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Wirtschaft
Bosch rutscht erstmals seit 2009 in die roten Zahlen

Bosch rutscht erstmals seit 2009 in die roten Zahlen

Bosch schreibt für 2025 erstmals seit der Finanzkrise 2008/2009 einen Nettoverlust. Der weltgrößte Automobilzulieferer hat für Personalmaßnahmen 2,7 Milliarden Euro zurückgestellt und baut konzernweit rund 42.000 Stellen ab.

16. April 2026, 12:32 Uhr 694 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Robert Bosch GmbH schreibt für das Geschäftsjahr 2025 erstmals seit der Finanzkrise 2008/2009 einen Nettoverlust. Das operative Ergebnis (EBIT) ist um 45 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro eingebrochen. Konzernchef Stefan Hartung nannte 2025 ein schmerzhaftes Jahr: Zölle, Handelsbarrieren, erhöhter Wettbewerb und nachlassende Zahlungsbereitschaft der Kunden seien ausschlaggebend. Für den weltgrößten Automobilzulieferer ist das mehr als eine Delle. Es ist der tiefste Einschnitt seit einer Generation.

Was die Zahlen zeigen

Der Umsatz blieb mit 91 Milliarden Euro nahezu stabil, leicht über dem Vorjahr von 90,3 Milliarden. Doch operativ hat sich das Bild fundamental verändert: Das EBIT fiel von 3,1 Milliarden Euro (2024) auf 1,7 Milliarden, die EBIT-Marge sank von 3,4 auf 1,9 Prozent. Unter dem Strich steht nach Steuern und Sonderbelastungen erstmals seit der Finanzkrise ein Nettoverlust.

Der entscheidende Belastungsposten sind 2,7 Milliarden Euro, die Bosch 2025 allein für Abfindungen und sozialverträgliche Personalmaßnahmen zurückgestellt hat. Diese Rückstellung übersteigt das operative Ergebnis des Konzerns. Zum Vergleich: 2023 lag die Eigenkapitalrendite bei über 5 Prozent. 2025 waren es 1,9 Prozent. Eine Rendite von mindestens 7 Prozent strebt Hartung nun frühestens für 2027 an.

Zölle, China und die E-Auto-Wende

Bosch nennt vier Ursachen. Erstens die US-Zölle unter Präsident Donald Trump, die Lieferketten verteuern und US-Kunden unter Druck setzen. Zweitens den verschärften Wettbewerb durch chinesische Anbieter, die in der Elektromobilitätssparte mit niedrigeren Preisen in Märkte drängen, die Bosch einst dominierte. Drittens eine schwache Weltkonjunktur mit rückläufiger Fahrzeugnachfrage in Schlüsselmärkten. Viertens die sinkende Zahlungsbereitschaft der Automobilkunden, die Bosch als Zulieferer unter permanenten Preisdruck setzt.

Besonders gravierend ist die Verschiebung im Bereich Elektromobilität. Bosch hatte massiv in Batteriesysteme und elektrische Antriebstechnologien investiert. Der Hochlauf der Elektrofahrzeuge verläuft jedoch langsamer als geplant, während chinesische Zulieferer wie CATL und BYD-Supplier aggressiv expandieren. Bosch verliert Marktanteile nicht wegen schlechter Produkte, sondern wegen strukturell niedrigerer Lohnkosten in China und staatlicher Subventionen der Konkurrenz.

42.000 Stellen: Wer die Last trägt

Seit Ende 2023 hat Bosch weltweit den Abbau von rund 29.000 Stellen angekündigt. Dazu kommen nun weitere 13.000 geplante Streichungen, überwiegend in Deutschland. Insgesamt sind damit rund 42.000 Arbeitsplätze betroffen, bei einem Konzern mit weltweit 427.000 Mitarbeitern zu Beginn des Jahres 2025.

Bosch ist nicht allein. In der deutschen Automobilzulieferindustrie bauen fast alle großen Unternehmen gleichzeitig ab: Continental hat in den vergangenen zwölf Monaten über 7.000 Stellen angekündigt, ZF Friedrichshafen mehr als 14.000, Schaeffler über 4.000. Die vier größten deutschen Zulieferer zusammen bauen binnen zwei Jahren rund 67.000 Stellen ab. Für die rund 400.000 Beschäftigten in der deutschen Automobilzulieferindustrie bedeutet das: Keine Branche hat in Deutschland seit der Wiedervereinigung einen vergleichbaren Strukturwandel in so kurzer Zeit erlebt.

Ein Barometer für den Industriestandort

Bosch ist kein normaler Zulieferer: Das Unternehmen liefert Steuergeräte, Bremssysteme, Sensoren und Antriebstechnologien für nahezu jeden Automobilhersteller weltweit. Wenn Bosch in die roten Zahlen rutscht, ist das ein Signal für die Branche. Bosch galt über Jahrzehnte als internes Barometer für den Gesundheitszustand des deutschen Industriestandorts: breit diversifiziert und bislang krisenresistent.

Das hat sich verändert. Die Energiepreiskrise nach der Hormusblockade erhöht die Produktionskosten, die Trump-Zölle belasten den Export und der chinesische Wettbewerb wächst schneller als westliche Zulieferer reagieren können. Für Arbeitnehmer in Bosch-Hochburgen wie Stuttgart, Reutlingen und Schwieberdingen sind die angekündigten Streichungen keine Statistik. Es sind reale Beschäftigungsperspektiven, die wegfallen.

Ausblick

Konkrete Zeitpläne für den weiteren Stellenabbau will Bosch in den kommenden Wochen bekanntgeben. Hartung dämpfte Erwartungen für 2026: Die Prognose hänge stark von der globalen Konjunkturentwicklung und der weiteren Entwicklung der US-Zölle ab. Sollte die Hormusblockade im April oder Mai nicht enden, steigen die Energiepreise weiter und belasten die gesamte produzierende Industrie zusätzlich. Bosch hat angekündigt, die Neuausrichtung bis 2027 abzuschließen. Ob dieser Zeitplan hält, entscheidet sich in den Verhandlungsräumen in Washington und Teheran ebenso wie in den Vorstandsetagen in Gerlingen-Schillerhöhe.

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