DAX
S&P 500
NASDAQ
Dow Jones
MSCI World
Gold
Silber
Brent
BTC
Apple
Microsoft
NVIDIA
Amazon
Alphabet
Meta
Berkshire
Broadcom
Tesla
TSMC
← Zurück zur Übersicht
Good News
Durchbruch bei Bauchspeicheldrüsenkrebs: Pille verdoppelt Überlebensdauer

Durchbruch bei Bauchspeicheldrüsenkrebs: Pille verdoppelt Überlebensdauer

Eine neue Phase-3-Studie belegt, dass der RAS-Inhibitor Daraxonrasib die mediane Überlebensdauer bei metastasiertem Bauchspeicheldrüsenkrebs von 6,7 auf 13,2 Monate verdoppelt. Das Sterberisiko sank um 60 Prozent gegenüber der bisherigen Standardchemotherapie.

16. April 2026, 6:27 Uhr 520 Wörter · 3 Min. Lesezeit

Wer die Diagnose metastasierter Bauchspeicheldrüsenkrebs erhält, lebte bisher statistisch noch sechs bis sieben Monate. Eine neue Phase-3-Studie zeigt nun: Das Medikament Daraxonrasib verdoppelt diese Überlebensdauer auf 13,2 Monate und senkt das Sterberisiko um 60 Prozent gegenüber der bisherigen Standardchemotherapie. Für eine der tödlichsten Krebsarten der Welt ist das ein historischer Wendepunkt.

Warum Bauchspeicheldrüsenkrebs so schwer behandelbar ist

In Deutschland erkranken jährlich rund 20.000 Menschen an Bauchspeicheldrüsenkrebs, fast 18.000 sterben daran. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate liegt bei unter 12 Prozent, damit ist diese Krebsart tödlicher als Lungen- oder Darmkrebs. Der Hauptgrund: Der Tumor sitzt tief im Bauch, verursacht lange keine Symptome und wird meist erst im fortgeschrittenen Stadium entdeckt, wenn eine Operation nicht mehr möglich ist.

Der entscheidende biologische Hintergrund: In mehr als 90 Prozent aller Pankreaskarzinome liegen Mutationen im RAS-Onkogen vor. Mutierte RAS-Proteine treiben unkontrolliertes Tumorwachstum an. Jahrzehntelang galten RAS-Mutationen als pharmakologisch nicht angreifbar. Die ersten zugelassenen RAS-Inhibitoren wie Sotorasib und Adagrasib wirken jeweils nur gegen eine spezifische Mutation, vor allem bei Lungenkrebs. Für Pankreaskrebs gab es bisher keinen Durchbruch dieser Art.

Die Studie und ihre Ergebnisse

Das amerikanische Unternehmen Revolution Medicines hat mit Daraxonrasib einen sogenannten Pan-RAS-Inhibitor entwickelt, der ein breites Spektrum von RAS-Mutationsvarianten hemmt. Das Besondere: Das Medikament wird als Tablette einmal täglich eingenommen, nicht als intravenöse Infusion.

Die Phase-3-Studie RASolute 302 schloss Patienten mit metastasiertem Pankreaskarzinom ein, die bereits eine Erstlinientherapie erhalten hatten. Das zentrale Ergebnis: Im Vergleich zur Standardchemotherapie lebten die Patienten in der Daraxonrasib-Gruppe im Median 13,2 Monate statt 6,7 Monate. Der Hazard Ratio von 0,40 bedeutet, dass das Sterberisiko zu jedem Zeitpunkt um 60 Prozent niedriger war als in der Vergleichsgruppe. Alle primären und sekundären Studienendpunkte wurden erreicht, mit einem p-Wert unter 0,0001.

Besonders überraschend: Die Verbesserung galt nicht nur für Patienten mit RAS-G12-Mutationen, sondern für alle Studienteilnehmer, einschließlich jener ohne nachgewiesene RAS-Mutation. Das deutet darauf hin, dass Daraxonrasib breiter wirkt als ursprünglich erwartet. Das Nebenwirkungsprofil war nach Unternehmensangaben handhabbar, ohne neue unerwartete Risiken.

