Ehefrau von Spaniens Premier Sánchez wegen Korruption angeklagt
Nach einer zweijährigen Ermittlung hat der Madrider Untersuchungsrichter Juan Carlos Peinado am 13. April 2026 Begoña Gómez, die Ehefrau von Spaniens Premierminister Pedro Sánchez, in vier Punkten angeklagt: Einflussnahme, Geschäftskorruption, Veruntreuung öffentlicher Mittel und Unterschlagung. Die Anklage eröffnet ein Strafverfahren, stellt aber noch kein Urteil dar. Gómez kann beim Tribunal anfechten, dass die Anklagen fallen gelassen werden.
Was dem Richter zufolge geschehen ist
Im Mittelpunkt der Untersuchung steht ein Lehrstuhl an der Madrider Universität Complutense, den Gómez mitgeleitet hat. Richter Peinado kommt zu dem Schluss, dass Gómez ihre Stellung als Ehefrau des seit 2018 amtierenden Premierministers genutzt hat, um öffentliche Ressourcen und persönliche Verbindungen für private Interessen einzusetzen. Konkret geht es um den Vorwurf, dass Unternehmen die öffentliche Aufträge erhielten verdeckte Gegenleistungen erbracht haben sollen, die über den Universitätslehrstuhl als Fassade liefen.
Die Untersuchung begann im April 2024 nach einer Beschwerde der Antikorruptionsgruppe Manos Limpias. Als die Ermittlungen bekannt wurden, deutete Sánchez an, er könnte zurücktreten, was in Spanien eine Welle politischer Unsicherheit auslöste. Er blieb im Amt und bezeichnete die Ermittlung als politischen Angriff.
Die Reaktionen
Die spanische Regierung hält an dieser Linie fest. Justizminister Félix Bolaños sagte, Richter Peinados Ermittlung habe irreparable Schäden am spanischen Justizapparat angerichtet. Sánchez selbst bezeichnete das Vorgehen als politisch motivierte Fischerei. Gómez hat jegliche Vorwürfe bestritten und erklärt, es gebe keine Wahrheit in den Anschuldigungen.
Die Antikorruptionsgruppe Manos Limpias, die die Beschwerde eingebracht hatte, sieht sich durch die Anklage bestätigt. Sie argumentiert, Gómez habe ihre Position genutzt um Vergabeentscheidungen zu beeinflussen.
Die konservative Volkspartei und die rechtspopulistische Vox-Partei fordern den Rücktritt von Sánchez. Ob der Druck stark genug wird, hängt davon ab, wie die öffentliche Debatte die Anklage einordnet: als legitimen Justizschritt oder als politische Instrumentalisierung eines Richters.
Die Glaubwürdigkeitsfrage
Spaniens Justiz ist seit Jahren politisiert. Beide politischen Lager werfen dem jeweils anderen vor, Richter nach politischen Gesichtspunkten zu besetzen. Richter Peinado ist eine bekannte Figur in dieser Auseinandersetzung. Die Regierung hat ihn wiederholt als parteiisch attackiert. Gleichzeitig ist die Anklage das Ergebnis von zwei Jahren Ermittlungsarbeit die formellen juristischen Standards folgen muss.
Fachleute für spanisches Strafrecht betonen, dass eine Anklage durch einen Untersuchungsrichter nicht mit einem Schuldspruch gleichzusetzen ist. Der Weg bis zu einem Urteil kann Jahre dauern. In dieser Zeit bleibt Sánchez rechtlich nicht persönlich betroffen.
Die politischen Kosten trägt er dennoch. Spaniens Regierung ist seit der Wahl 2023 auf wechselnde Koalitionspartner angewiesen. Regionalparteien die Sánchez' Minderheitsregierung stützen werden die Entwicklung aufmerksam beobachten.
Was als nächstes kommt
In den nächsten Wochen wird das zuständige Tribunal entscheiden, ob die Anklagepunkte für ein Strafverfahren ausreichen. Gómez' Anwälte werden versuchen, die Anklage in diesem Stadium anfechten zu lassen. Sollte das Tribunal die Anklage bestätigen, beginnt ein formelles Strafverfahren das voraussichtlich erst 2027 oder 2028 zu einem Urteil führen würde.