Bayern dreht Real Madrid und steht im Champions-League-Halbfinale
Nach einer Partie, die bis in die Schlussminuten wie eine Niederlage aussah, qualifiziert sich der FC Bayern München für das Halbfinale der Champions League. Real Madrid führte zur Halbzeit 3:2 und hatte den Einzug in die Runde der letzten Vier fast schon gesichert. Zwei Treffer in sechs Minuten, befeuert durch eine Gelb-Rote Karte für Eduardo Camavinga, drehten das Spiel: 4:3 für Bayern, 6:4 im Gesamtstand. Für den Deutschen Rekordmeister ist es das 14. Halbfinale in der Geschichte des Wettbewerbs.
Das Hinspiel und die Ausgangslage
Vor einer Woche hatte Bayern das Hinspiel in Madrid mit 2:1 gewonnen und damit eine knappe Führung in das Rückspiel in der Allianz Arena mitgenommen. Real Madrid brauchte also mindestens einen Sieg, um weiterzukommen. Der Druck lag auf dem siebenmaligen Titelverteidiger. Real, mit 15 Titeln der erfolgreichste Klub in der Geschichte des Wettbewerbs, hat in den vergangenen Jahren mehrere K.o.-Runden in der Nachspielzeit gedreht. Das Muster, diesmal, sollte sich gegen den Favoriten kehren.
Eine Partie in vier Akten
Der Abend begann denkbar schlecht für Bayern. Nach 34 Sekunden spielte Torhüter Manuel Neuer einen Rückpass von 40 Metern direkt zu Arda Güler. Der türkische Mittelfeldspieler lobte den Ball ins leere Tor: 0:1. Wenige Minuten zuvor hatte Neuer ähnliche Fehler in der Saison gemacht; dieser, vor 75.000 Zuschauern im Viertelfinale, kam zum denkbar unpassendsten Zeitpunkt.
Bayern reagierte schnell. Aleksandar Pavlović köpfte nach einem Eckstoß zum 1:1 ein (6. Minute), Güler drehte das Spiel mit einem Freistoß zurück auf 1:2 (29.), Harry Kane glich erneut aus zum 2:2 (38.). Dann traf Kylian Mbappé per Direktabnahme zum 2:3 (42.). Zur Halbzeit führte Real 3:2 im Rückspiel und lag im Gesamtstand 4:4 gleichauf. Bayern drohte bei einem Gleichstand die Verlängerung, bei einem weiteren Gegentor das Ausscheiden.
Der dritte Akt gehörte Camavinga. Der französische Mittelfeldspieler sah für zwei unnötige Fouls in kurzer Folge die Gelb-Rote Karte. Real Madrid spielte das letzte Viertel der Partie in Unterzahl gegen eine Bayern-Mannschaft, die nun mit dem Rücken zur Wand angriff.
Luis Diaz traf in der 89. Minute zum 3:3, nachdem er den Torhüter mit einem Schuss aus spitzem Winkel bezwungen hatte. Michael Olise, der sich in dieser Saison als einer der konstantesten Angreifer des Wettbewerbs erwiesen hat, vollendete in der 90.+4 Minute zum 4:3. Real Madrid schied aus. Bayern stand im Halbfinale.
Was dieses Spiel bedeutet
Bayern besitzt in dieser Saison eine Angriffslinie, die das Zeug hat, die Trophäe nach München zu holen. Harry Kane, Luis Diaz und Michael Olise gelten in der europäischen Presse mittlerweile als Trio von Ballon-d'Or-Anwärtern. Kane trifft in dieser Champions-League-Saison mit hoher Regelmäßigkeit. Olise liefert Tore und Vorlagen in den entscheidenden Momenten. Diaz hat in den K.o.-Runden seine Nervenstärke unter Beweis gestellt.
Für Real Madrid ist das Aus im Viertelfinale eine empfindliche Niederlage. Der Klub hatte in den vergangenen Jahren dreimal hintereinander das Finale erreicht. Der Auftritt in München zeigte Risse: Die Gelb-Rote Karte für Camavinga war unnötig und vermeidbar, Neuers Fehler hin oder her. Ohne die Überzahl in der Schlussphase wäre Real wohl weitergekommen.
Ein besonderer Aspekt geht im Jubel über die Dramatik fast unter: Trotz Neuers fatalem Fehler in der ersten Minute hielt Bayern die Nerven und holte das Ergebnis. In der Vergangenheit wäre ein solcher Fehler des Kapitäns oft zum psychologischen Knick einer ganzen Partie geworden.
Ausblick: Bayern trifft auf Paris Saint-Germain
Im Halbfinale trifft Bayern auf Paris Saint-Germain, das sich ebenfalls qualifiziert hat. Das Duell zwischen dem deutschen Rekordmeister und dem mit Geld aus Katar aufgebauten französischen Klub ist in der Champions League eine relative Neuheit. Die Halbfinaldaten werden in den kommenden Tagen von der ÜFA bekanntgegeben; die Endspiele sind für Mai und Juni 2026 geplant. Bayern hat seit 2020 kein Champions-League-Finale mehr gespielt. Der Kader dieser Saison, angeführt von Kane, Olise und Diaz, hat mehr individuelle Klasse als jede Bayern-Mannschaft seit Jahren. Das Halbfinale gegen PSG wird zeigen, ob das auch für die Titelreife reicht.