor: An Ostermontag war der industrielle Stromverbrauch gering, während erneuerbare Quellen in voller Stärke einspeisten.
Was negative Strompreise bedeuten
Negative Strompreise entstehen, wenn das Netz mehr Energie aufnehmen muss als verbraucht wird. Regelbare Kraftwerke wie Gaskraftwerke können ihre Produktion drosseln, benötigen dafür aber Zeit und haben technische Mindestlastgrenzen. Pumpspeicherkraftwerke können überschüssigen Strom aufnehmen, sind aber kapazitätsbegrenzt. Laut Bloomberg sanken die Intraday-Preise am Ostermontag 2026 auf bis zu minus 323,96 Euro pro Megawattstunde.
Für private Haushalte sind negative Großhandelspreise kein direkter Vorteil. Der Haushaltsstrompreis enthält feste Netzentgelte, Steuern und Umlagen, die von Großhandelspreisschwankungen unabhängig sind. Wer einen intelligenten Zähler und einen dynamischen Tarif hat, kann von günstigen Stunden profitieren, etwa zum Laden von Elektrofahrzeugen oder zum Betrieb von Wärmepumpen.
Was die Energiewende jetzt herausfordert
Die Ergebnisse zeigen: Die Energiewende funktioniert technisch. Die Herausforderung liegt nicht mehr bei der Erzeugung, sondern bei Speicherung und Netzausbau. Deutschland hat ein Gesetz verabschiedet, das Photovoltaikanlagen über zehn Kilowatt bei anhaltend negativen Preisen automatisch drosseln kann, um Netzüberlastungen zu vermeiden. Kritiker befürchten, dass dies Investitionsanreize für neue Solaranlagen dämpft und damit den Ausbauzielen widerspricht.
Ausblick
Die Bundesregierung hat das Ziel, bis 2030 insgesamt 215 Gigawatt installierte Solarleistung zu erreichen. Ende 2025 lagen die installierten Kapazitäten bei rund 99 Gigawatt. Das bedeutet: Die Zubaugeschwindigkeit muss sich noch einmal deutlich erhöhen und Rekordtage wie der 8. April werden zur Normalität. Die entscheidende Frage ist dann nicht mehr, ob genug Strom erzeugt wird, sondern ob Netze, Speicher und Nachfrageflexibilität Schritt halten können. Eine klare Antwort darauf haben Bundesregierung und Netzbetreiber noch nicht gegeben.