Was dieser Befund bedeutet

Die Pancreatic Cancer Action Network, eine der größten amerikanischen Patientenorganisationen, nannte die Studienergebnisse historisch. Der frühere US-Senator Ben Sasse, der selbst an einem Pankreastumor erkrankte, war Studienteilnehmer und trat öffentlich als Gesicht der Studie auf.

Zum Einordnen: Die meisten onkologischen Fortschritte bei Pankreaskrebs der letzten Jahrzehnte verlängerten die Überlebensdauer nur um wenige Wochen. Eine Verdopplung der medianen Überlebensdauer ist pharmakologisch außergewöhnlich. Zum Vergleich: Pembrolizumab, das als Meilenstein in der Lungenkrebstherapie gilt, verlängerte das mediane Überleben gegenüber Chemotherapie in der Erstlinie um etwa vier Monate. Daraxonrasib erreicht in der Zweitlinie mehr als das Doppelte.

Für die rund 20.000 Deutschen, die jährlich neu erkranken, käme eine Zulassung einer erheblichen Verbesserung der Prognose gleich. Allerdings gilt das Medikament zunächst nur für die Therapie nach Versagen einer Erstlinienbehandlung. Wie es in der Erstlinie oder in Kombination wirkt, prüfen weitere laufende Studien.

Ausblick

Revolution Medicines hat angekündigt, bei der US-amerikanischen FDA einen Antrag auf beschleunigte Zulassung einzureichen. Die vollständigen Studiendaten werden auf dem ASCO-Kongress im Juni 2026 vorgestellt. Ein europäischer Zulassungsantrag bei der EMA ist für den Sommer geplant. In Deutschland dauert es nach EMA-Zulassung typischerweise noch sechs bis zwölf Monate bis zur Erstattungsentscheidung. Für deutsche Patienten ist eine Verfügbarkeit frühestens 2027 realistisch.

Weitere Artikel

Politik

Spahn fordert Atomkraftdebatte: Unionsfraktionschef gegen Merz

Unionsfraktionschef Jens Spahn fordert eine Debatte über Atomkraftreaktivierung und widerspricht damit offen Kanzler Merz. Der Vorstoß zeigt tiefe Bruchlinien in der Energiepolitik, die weit über die Union hinausgehen.

7 Quellen 4 Min. Lesezeit
Investigativ

Parteispenden in Deutschland: Wie Konzerne politischen Einfluss finanzieren

Deutschland hat das großzügigste Parteispendensystem Europas. Ohne Obergrenze, ohne unabhängige Kontrolle und mit einer Transparenzlücke, die 62 Prozent aller Zuwendungen unsichtbar macht. Eine Analyse der Zahlen, Schlupflöcher und Profiteure.

15 Quellen 11 Min. Lesezeit
International Aktualisiert

Ukraine nimmt erstmals russische Stellung nur mit Drohnen und Robotern ein

Die Ukraine hat erstmals einen feindlichen Stützpunkt eingenommen, ohne Infanterie einzusetzen. Drohnen und Bodenroboter führten die gesamte Operation durch. Zwei Tage zuvor unterzeichneten Deutschland und die Ukraine ein Verteidigungsabkommen über vier Milliarden Euro mit gemeinsamer Drohnenproduktion.

17 Quellen 5 Min. Lesezeit
Tech & Wissen

OECD: Long Covid kostet Industrieländer 135 Milliarden Dollar jährlich

Eine neue OECD-Studie beziffert die jährlichen Kosten von Long Covid für die Industrieländer auf bis zu 135 Milliarden Dollar und prognostiziert, dass diese Belastung bis mindestens 2035 anhalten wird. Der größte Teil entfällt nicht auf Behandlungskosten, sondern auf Produktivitätsverluste.

6 Quellen 4 Min. Lesezeit
Good News

Ab August 2026: Erstklässler haben erstmals Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung

Ab dem 1. August 2026 können Eltern von Erstklässlern erstmals einen gesetzlichen Anspruch auf ganztägige Grundschulbetreuung einfordern. Das Ganztagsförderungsgesetz sieht vor, das Recht bis 2029/30 auf alle Klassen 1 bis 4 auszuweiten und damit rund 3,7 Millionen Grundschulkinder zu erreichen.

6 Quellen 4 Min. Lesezeit
Unterstütze uns!